Dresden

Was dem Wessi seine Blaufichte mit Lichterkette im Vorgarten, ist dem Ossi der Schwibbogen im Wohnzimmerfenster (für westdeutsche Leser: Es handelt sich um einen halbkreisförmigen Kerzenständer). Tino Günther ist Meister der Herstellung von Holzspielzeug in Seiffen im Erzgebirge, wo Räuchermännchen, Weihnachtspyramiden und andere Sinnbilder sächsischer Adventsgemütlichkeit vorzugsweise produziert werden.

Günther ist aber auch Landtagsabgeordneter der FDP im Landtag zu Dresden.

Fern seiner erzgebirgischen Heimat hat er die Fensterbank seines Abgeordnetenbüros, wie es zu Hause Brauch ist, mit einem elektrisch betriebenen Schwibbogen dekoriert, der nächtens in die Finsternis strahlt und von Weihnachtsfrieden künden soll. Zwei Kollegen taten es ihm nach.

Von Frieden jedoch keine Spur. Vielmehr riefen die versammelten Schwibbögen die Landtagsverwaltung auf den Plan, die unter Berufung auf eine acht Jahre alte Verfügung des Parlamentspräsidiums darstellende und gestalterische Maßnahmen strengstens untersagte. Schließlich könne man ja auch nicht - Würde des Parlaments! - Häkeldeckchen ins Fenster hängen oder blinkende Rentiere oder, noch schlimmer, der NPD-Fraktion einen Präzedenzfall für verbotene Außenwerbung liefern.

Für mich als Erzgebirger gibt es doch nichts Natürlicheres, als im Advent einen Schwibbogen aufzustellen, rechtfertigt sich Günther. Dagegen witterte Landtagspressesprecher Ivo Klatte eine PR-Aktion der kleinen Oppositionsfraktion, was diese strikt zurückweist. Das Präsidium wurde mit dem Kasus befasst und bekräftigte den Häckeldecken-Beschluss von 1997, die Liberalen aber blieben halsstarrig. Vorerst letzter Akt das Dramas: Emissäre der Landtagsverwaltung drangen nächtens in die Büros der Schwibbogen-Fraktion ein und knipsten die Adventsleuchter kurzerhand aus. Für die Freidemokraten ein bedenklicher Akt staatlicher Willkür, den sie im nächsten Landtagswahlkampf zweifellos aufgreifen werden.