Wenn bei Discountern zwischen Suppentüten und Toilettenpapier einmal wieder Hochleistungs-PCs als Schnäppchen verramscht werden, dann fällt so mancher Kunde in einen wahren Technikrausch. Plötzlich zählen nur noch Taktfrequenzen und Gigabyte; beispielsweise dann, wenn Aldi Süd – wie jüngst im November – einen Heimcomputer mit Doppel-Prozessor, 250-Gigabyte-Festplatte und seitenlangen Extras für 999 Euro offeriert. "Die Zukunft beginnt", jubelten die Aldi-Werbetexter, und die Konkurrenz ließ sich nicht lumpen. Nur ein paar Tage später stand bei Norma ein würfelförmiger Computer mit ähnlichen Leistungsmerkmalen zum selben Preis im Regal. Zwei Wochen zuvor hatte Lidl bereits einen üppig ausgestatteten 1100-Euro-PC unters Volk gebracht.

Auch wenn die hoch gezüchteten Rechner im Verhältnis zur Ausstattung günstig sein mögen, sind sie doch für einen guten Teil der potenziellen Kunden zu teuer. "Wer als Normalnutzer so einen Computer kauft, hat praktisch einen Ferrari für den Stadtverkehr", sagt Henning Withöft, Computerexperte bei der Stiftung Warentest. Allenfalls bei professioneller Videobearbeitung oder bei extrem leistungshungrigen Computerspielen mit schneller und hochauflösender dreidimensionaler Grafik werden die Leistungsreserven solcher PCs in Anspruch genommen, während die üblichen Anwendungen wie Internet-Surfen, Textverarbeitung oder Musik- und Digitalfotoverwaltung sozusagen im Standgas abgewickelt werden.

Die oftmals angepriesene TV-Karte für den Fernsehempfang am Computer stufen Experten ohnehin eher als Technik-Gag denn als tatsächliche Verbesserung der Fernsehqualität ein. Die Stiftung Warentest nahm verschiedene Geräte unter die Lupe und kam im Vergleich zum herkömmlichen Fernsehgerät und DVD-Spieler zu ernüchternden Ergebnissen. "Es fehlt an Bildqualität, Benutzerfreundlichkeit und Systemstabilität", so das Fazit der Tester. Angesichts der Tatsache, dass der Aufpreis für die erforderliche Hardware ein Vielfaches des Kaufpreises für einen DVD-Spieler ausmacht, drängen sich diese Extras nicht auf.

Doch wie viel Computerleistung braucht der Mensch? Diese Frage scheint angesichts der verwirrenden Vielfalt und der sich schier überschlagenden Gigahertz- und Gigabyte-Werbung für so manchen Verbraucher unlösbar. Mehr noch: Dass es für viele Anwenderbedürfnisse viel preisgünstigere Lösungen gibt als die Rechengiganten vom Discounter, ist offenbar von deren Marketingstrategen mit viel Werbedruck erfolgreich in den Hintergrund gedrängt worden. So trennt zwar der Dresdner Computerhändler Cyberport in seinem Internet-Shop das Angebot in Low-Cost, Heim- und Geschäfts-PC. Doch das untere Preissegment wird kaum nachgefragt, bestätigt Danilo Frasiak, Leiter von Einkauf und Produktmarketing bei Cyberport: "Der Anteil an PCs unter 500 Euro liegt im Verkauf bei rund zehn Prozent." Dazu passt die Auswahl an Computern, die Media Markt auf seiner Internet-Seite zum Kauf anbietet. Von 24 angebotenen Modellen kosten nur zwei weniger als 500 Euro. Wie sich bei Media Markt und Saturn die Umsätze auf die einzelnen Preissegmente verteilen, dazu will die zum Metro-Handelskonzern gehörende Media-Saturn-Holding nichts sagen. "Zu Verkaufszahlen der Sortimente äußern wir uns grundsätzlich nicht", blockt ein Unternehmenssprecher ab.

Dabei könnte so mancher Computernutzer beim Kauf mehrere hundert Euro sparen, wenn er die Leistung des Geräts auf die geplanten Anwendungen abstimmen würde. Textverarbeitung, Bild- oder Musikverwaltung, einfache Spiele, E-Mail und Internet nehmen nur wenig Leistung und Speicherplatz in Anspruch. Bei diesem Nutzerprofil hält Withöft die Ausstattung mit 512 Megabyte Arbeitsspeicher und einem DVD-Brenner für ausreichend. Solche Modelle gibt es bei günstigen Fachhändlern schon für knapp 400 Euro – allerdings ohne Betriebssystem. Wer Windows benötigt, muss 80 bis 90 Euro extra einkalkulieren.

Linux-Fans können diesen Aufpreis einsparen, wenn sie nach dem Kauf das Gratis-Betriebssystem selbst installieren. "Auch nach dem Kauf eines Windows-Rechners lassen sich mit freier Software noch Kosten sparen", sagt Withöft. So werden oftmals Standardprogramme wie die Textverarbeitung Word oder Ta- bellenkalkulations- und Präsentationssoftware nicht mitgeliefert. Wer beispielsweise aus dem Internet die kostenlose Büro-Programmsuite namens OpenOffice herunterlädt, anstatt das Office-Paket von Microsoft zu kaufen, spart je nach Ausstattung bis zu 300 Euro.

Als Informationsquelle bieten sich nicht nur Computer-Insider im Familien- oder Bekanntenkreis an. "Auch der Fachhändler um die Ecke kann eine durchaus sinnvolle Anlaufstelle sein", sagt Withöft. Diese Vorgehensweise beobachtet Frasiak bislang vorwiegend bei den Geschäftskunden, die bei der Auswahl der Computer deutlich kritischer seien.