Nun also Hongkong. In der kommenden Woche wollen sich die Minister der 148 WTO-Mitgliedsstaaten in der chinesischen Metropole treffen, um den Welthandel weiter zu liberalisieren. Zunächst war der Gipfel als Höhepunkt der laufenden Handelsrunde geplant. Doch nun ist der für den Handel zuständige EU-Kommissar Peter Mandelson frustriert - und wäre wie WTO-Chef Pascal Lamy schon froh, wenn sich alle Beteiligten auf das Weiterverhandeln einigen könnten. Liberalisierung ist derzeit nicht populär. Europa fürchtet um seine Bauern, die Schwellenländer um ihre Industrie, und alle fürchten die Chinesen.

Symbolkraft wird das Treffen dennoch haben: Sollte Hongkong scheitern, endet vorerst auch die multilaterale Öffnung der Märkte. Für Europa wäre das ein herber Rückschlag: Kein Exportboom für die europäische Industrie durch die weltweite Senkung der Zölle, keine Öffnung der Schwellenländer-Märkte für die Dienstleistungsbranche. Und die EU-Kommission müsste ihre Handelsstrategie komplett umbauen. Statt per WTO müsste sie dann mit einzelnen Ländern oder Blöcken Verträge schließen - ein anstrengendes Unterfangen. Auch für die Entwicklungsländer wäre das kein automatischer Gewinn, sind sie doch bei bilateralen Verhandlungen oft unterlegen.

Noch bleibt den Welthändlern Zeit bis Mitte 2007, dann läuft das Verhandlungsmandat des amerikanischen Präsidenten aus. Für Hongkong gilt daher die heimliche Devise: Augen zu und durch.