In Rumänien haben Nonnen eine angeblich vom Teufel besessene Mitschwester zu Tode gekreuzigt. In den Kinos läuft derzeit Der Exorzismus der Emily Rose, eine Verfilmung des Schicksals von Anneliese Michel, die daran glaubte, besessen zu sein und 1976 nach einem Exorzismus-Ritual starb. Wir sprachen mit dem Berliner Kulturhistoriker Thomas Macho über die Anziehungskraft des Teufelsglaubens. Macho beschäftigt sich mit Metaphern des Todes und der Geschichte von Ritualen.

DIE ZEIT: Erlebt der Teufel eine Renaissance?

Thomas Macho: Ich denke schon. Denn wir leben in einer Zeit der anonymen Bedrohungen. Die Antiterrorgesetze sowohl in den USA als auch in Deutschland erzeugen ein Klima des Misstrauens. Das führt zu paranoiden Stimmungen und einer Sehnsucht nach Ordnung. Das Exorzismus-Ritual ist ein Scheideritual: Es soll das Gute vom Bösen trennen und diese Grenze wieder sichtbar machen.

ZEIT: Gingen Fälle von Besessenheit immer mit Bedrohungen einher?

Macho: Ja. Vor der Hexenverfolgung im Mittelalter kam die Pest. In Rumänien gab es dieses Jahr verheerende Überschwemmungen. Und der Fall Michel im Jahre 1976 fiel in die Hochphase des RAF-Terrorismus.

ZEIT: Steht der Fortschritt der Aufklärung auf dem Spiel?

Macho: Schwer zu sagen. Die katholische Kirche war nie unbedingt Teil der modernen Wissenskultur. Und Ernst Bloch schreibt: Aufklärung hat die Säkularisierung Gottes vollbracht, aber nicht die des Teufels. Das Böse ist viel evidenter. Besonders in den vergangenen hundert Jahren.