Ich bin nicht stolz auf irgendetwas, nur weil es in jenem Land geschieht, in dem ich lebe. Dass David Irving in Österreich festgenommen wurde, finde ich allerdings sehr gut. Anders, als manche Kommentatoren meinen, ist die Gaskammer-Leugnung keine Meinung, sondern eine offenkundig unrichtige und tausendfach widerlegte Äußerung; eine Lüge. Niemand wundert sich, dass Redefreiheit eingeschränkt wird, wenn es um Verleumdung, Rufmord oder Verhetzung geht. Die vorsätzliche Leugnung von Auschwitz setzt zudem eine jüdische Weltverschwörung, eine organisierte Geschichtsverdrehung voraus. Nicht nur einige "Verrückte" hängen dem revisionistischen Hirngespinst an. Es ist vielmehr Kernstück totalitärer Ideologien, wie etwa in der radikal- islamistischen Bewegung. Die Auschwitz-Leugnung ist ein globaler Aberglaube und die Ritualmordlegende der Gegenwart. Deswegen ist Österreichs Recht in diesem Punkt ein Vorbild für ganz Europa. Es brauchte ein kontinentales Verbotsgesetz.

Und worüber waren Sie in den vergangenen Tagen enttäuscht?

Es enttäuscht mich nicht, da ich nichts anderes erwartete, aber es ärgert mich: Nichts macht Wolfgang Schüssel, um umzusetzen, was der Verfassungsgerichtshof anordnete. Nichts, um eine gerechte Lösung im Streit um die Kärntner zweisprachigen Ortstafeln zu finden.

Doron Rabinovici, geboren 1961 in Tel Aviv, lebt seit 1964 in Wien. Er ist Historiker, Schriftsteller und Essayist. Seine Studie über die Geschichte der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde während der NS-Ära ("Instanzen der Ohnmacht") gilt als Standardwerk. Zuletzt ist von ihm der Roman "Ohnehin" im Suhrkamp Verlag erschienen