UmweltAllerfeinste Widersprüche

Im Kampf gegen Feinstaub herrscht das Chaos. Städte rebellieren gegen strenge Regeln, auch die EU will sie lockern. Dagegen protestieren Umweltmediziner. Und der Staat fördert das staubreiche Heizen mit Holz von 

An Weihnachten wird es gemütlich bei Familie Deutschmann: Im Kaminofen prasseln Holzscheite, am Weihnachtsbaum brennen Kerzen. Im Backofen schmurgelt die Gans, in der Fritteuse brutzeln Kroketten. Ein handgeschnitztes Räuchermännchen aus dem Erzgebirge verbreitet Tannenduft, die Kinder spielen mit Funken sprühenden Wunderkerzen, die sie unter Opas Aufsicht anzünden. Der freut sich bereits auf sein traditionelles Präsent, ein Kistchen Zigarren. Deren Edelduft wird er in blauen Ringen genüsslich zur Decke blasen.

Wären Umweltmediziner bei Deutschmanns zu Gast, sie müssten die Gemütlichkeit gründlich stören. Den qualmenden Opa in ein belüftetes Einzelzimmer schicken oder zumindest in die Nähe einer kräftigen Abzugshaube, die den Feinstaub nicht nur von Backofen und Fritteuse, sondern auch von all den Wunder-, Räucher- und sonstigen Kerzen entsorgt. Die brennenden Holzscheite im Kamin gehören ebenso zu den notorisch stinkenden Staubquellen (siehe Grafik).

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Die Deutschmanns müssen noch viel lernen. Beispielsweise dass Feinstaubbelastungen in Innenräumen oft jene auf viel befahrenen Straßen übersteigen. Wo Raucher paffen und es in Kaminen knistert, herrscht zwar meist gute Stimmung. Aber in solch dicker Luft betragen die Feinstaubwerte locker das Achtfache des EU-Grenzwerts (von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter), der seit Januar 2005 draußen gilt.

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In mehreren Dutzend deutschen Städten wird dieser EU-Grenzwert an über 35 Tagen pro Jahr überschritten. Deshalb müssen die Kommunen handeln. Das Gesetz zwingt sie, Aktionspläne zu entwickeln, um künftig die Stadtluft zu säubern. Die Preisfrage lautet nur: Wie? Alle möchten unbehelligt weiter grillen, rauchen, Auto fahren und Neujahr mit Böllern feiern. Derweil steigt die Feinstaubbelastung, weil eine rasch wachsende Zahl kühl rechnender Heizer die hohen Öl- und Gaspreise unterläuft – durch Befeuern alter und neuer Holzöfen. Wer sich eine moderne Heizung einbaut und darin Holzhackschnitzel oder -pellets verfeuert, bekommt sogar Subventionen vom Staat. Holz gilt als klimaschonend, weil CO2-neutral. Genügen da die geplanten Zwangsmaßnahmen wie verschärfte Tempolimits oder Fahrverbote für ältere Dieselautos in belasteten Stadtteilen überhaupt noch?

"Wir tun unser Bestes. Aber es wird nicht ausreichen, um die vorgeschriebenen Grenzwerte einzuhalten", warnte Axel Welge, Umweltbeauftragter des Deutschen Städtetags, auf der 1. Deutschen Feinstaubkonferenz Anfang Dezember in Berlin. "Der Schwarze Peter liegt in Brüssel. Wir messen die falschen Staubwerte. Und es fehlen die technischen Normen, um die geforderte Reinhaltung der Luft zu ermöglichen", klagte er. "Wir werden gegenüber dem Bürger unglaubwürdig."

Welge stieß mit seiner Kritik auf Zustimmung. Die Berliner Charité und das Bundesumweltministerium (BMU) hatten zu der Konferenz geladen. Erstmals trafen Feinstaubexperten aus allen betroffenen Bereichen zusammen, aus Medizin, Wissenschaft, Industrie und Politik, um sich über die verworrene Lage an der Feinstaubfront auszutauschen.

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So erklärte die neue Parlamentarische Staatssekretärin im BMU, Astrid Klug, Feinstaub zum "wichtigsten Luftreinhalteproblem". Sie bestätigte, dass "die Maßnahmen der Städte das Problem nicht an der Wurzel packen". Nicht nur die Messvorschriften für Feinstäube seien fragwürdig. Auch bei "Holz und festen Brennstoffen gibt es Handlungsbedarf". Die neue Bundesregierung werde "die Nachrüstung von Kraftfahrzeugen mit Partikelfiltern aufkommensneutral steuerlich fördern und Autos ohne Filter ab 2008 mit einem steuerlichen Malus belegen".

"Falsch", tönte es von den Zuhörerrängen. Eine Vertreterin des Verkehrsministeriums betonte, es werde keine Technik vorgeschrieben, sondern die Einhaltung von Grenzwerten. "Wer dies ohne Filter schafft, bezahlt auch keinen Malus." Die Staatssekretärin des BMU ruderte zurück.

Den Grundsatzstreit zwischen Umwelt- und Verkehrsministerium darüber, ob Partikelfilter zwingend notwendig seien, fechten Umwelt- und Gesundheitsschützer schon lange mit der deutschen Automobilindustrie aus: Letztere möchte die Grenzwerte ohne teure Filter erfüllen, etwa durch bessere Verbrennung im Motor. Umweltmediziner hingegen halten Partikelfilter für die einzige Lösung, weil diese sämtliche Staubteilchen wirksam vernichten, und zwar in allen Gewichts- und Größenklassen. Dies ist wichtig, weil bei den Partikeln die Faustregel gilt: "Die Feinsten sind die Gemeinsten." Das allerdings stellt die bisherigen Grenzwerte, Messmethoden und Bekämpfungsmaßnahmen in Frage, weil die sich lediglich an der Masse des Feinstaubs orientieren. Für dessen gesundheitliche Wirkung sind jedoch andere Faktoren wichtiger: etwa die chemische Zusammensetzung der Partikel, wie der Darmstädter Umweltmineraloge Stephan Weinbruch eindrücklich zeigte.

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Aus seinem Institut stammen die elektronenmikroskopischen Aufnahmen auf dieser Seite. Sie zeigen nur millionstel Meter (Mikrometer) große Teilchen, wie sie milliardenfach durch unsere Atemluft schweben. Mal handelt es sich um harmloses Meersalz oder zerklüfteten Sandstaub (Silikate), mal sind es Pollen oder Sporen, Ammoniumsalze aus der Landwirtschaft, Rußpartikel in verschiedensten Formen, Metallstäube und komplexer Mischmasch aus Industrie, Verkehr, Kultur und Natur. Weinbruch macht ein Staubuniversum sichtbar und kann zeigen, dass es je nach Stadt und Windrichtung oft völlig anders aussieht. Nur Spaßvögel kämen nach seinem Vortrag auf die Idee, diese riesige Vielfalt einzig nach Gewicht zu messen, wie es die EU vorschreibt.

Damit nicht genug. Neben der Chemie prägen auch die Oberflächen der Partikel deren biologische Wirksamkeit. Und besonders wichtig ist ihre Größe. Denn die entscheidet, wie tief eingeatmete Teilchen in die Lunge und von dort ins Blut oder sogar in die Organe gelangen. Schnelle Passagen in Herz und Hirn schaffen nur winzige Wichte, die kleiner sind als 0,1 Mikrometer. Sie stammen oft aus Verbrennungsprozessen und stellen bei den drei Größenklassen für Feinstaub die "ultrafeine" Fraktion, die Allerfeinsten. Deutlich dicker sind die Mitglieder der "feinen" Fraktion, sie sind bis zu 25-mal größer (maximal 2,5 Mikrometer). Beim Messen nach EU-Vorschrift wuchtet allerdings die "grobe" Fraktion (2,5 bis 10 Mikrometer) mit Abstand das meiste Gewicht auf die Feinwaage. Da dicke Brummis oft schon im Atemtrakt kleben bleiben und abgehustet werden, ist ihre gesundheitliche Brisanz allerdings deutlich geringer als jene der Allerfeinsten.

Wie grobschlächtig die auch hier übliche EU-Gewichtsmessung ist, weil sie Groß und Klein in einem Aufwasch erfasst, zeigt folgender Vergleich: Ein eher harmloser Brummer (10 Mikrometer dick) wiegt genauso viel wie eine Million ultrafeiner Teilchen (0,1 Mikrometer) mit brisanter Tiefenwirkung! Solche Erkenntnisse, die Klagen der Städte, sie müssten unsinnige Grenzwerte erfüllen, sowie allerlei Märchen vom Allerfeinsten (die Feinstaubdebatte sei von den Linken, Grünen und Medien inszenierter Unsinn) sind auch bis zur EU nach Brüssel vorgedrungen und sorgen dort für Zoff und Verwirrung. Eine neue Direktive für die Luftreinhaltung ist geplant. Die einen wollen den Feinstaub härter bekämpfen, die anderen die Grenzwerte lockern. Letztere haben im Moment die Nase vorn und planen unverbindliche Werte, an denen auch mal geschraubt werden darf. So sollen künftig harmlose Frachten von Meersalz oder Sahara-Staub abzugsfähig sein von den Messwerten.

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Genau das wiederum bringt Umweltmediziner aus ganz Europa auf die Zinnen. In einem Protestbrief an das zuständige EU-Komitee für Luftreinhaltung verwahren sich drei Dutzend führende Wissenschaftler gegen solch oberflächliche Logik. Aus historischen und messtechnischen Gründen beruhen die Grenzwerte auf einem Mischmasch an Stäuben, von denen etliche vermutlich harmlos sind. Diese aber nach Gutdünken einfach herauszupicken, das eröffnet ein fast beliebiges Herunterrechnen der Grenzwerte. Als Feinstaub wirkt Eichen- oder Buchenholz krebserregend, Mehl wird plötzlich allergieauslösend und explosionsfähig, Harmloses wird brisant. Die Feinstaubforschung erinnert bisweilen an Terroristenfahndung. Sie muss große Mengen im Auge behalten, und die Attentäter mit Sprengstoff im Rucksack sind fast nicht von der friedlichen Masse zu unterscheiden.

Beispiel Dieselruß. Wo grobe Messungen über millionenschwere Investitionen entscheiden, ist Streit programmiert. Ein Vorwurf an die Industrie lautet, abgasoptimierte Motoren könnten den Anteil gröberer Rußteilchen senken, während jener der feinen und ultrafeinen Teilchen steige: EU-Norm erfüllt, Gesundheitsgefahr verschärft. Deshalb drängen Umweltmediziner darauf, dass neue Dieselfahrzeuge künftig mit Filtern ausgerüstet werden, die Partikel aller Größenklassen vernichten. Die Automobilindustrie hat, wenn auch spät, verstanden: Bis 2008, so versprach ein Vertreter in Berlin, gebe es für alle neuen deutschen Dieselautos Partikelfilter. Fragt sich nur, warum bei so viel Einsicht das Verkehrsministerium darauf beharrt, die Filtertechnik nicht vorzuschreiben.

Kritik an der Politik übte Rainer Werthmann von der Firma TwinTec, die Partikelfilter zum Nachrüsten anbietet. Jährlich könne seine Branche den Rußausstoß von etwa einer Million alter Dieselfahrzeuge wesentlich reduzieren, doch nichts geschehe. "Seit zweieinhalb Jahren wartet die Industrie auf die technischen Vorgaben", klagt er, nach langer Kurzarbeit drohe bald Insolvenz. Doch Bundesregierung und Bundesrat streiten, wer die 250 Euro Steuererleichterung bezahlen soll. Werthmann präsentierte eine Studie, wonach der Staat durch Mehrwertsteuer und neue Arbeitsplätze am Ende mehr verdiene, als die Steueranreize kosten. Im Bundesrat stimmt der Verkehrsausschuss einer längst fertigen Verordnung zu, während Finanz- und Umweltausschuss für "Vertagen" plädieren. Die Bundesregierung hingegen bezeichnet die Vorlage als "eilbedürftig". Am 21. Dezember soll nun abgestimmt werden.

Das jahrelange Gefeilsche um die Filtereinführung und -nachrüstung (Peugeot begann damit im Jahr 2000) wirkt makaber, wenn man sich die Schätzungen führender Epidemiologen vergegenwärtigt: Michal Krzyzanowski von der Weltgesundheitsorganisation WHO und Heinz-Erich Wichmann vom GSF Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit bezifferten in Berlin die feinstaubbedingten vorzeitigen Todesfälle in Deutschland auf etwa 75000, der durchschnittliche Verlust an Lebenserwartung für jeden Deutschen betrage etwa 10 Monate. Auch sie zitieren Studien, wonach sich das Filtern am Ende volkswirtschaftlich rechnet, wenn man geringere Krankheitskosten oder Ausfälle bei der Arbeit berücksichtige. Etwa 12000 bis 14000 Todesfälle durch Dieselruß ließen sich pro Jahr vermeiden.

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Zweifel an den hohen Schadensprognosen lassen die Epidemiologen nicht mehr gelten. Hunderte unabhängiger Studien sind weltweit zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Krzyzanowski und Wichmann legen sogar noch nach: Jüngste Studien zeigten, dass die Schätzungen eher zu niedrig seien. Einen sehr direkten Nachweis für Feinstaubschäden ergab ein Experiment in Dublin: Wegen hoher Ölpreise hatten die Iren emsig mit Kohle geheizt, bis 1993 ein Clean Air Act schlagartig die Kohleöfen stilllegte. Die Sterblichkeit sank um acht Prozent.

Solche Erfahrungen sollten hellhörig machen. Doch die tageszeitung blies am 7. Dezember zur "Ofensive" gegen gestiegene Ölpreise, pries den Kamin- und Kachelofen "als Statussymbol des pfiffigen Globalisierungssurfers: mit Holz aus den heimischen Forsten gegen Klimaerwärmung und Krieg im Irak". Die Eloge auf naturbelassenes Holz samt Tipps zum Abstauben staatlicher Subventionen verhieß: "Die Ökobilanz ist ordentlich."

Ein fataler Irrtum. Holzheizungen belasten die Luft in ähnlicher Größenordnung wie alle Dieselfahrzeuge. Uwe Lahl, Ministerialdirektor im BMU bestätigt: "Die jährlichen Feinstaubemissionen aus der Verbrennung von Festbrennstoffen in Kleinfeuerungsanlagen von Haushalten und sonstigen Kleinverbrauchern erreichen die gleiche Größenordnung wie die Feinstaubemissionen aus dem Straßenverkehr. Daran haben Holzbrennstoffe, insbesondere Scheitholz, mit schätzungsweise 80 Prozent den größten Emissionsanteil."

Alternatives Heizen für Frieden und prima Klima hat also massive Nebenwirkungen. Höchste Zeit, dass die Politiker hinter dem Ofen hervorkommen.

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Leserkommentare
    • Colon
    • 16. Dezember 2005 14:42 Uhr

    Ganz recht, Herr Schuh, Sie zeigen auf die Scilla der
    <br />deutschen und europäischen Regulierungswut und vergessen darüber nicht die Charybdis fehlender Strategien, bestimmte Umweltrisiken nachhaltig zu bannen. - Wie sehr derzeit die Fortführung der Umweltpolitik unter Druck steht, zeigen die jüngsten EU-Beschlüsse zur Chemikalienrichtlinie und die heutige Meldung, Seehofer wolle künftig die angebliche "Bevorzugung" der ökologischen Landwirtschaft abschaffen.
    <br />
    <br />Selbstverständlich ist es völlig unerheblich, mit welcher
    <br />Technik die Industrie den Feinstaub aus Fahrzeugen auf den
    <br />erforderlichen niedrigen Grenzwert absenkt.
    <br />Ein Gesetz oder eine Verordnung muss dazu nichts vorgeben.
    <br />
    <br />Andererseits kann der deutschen Fahrzeugindustrie kein weiterer Aufschub eingeräumt werden, nur weil diese sich jahrelang sträubte, verfügbare, günstige und sehr effiziente Filtertechnik ohne Aufpreis in ihre Fahrzeuge einzubauen und uns stattdessen ständig "Wunderwaffen" deutscher Ingenieurkunst versprach.
    <br />
    <br />Holz-Kleinfeuerungsanlagen können ebenso mit Filtern unterschiedlichster Prinzipien ausgestattet werden, wenn wir dies wollen. Die günstige CO-2 Bilanz und das durch Abstahlung- und Konvektion wirksame Heizkonzept blieben erhalten. Auf die Lebensdauer der Anlage gerechnet, wären auch die Mehrkosten eher Nebensache.
    <br />
    <br />

    • Meinel
    • 17. Dezember 2005 15:16 Uhr

    Unverständlich ist, dass zuerst einige Realationen aufgezeigt werden, dann aber borniert gegen Holzheizungen polemisiert wird, schon im Aufmacher, aber auch im Schlusswort! Ebenso polemische Frage: Hat jemand dafür bezahlt?
    <br />
    <br />1. Es wird auf die unterschiedliche Qualität der Feinstaubfraktionen hingewiesen, beim Holz kein Wort mehr darüber. Auch eine zweite Relation, nämlich Verbrennungsluft pro kWh, die maßgeblich die Gesamtmenge bestimmt wird vernachlässigt.
    <br />
    <br />2. Etwa 80% des Feinstaubs werden durch Verkehr und Industrie erzeugt. Bei der Industrie spielt Stein- und Braunkohle die größte Rolle, die pro kWh ein Vielfaches an Feinstaub in die Luft bläst als Holzfeuerung. Hier könnte also durch Holzfeuerung eine massive Entlastung erreicht werde. Ganz abgesehen vom Beitrag zum Klimaschutz und im Sinne der UN-Konzeption zur nachhaltigen Entwicklung.
    <br />
    <br />3. Moderne Holzpellets-Heizungen können Werte von Heizöl-Heizungen erreichen. Verbesserungen der Filterung müssen hier natürlich, wie auf allen Ebenen Ziel sein.
    <br /> Auf zwangsläufige Auslaufmodelle, wie Heizöl und Kohle zu setzen, ist zumindest kurzsichtig. Derzeit tragen aufgrund der geringen Zahl von Pelletsheizungen (rund 45.000) nur etwa 0,1% zur Feinstaubbelastung bei. Nach Angaben des Umweltbundesamts gelangten 2004 in Deutschland rund 135.000t Feinstaub in die Atmosphäre, mit etwa 34.000 t trugen Kraftwerke und Hausheizungen einen Anteil von rund einem Viertel bei. Selbst bei einer Verzehnfachung in den nächsten Jahren würde deren Beitrag die Gesamtemissionen kaum verändern. Zudem würden diese nach dem aktuellen Stand der Technologie bestenfalls beim Ersetzen von Kohleheizungen die Belastung verringern und beim Ersetzen von Ölheizungen die Belastung etwa gleich lassen.
    <br />
    <br />4. Am interessantesten wäre die nichtbehandelte Frage, welche Lösung im Sinne von nachhaltiger Entwicklung eigentlich die beste ist. Der nichtfossile Brennstoff ohne Feinstaubbelastung ist Methangas aus Klär- und Biogasanlagen. Er beseitigt klimaschädliches Methangas, dass im übrigen ein vielfaches klimawirksam ist als CO2, ist regenerativ und kann in die bestehenden Gasnetze eingespeist werden, was schon lange gesetzlich geregelt, aber nicht umgesetzt ist.

  1. auch für holzöfen gibt es den filter unter
    <br />
    <br />http://www.minipab.ch
    <br />
    <br />demnächst in serie, wenn die politik ihn vorschreibt
    <br />
    <br />aber bei unseren legasthen(polit)ikern

  2. Der Verfasser gibt ein Lehrbeispiel ab, wie dogmatische Fixierung das Denken verengt - oder steht er der Forstwirtschaft allzu nahe? Die Ausfuehrungen und insbesondere die Tabelle im von ihm kommentierten Zeit-Artikel sind absolut eindeutig, da helfen alle "Relationen" nicht. Wuerde tatsaechlich auch nur naeherungsweise flaechendeckend von Heizoel auf den "nachwachsen- den" Holzbrennstoff umgestellt, wuerde sich die bisherige anteilige Staub- emission mindestens verdreifachen. Das mag die Waldwirtschaft sowie brach- landgeplagte Landwirte und glaeubige Environisten begeistern, aber fuehrt zu abenteuerlicher Erhoehung der Emissionsmesswerte. Mit Sicherheit wuerde sich die Waldbewirtschaftung ausserdem wieder in Richtung Monokultur- anbau zur Produktion schnellwachsender, harzarmer Baumsorten orientieren.
    <br />Damit ist gleichzeitig der moegliche Interessenhintergrund des Kommenta- tors umrissen.
    <br />Der Zeit-Artikel wirft statt dessen aber die Frage auf, warum und auf wessen Veranlassung die EU-Kommission die Feinstaubrichtlinie erlassen hat , warum die Bundesregierung eilfertigst und als Vorreiter darauf eingestiegen ist und warum entgegen der objektiven Rangfolge der einschlaegigen Verursacher sich speziell Staedte und Gemeinden nur des Strassen-Verkehrs angenom- men haben. Hier fuehrt die Betrachtung der LKW-Maut- und City-Maut-Diskussion zu einem deutlichen Zusammenhang: Bundeslaender und Kommunen versuchen mit allen juristischen und medialen Tricks verstaerkt seit Einfuehrung der LKW-Maut auch ihre Hand mit in die Taschen der Ver- kehrsteilnehmer stecken zu koennen. Alle sogenannten "Feinstaub-Aktions- plaene" haben als Hauptzielpunkt die zusaetzliche Abgabenbelastung zu gunsten der Landes- und Kommunalkassen im Visier. Verdaechtig ist dabei insbesondere der Eifer derer, die vor Landtags-, Buergermeister- oder Kommunalwahlen stehen (siehe Stuttgart und Baden-Wuertemberg). Gleich- zeitig wird der Bund aufgefordert, doch bitte u.a. aus seinen Mauteinahmen den bereits ueppigst subventionierten OePNV noch staerker bezuschussen.
    <br />Eine weitere Interessentengruppe sind die vielen Hochschul- und Privatin- stitute samt ihren zu "Feinstaub-Experten" schnellgebleichten Vertretern, die gar nicht genug Messstellen und -auftraege bekommen koennen, um ihre Einnahmen zu verbessern. Im europaeischen Vergleich liegen wir beim Messeifer einsam weit vorn. Hoert man etwa von irgendeinem alarmierenden Messergebnis oder hektischen Aktionsplan smogbekannter Metropolen wie Athen, Paris, Warschau, Wien, Mailand usw. ?
    <br />Zum Schluss sei noch auf die relativ junge Disziplin der "Umweltmedizin" verwiesen. Nachdem ja bekannt ist, dass von der Pharmaindustrie eher nach neuen Anwendungen fuer bestehende Pharmaprodukte denn nach neuen Pharmaka fuer bestehenden Anwendungsbedarf getrachtet wird, entdecken auch immer mehr Aerzte das Potential des Umweltbetriebes fuer die Kreation neuer Leiden bzw. neuer Leidensgruende und mutieren vom schlichten Mediziner zum mit hoechst aktuellen hoeheren Weihen umwehten "Umwelt- mediziner". Fantasieren die einen mit wilden Emissionszahlen, drohen die anderen mit ebenso spekulativen Mortalitaetszahlen. Ziel ist in jedem Fall, sich in einem boomenden Geschaeftsfeld lukrativ zu positionieren.
    <br />Aus all dem ziehen ratlos vor den eigentlichen Problemen herumzoegernden Politiker dankbar den Vorteil, die hysterisierten Buerger auf Nebenkriegsschauplaetze abzulenken.

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