norwegenEin Traum!Seite 2/4

Zum Frühstück gab es zwei Überraschungen: Verschiedene Fischsorten und richtiges Porridge sind neben dem Üblichen Teil des Buffets. Und Stullen und Obst für die Tagestour schmuggelt man nicht schlechten Gewissens unterm Pullover hinaus: Auf einem eigenen Tisch werden Tüten und Folien zum ungenierten Verpacken angeboten, über einer Durchreiche zur Küche offeriert ein Schild: Hier Thermoskannen füllen lassen. So geht’s also auch. Ohne Extrakosten. Wie sympathisch.

Und als wir dann vorhin vors Hotel traten, beobachteten wir Szenen, die für uns neu waren. Bisher kannten wir die Welt des Langlaufs als trendig-modisch, körper- und tempobetont. Hier nun sahen wir Herrschaften in weiten Wärmehosen und farblosen Anoraks gemächlich auf ihre Fjellskier steigen; und eine Gruppe mit Kindern, die einen seltsamen schmalen Schlitten zurechtmachte: Zwei Hunde sind ihm – hintereinander – vorgespannt, seine Kufen haben genau die Spurbreite der Loipe, die Sitzfläche ist eine Art geschlossenes Futteral mit Rückenlehne, aus dem ein vielleicht achtjähriges Kind vergnügt herausschaute. Daneben zwei größere Kinder, startbereit zum Langlaufen. Langlaufende Kinder? Von Ruhpolding bis Pontresina ist uns diese Spezies auf der Loipe noch nicht begegnet.

Die Fahrt ins Fjell dauert 20 Minuten. Wir sind auf 1100 Metern, in einem Hochtal mit verschneitem See. Auf Skiern hätten wir wohl ein bis zwei Stunden gebraucht. Ein schönes kleines Berggasthaus, Smuksjøseter Fjellstue, ist in der großartigen weißen Einöde das einzige Gebäude. Direkt über uns im Osten steigen die Rondane-Berge auf, rundlich wie Elefantenrücken auf dieser Seite, ihre Gipfel fast 2200 Meter hoch.

Wir stehen hier am äußeren Rand des Rondane-Nationalparks, wo strikte Vorschriften gelten und es ein großzügiges Angebot gibt: Das Präparieren der Loipen ist nur mit Sondergenehmigung und selten erlaubt, Fahrzeuge und Neubebauung sind verboten. Aber in unverschlossenen Schutzhütten darf man kostenlos übernachten. Bei Minusgraden bedingt das große Rucksäcke mit Schlafsack, Isomatte, Kocher und so weiter; wir werden derart ausgerüsteten Langläufern noch begegnen. Unsere Route, die Troll-Loipe, ist gespurt, unser Gepäck wird von Hotel zu Hotel transportiert.

Ein Mann mit großem Gepäck verschwindet im Nirgendwo

Die Loipe ist eben. Der Schnee ist kalt. Die Skier sind richtig gewachst worden. Gleitschritt, Stockschub, Gleitschritt, Stockschub, das verlässlich gute Loipengefühl stellt sich ein. Und wie sind die anderen drauf? Nur anfangs beobachtet man noch die Mitläufer, nicht lange, dann ist man bei sich selbst. Dem Muskelspiel. Dem Rhythmus von Schritt und Atem. Dem persönlichen Gleichmaß und eigenen Tempo. Weiß in weiß und perspektivisch gestaffelt, gleiten Buckel und Rippen, Hänge und Tälchen vorbei, halluzinatorisch langsam, es ist, als sauge einen die Fjell-Landschaft in ihre gleichgültige, attraktive weiße Leere.

Leserkommentare
    • Prach
    • 16. Dezember 2005 21:23 Uhr

    Zwei kleine Anmerkungen: hyggelig = gemütlich, angenehm (wie im Dänischen) und nicht "gebirgig" oder "hügelig", glücklich = lykkelig (ohne "g" am Anfang, ganz ähnlich wie im Englischen lucky bzw. luck - lykke hat wohl denselben Wortstamm).

  1. Ein Artikel, der die deutschen Grossstadtcowboys dazu verleiten mag, ihre Rucksäcke zu packen (Schaufel für die Schneehöhle nicht vergessen!) und ihre Skier umzuschnallen auf der Suche nach Ausspannung und Ruhe. Diese findet man wahrlich hier oben - und das ist wohl auch einer der Hauptgründe dafür, dass Deutsche jedes Jahr 6 Mio. Nächte in Norwegen verbringen. So vergisst man auch schnell die Anstrengungen, die eine Skiwanderung mit sich bringt.
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    <br />Der Artikel bringt aber auch alle Klischees zum Vorschein, die Deutsche über Norweger kennen: angefangen von der norwegischen Rosi mit dem schwersten Rucksack der ganzen Gruppe bis zum 8-jähringen der langläuft. Letzteres ist nicht verwundelich, wenn man bedenkt, dass hier oben 3-5 Monate im Jahr Schnee liegen und die 2-jähringen schon regelmässig mit Langlaufskiern in den Kindergarten gehen. So sind 15 km für einen 6-jähringen nichts aussergewöhnliches mehr, auch wenn die letzten 5 km mit reichlich Bensin (Schokolade) versüsst werden.
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    <br />Die Gegend um Hövringen ist in der Tat sehr schön. Nicht nur dass ich dort selbst zahlreiche Skitouren (Hütte, Zelt, Schneehöhle und Igloo) erlebt habe. Hier haben wir auch vor einigen Jahren meine deutsch-norwegische Hochzeit gefeiert. Trauung in der Kirche von Sel, anschliessend Besichtigung vom Lavransdotter-Hof, und am Abend die eigentliche Feier in Hövringen. Am Tag darauf dann eine Bergwanderung mit Gästen im Alter von 1 bis 86, um auf einem der umliegenden Berge eine "Warde" zu bauen: http://www.wieland.no/pdf/wedding.pdf Eine wahre Begegnung von deutsche und norwegischer Kultur ;-))

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