interview: Wir sind wie große Krokodile im Fluss
Horace Engdahl, der ständige Sekretär der Schwedischen Akademie, nimmt die Kritik an der Nobelpreisvergabe mit Gelassenheit
DIE ZEIT: Haben Sie erwartet, dass die Nobelpreisrede von Harold Pinter einen Skandal auslöst?
Horace Engdahl: Als das Band kam, habe ich reingeschaut. Um die technische Qualität zu prüfen.
ZEIT: Das klingt sehr gelassen.
Engdahl: Ich hatte natürlich die Rede gelesen.
ZEIT: Wie wirkte der Film auf Sie?
Engdahl: Ich sah den Shakespeare-Schauspieler Harold Pinter. Dieses Glissando, mit dem die Worte kamen. Ich sah auch ein Stück von Beckett – Endspiel. Es ist möglicherweise die letzte Rede von Harold Pinter. Was mir gefällt, ist, dass die Rede nicht im Geringsten sentimental ist.
Z EIT: Pinter sei zu politisch, des Nobelpreises für Literatur gar nicht würdig, hieß es in Deutschland.
Engdahl: Wir haben unsere Feinde in Deutschland, spätestens seit der Preis an Günter Grass ging. Die Polen jedoch lieben uns dafür.
ZEIT: Unterhöhlt Kritik die Würde der Akademie?
Engdahl: Ach, die Akademie ist eine reiche alte Dame. Sie heißt die Schwedische Akademie, sie ist Teil der Nation, nicht des Staates. Sie ist unabhängig. Man kann schimpfen, aber ihr nichts tun.
ZEIT: Es gibt auch in der Akademie Streit. Es gab Austritte – wegen des Preises an Elfriede Jelinek.
Engdahl: Niemand kann die Akademie verlassen, man ist Mitglied auf Lebenszeit. Es gibt dort ältere Mitglieder, die eine Literaturwissenschaft repräsentieren, in deren Mittelpunkt das Leben und Werk des Autors stehen, und jüngere wie mich, deren Interessen auch theoretischer Art sind.





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