frankreich Frankreichs großer Selbstbetrug
Die Straßen in Flammen, und sogar die Köche wandern aus: Frankreichs Stern sinkt, weil die einstige Weltmacht an ihren heroischen Illusionen festhält. Ein Pamphlet
Es war ein Nein wie ein Gongschlag, als am Abend des 29. Mai 2005 die Stimmen in Frankreich ausgezählt wurden. Die Franzosen hatten der europäischen Konstitution den Todesstoß versetzt. Die Leitartikler der großen Zeitungen des Kontinents waren entsetzt und suchten verzweifelt nach Gründen, am ratlosesten aber waren die französischen Kommentatoren selbst. Sie hatten doch stets für ein klares Ja votiert, die Altlinken von Libération, die Halblinken von Le Monde, die Rechten des Figaro. Alle in der Nationalversammlung vertretenen Formationen, sogar die Grünen, hatten zum Ja aufgerufen.
Auch das Fernsehen war unzweideutig auf der Seite des Ja, von den Philosophen, den Schauspielern und berühmten Sportlern ganz zu schweigen. Selbst Zinédine Zidane, der unwiderlegbare Beweis dafür, dass es einen Gott gibt und dass er in Frankreich Fußball spielt, rief zu einem Ja für Europa auf. Alles umsonst. Frankreich stimmte mit Nein, und doch hatte nur eine bizarre Koalition von Splittergruppen, ein Konglomerat von Kommunisten und Faschisten, von Jägern und Fischern, von »Souveränisten« und Altgaullisten, die um Frankreichs Weltgeltung zitterten, fürs Nein geworben.
Ein gefesselter Gulliver, eingeschnürt von 24 europäischen Zwergen
Was bedeuteten alle diese kleinen Neins, die sich zu einem riesengroßen Nein auftürmten? Es wurde von den Kommentatoren wieder in viele kleine Neins zerlegt, die, addiert, das große Nein erklären sollten, die aber weniger mit der europäischen Konstitution zu tun hatten als mit der französischen Innenpolitik: ein großes Nein zur Arbeitslosigkeit, die seit 15 Jahren in Frankreich wütet. Ein Nein gegen den Absturz der Mittelklassen und den Zerfall der Gesellschaft in Steinreiche und Bettelarme. Ein Nein den korrupten politischen Eliten, deren Machenschaften in unzähligen Betrugs- und Bestechungsprozessen aufgedeckt wurden, ein Nein dem Präsidenten Chirac, der es allein seiner Immunität verdankt, dass er nicht wegen betrügerischer Zuteilung von Milliardenmärkten vor die Richter geschleift wird. Natürlich auch ein Nein gegen die Brüsseler Bürokratie, ein Nein zur Vernichtung des authentischen Camemberts und gegen den Niedergang des französischen Weins; ein Nein gegen den grenzenlosen Appetit der chinesischen Textilindustrie und die drohende Verspeisung von Danone durch Pepsi Cola. Ein Nein zum stagnierenden Realeinkommen und zu den rasant steigenden Preisen.
Was war geschehen? Ein Nein zur europäischen Konstitution kann es nicht gewesen sein, denn kaum einer hatte sie gelesen und noch weniger hatten sie verstanden. Es schien, den Statistiken zufolge, einige Anhaltspunkte zu geben: Die Handarbeiter hatten mehr mit Nein gestimmt als die Kopfarbeiter, die Bewohner der Provinz mehr als die Bewohner von Paris, die Armen mehr als die Reichen, die Jungen mehr als die Alten. Aber das erklärte nicht, wieso es gerade in den homogensten Gruppen zu entsetzlichen Auseinandersetzungen gekommen war: Ehen waren an einem Ja oder Nein zerbrochen, Freundschaften auseinander gekracht.
Frankreich, das sich ohnehin seit Jahren in einer permanenten Katastrophenstimmung, hierzulande sinistrose genannt, befindet, war am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Den Franzosen lag das Nein auf der Zunge, ein Nein zu ihrer Regierung, die wie paralysiert auf ihr Volk starrte (das nicht minder bedrohlich zurückstarrte, weil es keine Reformen will), ein Nein zu einem nebulösen Europa, ein Nein zum Schreckgespenst Amerika, ein Nein zum Aufstieg Chinas, ein Nein zur Welt, ein fast metaphysisches Nein. Die Angst vor der Zukunft schwang die Peitsche in Frankreich. Und diese Angst gebar in diesem einst so generösen Land, das seit 200 Jahren alle politisch und rassisch verfolgten Menschen Europas mit offenen Armen aufgenommen hatte, die Monster Feindseligkeit, Engherzigkeit, Fremdenhass. Die Wahlen zur EU-Verfassung wurden zu einem nationalen Psychodrama.
- Datum 21.12.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 21.12.2005 Nr.52
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Bravo, bravo fuer diesen super Artikel! Traurigerweise lese ich statt "Frankreich" durchweg "Deutschland", denn alle, ja wirklich alle auf Frankreich gemünzten Probleme treffen auch auf Deutschland zu.
Wie kommt man in Deutschland auf Top-Positionen? Durch Beziehungen. Glaubt man tatsächlich, dass, anders als z.B. in den USA, die deutsche Elite von Leistungsträgern durchsetzt ist? Dass harte Arbeit in Deutschland wirklich Türen öffnet? Nein, Beziehungen sind das Zauberwort. Sie versetzen die Mittelmäßigen in die Spitzenpositionen.
Zum vorigen Kommentar: Prof. Schymroch, so ein Unfug! Was hat denn der offene Markt, und in aller erster Linie richtet sich der Markt nach Angebot und Nachfrage, Preis und Leistung, mit dem Untergang dieses Landes zu tun? Selbstverständlich kaufe ich meinen DVD Player nach dem Motte Geiz ist geil! Schliesslich lebt unser wirtschaftliches System von der Konkurrenz und wenn es die Chinesen besser machen, kann man doch nicht minderwertige Qualität zum überhöhten Preis kaufen, bloß weil es aus Deutschland kommt!
Vielen Dank für diesen Artikel. Sie sprechen mir wirklich aus der Seele! Als Französin bekomme ich natürlich besonders scharf die miese Stimmung in Frankreich zu spüren!
Man sollte diesen Artikel übersetzen und ihn in ganz Frankreich verteilen!
zunächst:
wenn ein schreiberling eine polemik schreibt, dann sollte er seinen artikel auch so übertiteln, das gehört sich so. Und so gesehen scheint ja ein mangel an guten sitten nicht allein ein problem der franzosen in frankreich zu sein.
Oder verwechselt da jemand sein eigenes problem mit dem seines umfelds?
Der artikel von benjamin korn ist ein wertloses pamphlet übelster machart. Hier wird die französische nation beschrieben als altmodisch, grundlos xenophobisch und nationalistisch.
Aber: menschen sind nicht bloß ängstliche, in sich verschlossene einheiten, die ihre identität mit vorliebe definieren über die abrenzung von einer als bedrohlich empfundenen außenwelt.
Freiwillig tut sich das niemand an, weil niemand gerne freiwillig leidet.
Und da, wo das geschieht, da gibt es gründe, ursachen, eine im kern kranke entwicklung im inneren eines menschen oder auch einer ganzen nation.
Einem kranken zu sagen, er sei an seiner krankheit selber schuld ist zwar sehr bequem für den diagnostiker, aber weder hilf- noch aufschlußreich für den patienten.
Und in den meisten fällen ist es schlicht falsch.
So auch hier!
Denn selbst wenn das französische ideal die verklärte sehnsucht nach der "ballade de gens heureux" ist, also die moderne version von "il pastor fido", der stilisierten schäferidylle, dann zeugt dies lediglich von kollektiver verlustangst einer gemeinsamen kulturlandschaft.
Mit dem gleichen verlustgefühl hat stefan zweig seine novelle "die welt von gestern geschrieben"; hat der jüdische photograph roman vishniac in den 80ern einen grandiosen photoband veröffentlicht, mit bildern aus den jüdischen schtetln, mit bildern von rebbes und ihren schülern, händlern, kindern, straßenszenen - einer komplett untergegangenen welt.
Mit dem gleichen verlustgefühl rekonstruiert ein historiker in deutschen stadtarchiven die mittelalterlich geprägte städtelandschaft vor dem großen feuersturm.
Und mit dem selben verlustgefühl bereisen sehr alte menschen die ostgebiete schlesiens, königsbergs und pommerns, im handgepäck die verlorenen schätze praller jugenderinnerungen.
Die einfachen menschen der französischen provinz haben durchaus noch ein gespür für die nécessité des gemeinsinns und der nachbarschaftshilfe.
Nur: sie werden immer weniger, rein quantitativ!
Es gibt sie noch die dorfgemeinschaften, wie sie ein marcel pagnol in seinem buch: kindheit in der provence beschreibt.
Aus naturstein erbaute gehöfte, nebenerwerbs-landwirtschaft, kleine läden - auch wenn am ortsrand die moderne abfüllanlage steht, oder in noch weiterer ferne ein heizblockkraftwerk sichtbar ist.
Und sophie und marcel werden immer noch ganz traditionell in der kleinen katholischen gemeindekirche getraut.
Die wahrscheinlichkeit, daß sophie ihre kinder als alleinerzieherin zur welt bringt, ist daher äußerst gering.
Jedoch: gerade in diesem sinne ist es entlarvend, wenn korn in einem halbsatz erwähnt, daß 50% der französischen kinder von alleinerziehenden versorgt werden.
Vielleicht sollte der autor sich mal die mühe machen zu untersuchen, auf welche bevölkerungsgruppen dieses phänomen am ehesten zutrifft.
Weiter schreibt korn: "Die miesesten gefühle brachen sich bahn, und der plombier polonaise wurde zum symbol einer beispiellosen xenophobie und nationalistischen hetze".
Wie passt es eigentlich zusammen, herr korn, wenn sie einerseits die hohe jugendarbeitslosigkeit anprangern (darunter übrigens viele definitiv nicht vermittelbaren migrantenkinder), und andererseits eine möglichst große polonaise von plombiers polonaises begrüßen möchten?
Ihr deutsches weltbild, daß sie vor 25 jahren mit nach paris genommen haben (ich wette, sie haben deutschland voller ekel den rücken gekehrt), hat sie wohl bislang nicht verlassen:
Tief verinnerlicht ist ihre vorstellung, daß westeuropäische staaten sich wörtlich mit "kosmopolitischer großherzigkeit für den freundlichen empfang" aller zuzugswilligen zu öffnen habe.
Genau diese "kosmopolitische großzügigkeit", lieber benjamin korn, war es aber, die frankreich zu einem land machen wird, in dem die bevölkerungsmehrheit bereits in einigen jahrzehnten muslimisch sein wird. Ob sie dann noch ihre theateraufführungen unzensiert und frei aufführen können - das bleibt abzuwarten.
Ihr ganzer artikel atmet das gedankengut des radikalen gutmenschen, der nicht mehr das geringste bewußtsein für die veränderungen hat, die stattgefunden haben.
Folgerichtig, und für den geist und die erziehung der generation x absolut typisch, ist die so sehr "kosmopolitisch" orientierte (und gerade dadurch kulturell so blutleere) nation der engländer für den autor die krönung der schöpfung.
Wieso sitzen sie eigentlich in paris, und nicht in london? Auf dem montmartre im bistro kaffee trinken und gleichzeitig über das gastland lästern, daß muß wohl eine ambivalente spannung beinhalten, die jeden dramaturgen reizt. Oder sind sie von dem selben virus befallen, den auch andere migranten oft genug in sich haben? Auch bei uns.
Ihre ausflüge in die volkswirtschaft waren wirklich bemerkenswert. Mit größter unkenntnis schwafeln sie da von "engländern, die vor vollbeschäftigung und energie platzen".
Der einzige der da platzt bin ich - vor lachen.
Die engländer haben die mit weitem, weitem höchsten lohnstückkosten in ganz europa, große teile der industrie sind nicht mehr wettbewerbsfähig, bmw mußte vor ein paar jahren das rover-geschäft aufgeben weil englische arbeiter partout nicht qualifikabel waren, und die infrastruktur ist marode. Über das gesundheitssystem braucht wohl niemand mehr ein wort zu verlieren.
Und englands statistik lebt zu einem ganz großen teil vom finanz- und handelsplatz london, einer stadt, in der es noch nicht einmal abfallkörbe gibt, und jeder seinen kram einfach auf den gehweg schmeißt (kein witz, fahren sie mal hin).
Aber solchen schmus muß man halt lesen, wenn theaterregisseure anfangen volkswirtschaftlich zu argumentieren.
Und das ist nur der ökonomische aspekt.
Denn die abneigung der franzosen gegen die inzwischen ALLES dominierende anglo-amerikanische Kultur hat in erster linie ... kulturelle gründe.
Es gibt da auf französischer seite eine allergie, und die ist vollkommen berechtigt, wenn man sich die über-dominanz der amerikanischen film- und englischen popmusik-industrie anschaut.
Die quotenregelungen in französischen radiosendungen und kinos werden von ihnen verlacht, herr korn, aber ich als kulturell vielseitig interessierter mensch will mir nicht nur standardisierte massenware ansehen/anhören, sondern auch filme wie: "die kinder des monsieur mathieu", "l´ennui", "schöne venus" oder "eine saubere affäre", und viele andere.
Und wenn eltern mit ihren kindern in einen asterix und obelix-film gehen, dann muß man das nicht gleich als ausgeburt kultureller barbarei verdammen.
Ich finde die welt der amélie fabelhaft, und weitaus interessanter als englische krimis oder amerikanische "blockbuster".
Solche charmanten, hochwertigen Kleinproduktionen sind leider auch in deutschland undenkbar, wo wir in einer völlig verflachten medienlandschaft leben. Die großen erfolge deutscher filme in deutschen kinos (und NUR da) waren komödien vom schlage "der bewegte mann", "die supernasen", oder "manta manta".
In größter verzweiflung wird dann durchschnittsware wie die rennende lola als großes ereignis gefeiert - ohne internationale beachtung.
Und ausnahmeerscheinungen wie das wunder von bern (ausgerechnet von sönke wortmann) grenzen wirklich schon an ein wunder. Zumal der deutsche film inhaltlich einfach zu phantasielos ist - weil es immer nur das eine thema der zwölf braunen jahre gibt. Wo soll man die geschichten auch herholen in einem land, in dem es nur wohngebiete gibt mit wohnblocks oder die sterilen neubau-viertel der mittelschicht, in denen vereinsamte einzelkinder auf verkehrsberuhigten strassen ihrem eigenen schatten hinterherlaufen.
Also hören sie auf, auf frankreich herumzuhacken, korn.
Was das unterschichten-fernsehen angeht: das scheint nach ihrer schilderung in frankreich nicht so schlimm zu sein wie inzwischen hier (da haben sie einiges verpaßt). Am stärksten zu empfehlen, bezüglich ekeleffekt, ist übrigens japan.
Es gibt halt auch eine globalisierung des schwachsinns, und angefangen hat das in ihrem geliebten anglo-amerikanischen system, daß sie wahrscheinlich nur von der durchreise her oder aus der zeitung kennen.
Jedenfalls sollten sie eher ein globalisierungskritiker als ein frankreichhasser sein.
Das starke engagement französischer kulturpolitik zeigt außer in der filmindustrie auch an anderer stelle früchte: französische musik-label wie opus111 oder harmonia mundi france werden oft gesponsort vom frz. staat oder der france telecom (mit den von ihnen geschmähten managern). Sehr hochwertige produktionen an alter musik werden da finanziert. Musik, die sonst unweigerlich verloren ginge.
Was ihre ausflüge in die politik angeht: vielleicht ist es ja gut, wenn in frankreich keine ex-spielwarenverkäufer zu außenministern ernannt werden können. Bei uns wurden jedenfalls einige enttäuschungen produziert.
Chirac? Ja, der ist korrupt, aber immerhin kämpft der bis zum umfallen für den allerletzten französischen kuhstall, während unsere politiker ständig milliarden verschenken.
Ewig diese kolonialismusvorwürfe!
Wenn die franzosen keine truppen nach cote d´ivoir geschickt hätten, dann hätte es wahrscheinlich einen neuen völkermord da unten gegeben.
Und ich glaube auch nicht, daß sie sich als weisser farmer in uganda gerne mit der machete abschlachten lassen würden, oder?
Geradezu gruselig, herr korn, sind ihre ausflüge in die geschichte frankreichs. Das war das übelste, was ich jemals zu dem thema konsumiert habe.
Wenn ein benjamin korn an französische geschichte denkt, dann denkt er wahrscheinlich als erstes an kolonisation s.o. und als zweites an 200 tote algerier unter der seine-brücke. Das ist die typische psychostruktur des negativistischen gutmenschen.
Wenn der louvre ihrer meinung nach "zu viele tonnen wiegt", warum reißen wir ihn dann nicht einfach ab. Ich vermute ernsthaft, ihnen würde das nicht viel ausmachen.
Die historische identität der franzosen reduzieren sie über zwei-einhalb seiten auf eine rede de gaulles im jahre 1944.
Bei gott, das darf doch wohl nicht wahr sein!
Die zeit der aufklärung, mit der die franzosen sich viel stärker identifizieren (und was soll eigentlich daran schlecht sein), handeln sie mit zwei namen ab: voltaire und diderot. Wie stark das französische volk von leuten wie mirabeau, montesquieue, pascal, rousseau, montaigne und auch einer madame de stael tatsächlich geprägt sind - das interessiert sie ja überhaupt nicht.
Und damit komme ich zurück auf den ausgangspunkt ihres pamphlets, an dem sie wahrscheinlich zwei monate gearbeitet haben: das grosse NON zur eu-verfassung.
Ja stimmt, das war eine reine protestaktion (wenigstens das haben sie richtig interpretiert).
Nur ziehen sie daraus die falschen schlüsse, weil das, wogegen die franzosen demonstriert haben, nicht einfach mit den begriffen altmodisch, xenophobisch, nationalistisch abzuhandeln ist.
Es war der aufschrei eines volkes, das während sieben jahre französischer präsidentschaft kaum einflussmöglichkeiten hat, und das protestiert hat gegen die fatalen folgen eines falsch gesteuerten globalisierungsprozesses und einer noch fataleren zuwanderungspolitik, für die der einfache franzose (sophie und michel) keine verantwortung trägt, weil er darauf keinen einfluß hat.
Wenn ihnen das nicht paßt, herr korn, dann dürfen sie sich gerne ein neues plätzchen suchen.
Schließlich können sie sich die menschen in ihrer umgebung nicht backen.
Und ich halte es nicht für gesund, sich zu lange an einem ort aufzuhalten, an dem man alles verabscheut.
Nur halte ich es für sehr wahrscheinlich, daß sie auch in england ihren frieden nicht finden würden.
Denn der frieden, der kommt zunächst aus jedem selbst.
Kompliment zu dieser grandiosen Analyse. Die geschilderten Zustände decken sich hundertprozentig mit meinen eigenen Erfahrungen (zwei Jahre in Straßburg)!
Selbstbetrug bringt Seele, Identität, Passionen. Glücklicherweise hat man dort viele Kinder pro Jahr, um eine neue Geburt zu hoffen.
Der Artikel ist - ein Pamphlet, aber leider in weiten Teilen sehr wahr. Das Nein galt nicht der Verfasung, sondern einer Welt und Politik, die die Bürger nicht mehr verstehen, ebenso einer ein frankreich weitverbreiteten Angst vor Veränderungen.
Nur - ist Deutschland um so viel besser?
Seit Jahrzehnten wagt es keine Regierung vor einer Wahl, Probleme wie Kranken- und Rentenversicherung, ganz abgesehen von der Steuer, zu reformieren - in Deutschalnd ist ja immer irgendwo eine Wahl.
Wo blieb der Aufschrei in den Medien und der Gesellschaft, als in den letzten Jahren die Freiheitsrechte des Grundgesetzes mehr und mehr ausgehölt wurden?
Wer schrie(b) dagegen an, wenn das Bildungssystem radikal beschnitten wurde, und alle "Eliteuniversitäten" fordern, die letztlich den bestehenden Eliten zugute kommen, denn finanzielle Mittel zur bildungspolitischen Gleichberechtigung existieren ja kaum noch?
Eine unabhängige, kritische Presse in Deutschland - sie ist weit und breit nicht zu sehen. Eine Intelligenz, die die Dinge beim Namen nennt? Nicht zu orten! Eine Partei, die neue Wege wagt? Mit dem Regierunseintritt der Grünen hinweggefegt!
Wo ist der Ruck, von dem seit zehn Jahren geredet wird?
Die Stimmung ist mies, die Bürger haben das Selbtvertrauen verloren, und die Wirtschaft verschärft dieses Gefühl noch, um Stellenabbau trotz Rekordgewinnen zu fordern.
Widerstehen wir der Gefahr, uns zurückzulehnen und hämisch über Frankreich zu lachen, denn wer im Glashaus sitzt sollte nicht einmal an steine denken!
die Vertreter des "Non" haben den Verfassungsentwurf also nicht gelesen (die Jasager etwa?). Komisch, daß die demokratische Mehrheit nur aus Nazis und Kommunisten bestehen soll.
gaben -sich- eine Verfassung - aber wohl kaum eine Verfassung der Bürger. Und diese Ablehnung ist Europaweit zu spüren - und - wir dürfen zu Recht vermuten das die Verfassung in den Ländern wo das Volk abstimmen "darf" noch öfters gescheitert wäre.
Und man braucht nicht sehr viel zu lesen von dieser Verfassung - um schnell zu merken das sie nur auf Macht, Machterhalt und Kapital baut.
Die Menschen - sie kommen in ihr eigentlich kaum vor und das obwohl sie doch die Bürger in dieser Verfassung sein sollen.
Frankreich leidet nicht alleine an dem andauernden Machtmißbrauch der Politik, dem alleinigen Abstellen noch auf den DAX und das Kapital. Nur die Franzosen waren neben den Niederländern eben diejenigen noch die NON sagen durften, den anderen Bürgern Europas wurde diese Freie Entscheidung ja mit teilweise hanebüchenen Gründen verweigert.
Und diese EU-Constitution spiegelt genau den Zustand der EU wieder, es geht um ungeschränkte Macht, auch über die Bürger, und es geht um ein nur noch auf Kapital ausgerichtet System. Die jetzigen EU-Institutionen haben kaum eine demokratische Legitimation, es werden Dinge beschlossen über die Köpfe der Bürger hinweg, und vielfach gegen die Bürger.
Wer eine 450 Millionen Umfassende Gemeinschaft vollständig kontrollieren und überwachen will - der hat Angst vor diesen Bürgern, und die Bürger haben inzwischen Angst vor dieser Politik die sie nicht nur belügt zu jedem Punkt, sondern die diese Lügen so sie auffliegen mit dem "Schutz" der gleichen Institutionen begründen die diese Lügen erfunden haben. Wie wir inzwischen wissen haben die USA und England die Bürger die UNO belogen - aber jetzt sollen die Produzenten dieser Lügen die Sicherheit der Bürger herstellen indem sie alle überwachen?
Und die soziale Absicherung ? Nun - die liegt in ganz Europa am boden, die Menschen haben keine Arbeit mehr, und bekommen auch keine mehr, einfach weil man Menschliche Arbeit immer mehr durch Computer und Maschinen ersetzt, und das noch zum Nutzen weniger Aktionäre und Grosskonzerne. Die Politik hat nur eine Antwort - Leute fügt euch in euer Schicksal - wir können nichts daran ändern, ihr müßt mit weniger Arbeit eben noch ein wenig mehr an den Staat abführen!
Und die Kulturschaffenden, sie stimmen noch ein in diesen Kanon, sie bekriegen inzwischen die Bürger, sie sind über ihre Lobbys in allen Parlamenten dabei die Bürger zu kriminalisieren (siehe vor 3 Tagen den vom Französischen Kulturmister eingebrachten gesetztesvorschlag, überwachung und kriminalsierung aller).
Nein - die Franzosen haben wahrscheinlich dieses "Werk" nicht gelesen, genausowenig wohl wie die Politiker die das abgesegnet und unterschrieben haben.
Sie müßten es nicht lesen um zu erkennen das es nur die gleichen schlechten Machtstrukturen verfestigen wollte, das man ihnen noch mehr Abgaben abverlangen würde, und noch mehr Bürgerrechte streichen würde.
Nein - sie mußten es nicht lesen weil sie jeden Tag vor Augen haben wie ein elitäres System gegen Sie letztlich kämpft und nicht mehr für oder mit ihnen.
Natürlich braucht Europa andere Strukturen, aber Strukturen die mit und für die Bürger sind - nicht gegen Sie.
Und wenn der Autor dieses Artikels die Vetternwirtschaft des Kultusministers kritisiert, dann sollte er auch selbstkritisch die Lobbyarbeit und den Kampf der Medienindustrie gegen die Bürger sehen. Auch dort kommt es nicht mehr auf Kultur scheinbar an, sondern um Macht und Geld.
Früher gab es Zeiten da hätten Schriftsteller und Theaterregisseure, Musiker und Philosophen einen Aufstand angezettelt wenn jemand Totalüberwachung und Kriminalisierung eines ganzen Erdteils letztlich auch nur angedacht hätte, heutzutage schreiben sie an führender Stelle bei solchen "Gesetzen" mit.
Frankreich und Europa, sie sind beide marode geworden - da stimme ich dem Autor bei, nur leider an allen Ecken und Kanten - es stinkt nicht mehr vom Kopf - der ganze Körper befindet sich in Auflösung.
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Dieser Text stellt ausschließlich meine Meinung dar.
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