2005 im Gespräch Wie lebt man als Brandts Enkel in Frankreich?

Anton Brandt, 19, machte im Juni Abitur. Er ist der echte Enkel Willy Brandts – nicht Schröder, Scharping oder Lafontaine, die in den Medien so genannt werden

DIE ZEIT: Herr Brandt, 2005 war für die »Enkel Willy Brandts« ein besonderes Jahr. Für Sie auch?

Anton Brandt: Ja. Ich habe Abitur gemacht und dann meinen Zivildienst angefangen, als Soziales Jahr im Ausland.

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ZEIT: Lange haben wir nach dem einzig wahren Enkel Willy Brandts gesucht – und Sie in Frankreich gefunden, 19 Jahre alt, Zivildienstleistender in einem kleinen Dorf nahe Toulouse. Was tun Sie da?

Brandt: Ich arbeite bei Emmaus, die Organisation ist sehr bekannt in Frankreich. Ein Mönch hat sie 1949 gegründet, um Menschen zu resozialisieren. Alkoholkranke, Häftlinge, Flüchtlinge. Das Geld dafür kommt aus dem Verkauf von Zweite-Hand-Waren – Bücher, Kleidung, Geschirr, sogar Autos. In unserer Station bin ich für die Bücher verantwortlich. Ich sortiere, mache die Preise und den Verkauf.

ZEIT: Wissen die Kollegen, wessen Enkel Sie sind?

Brandt: Ja, aber erst seit kurzem. Hier arbeiten noch zwei Deutsche, und einer hat mich neulich gefragt: »Du bist aber nicht mit Willy Brandt verwandt, oder?« Eher scherzhaft. Warum soll ich das verleugnen? So kam es raus.

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