DIE ZEIT: Frau Wörner, Sie haben Anfang Januar in der ZEIT von Ihren Albträumen erzählt, die Sie verfolgten, nachdem Sie den Tsunami in Khao Lak überlebt hatten. Wie ging das Jahr für Sie weiter?

Natalia Wörner: Es war für mich sicher das aufwühlendste Jahr, das ich bisher erlebt habe – mit all dem Leid und dem Glück. Ich habe erst im Sommer begriffen, wie sehr mich das Erlebnis in Khao Lak in Schach gehalten hat, viel stärker, als ich es zunächst vermutet hatte. Ich möchte nicht zu viel über meinen eigenen Schmerz reden, ich bin ja vergleichsweise gut aus der Sache herausgekommen. Die Arbeit in unserem Verein hat mir geholfen, mich dem Thema zu stellen.

ZEIT: Sie und Ihr Freund Robert Seeliger hatten Ende vergangenen Jahres in Thailand Laelia Voigt und Hans-Jürgen Rösler aus Kiel kennen gelernt, eine zunächst eher oberflächliche Urlaubsbekanntschaft.

Hans-Jürgen Rösler : Wir haben ein paarmal zusammen Kaffee getrunken, weil wir in Koh Yao Noi zufällig im selben Hotel wohnten. Dann sind meine Freundin Laelia und ich kurz vor Weihnachten zurück nach Deutschland geflogen…

Wörner: …während Robert und ich nach Khao Lak weitergereist sind. Als wir den Tsunami überlebt hatten und wieder zurück in Deutschland waren, haben wir mit den beiden telefoniert und spontan beschlossen: Wir gründen einen Verein, um zu helfen.

ZEIT: Wenige Tage nach der Katastrophe haben Sie beide, Ihre Partner und drei Freunde den Verein Tsunami Direkthilfe gegründet, der bis heute 300000 Euro Spenden gesammelt hat. Was haben Sie mit dem vielen Geld unternommen?

Rösler : Wir haben fast die gesamte Summe in Hilfsprojekte gesteckt, heute liegen nur noch 10000 Euro auf dem Spendenkonto. Die Verwaltungskosten haben wir mit 3000 Euro knapp gehalten.

ZEIT: Wie ging das?

Wörner: Das Büro von Hans-Jürgens Unternehmensberatung in Kiel hat die Verwaltung übernommen, dadurch musste niemand beschäftigt werden. Deshalb konnte der größte Teil der Spenden direkt nach Thailand, Indonesien und vor allem in das ärmere Sri Lanka fließen. Wir haben dort zum Beispiel den Neubau einer Schule und eines Waisenhauses mitfinanziert. Die Schule hat insgesamt über 500000 Euro gekostet, wir haben uns mit 75000 Euro beteiligt. Wir haben eng zusammengearbeitet mit der GTZ, der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, die seit 35 Jahren in Sri Lanka tätig ist und sich dort sehr gut auskennt.

Rösler : Uns war immer wichtig, zielgerichtet helfen zu können. Während des Tsunamis waren beispielsweise Bootsmotoren der Fischer vom Salzwasser derart verschmutzt worden, dass sie in einem teuren Verfahren gereinigt werden mussten. Wir haben zwar auch neue Boote gekauft, manchmal aber nur alte reparieren lassen.

ZEIT: Sie haben beschlossen, die Arbeit Ihres Vereins einzustellen. Warum das?

Rösler : Wir wollen nur so lange arbeiten, bis unsere Projekte selbstständig funktionieren. Im nächsten Sommer sollen Schule und Waisenhaus eröffnet werden, dann ist Schluss. Natürlich werden wir die Projekte dort auch danach begleiten, aber der Verein soll keine Spendenorganisation auf Dauer sein. Wir wollen uns nicht überheben.