CIA-Affäre Hatz unter FreundenSeite 2/2

Wäre diese Frage damals geklärt worden, vielleicht hätte die Entführung von Khaled El-Masri Anfang 2004 verhindert werden können. Denn ausgerechnet der Deutsch-Libanese wurde nach Seyams Rückkehr nach Deutschland dessen bester Freund. – Eigentlich, so schildert es Seyam, habe er nach der Haft in Indonesien zu seiner Familie nach Saudi-Arabien reisen wollen. Doch davor hätten ihn die deutschen Beamten gewarnt; auch dort drohe Zugriff durch die Amerikaner. Seyam ging daraufhin nach Neu-Ulm. In der dortigen Moschee lernte er Khaled El-Masri kennen. Der habe ihm sehr beim Neustart in Deutschland geholfen, sagt Seyam, unter anderem dabei, seine Familie aus Saudi-Arabien nachzuholen. »Eines Tages rief mich die Frau von El-Masri an, ob ich wüsste, wo ihr Mann sei.« Das war Anfang 2004. El-Masri war in Makedonien von CIA-Häschern nach Afghanistan verschleppt worden. Erst fünf Monate später tauchte er wieder auf.

Wie glaubhaft ist nach diesen Zusammenhängen noch die Behauptung der amerikanischen Regierung, bei El-Masri habe es sich um eine »Verwechslung« gehandelt? Wollten die Verhörleute im afghanischen Kerker vielleicht mehr über Reda Seyam erfahren, als sie El-Masri nach der Ulmer Islamistenszene ausquetschten? Vor allem aber: Hätten Otto Schily und der damalige Kanzleramtsminister Frank-Walter Steinmeier dem amerikanischen Botschafter nicht genau diese peinlichen Fragen stellen müssen, statt treuherzig seine Geschichte vom »Irrtum« zu schlucken? Bis zum Redaktionsschluss am Montagabend war von keinem der beiden eine Stellungnahme zu erhalten.

Möglicherweise fehlte es den beteiligten Behörden schlicht am außenpolitischen Rückgrat, amerikanischen Hauruck-Methoden klare Grenzen zu setzen. Vieles deutet in diese Richtung. Möglich ist aber auch, dass es manch einem der Verantwortlichen schwer fiel, Reda Seyam gegenüber die Unschuldsvermutung aufzubringen, die jeder Beschuldigte verdient. Rein menschlich, nicht juristisch, wäre das verständlich. Denn aus seinen radikalen Überzeugungen macht Seyam keinen Hehl. »Laut Koran ist es in Ordnung, Terrorist zu sein!«, sagte er im Juli 2003 der Frankfurter Rundschau. »Laut Koran ist es eine Pflicht, Kaffer umzubringen!«

Seit 2002 ermittelt der Karlsruher Generalbundesanwalt gegen ihn, unter anderem wegen Terrorismusaktivitäten im Ausland. Den typischen deutschen Staatsbürger, den stellt man sich so nicht vor.

Mitarbeit: Moritz Kleine-Brockhoff, Jakarta

 
Leser-Kommentare
  1. Der vorrangegangene Kommentar verweist darauf, dass "Muslime sich ziemlich sicher fühlen" können in Deutschland. Ja, ich hoffe, dass Muslime sich sehr sicher fühlen in Deutschland und vom Staat bewacht werden, wie es die ureigenste Verantwortung des Staates ist. Das Unterscheidungskriterium darf doch nicht an Religion, Rasse oder Geschlecht festgemacht werden, sondern nur ob eine Person gegen geltenes Gesetz verstößt oder nicht. Glaube darf niemals der Grund einer Vorverurteilung sein. Was zählt ist die Tat!

  2. In diesem Fall zeigt sich dass nun der Bundesstaatsanwalt gegen diesen Mann ermittelt - warum hat man ueberhaupt erlaubt dass er nach Deutschland zurueck kehrt? Beim Lesen von Artikeln wie diesem bekommt man leicht den Eindruck dass Muslime sich ziemlich sicher fuehlen dass ihnen in Deutschland nichts passiert egal was sie hier machen.Allein die Tatsache dass die Attentaeter vom 9/11 alle aus Deutschland kamen muss doch auch den objektivsten Beobachter nachdenklich machen

  3. Ich hab aus dem Artikel gelernt: a.) Meldungen, die mir einschärfen sollen, daß der Bush doof ist, habe ich schon ich weiß nicht wieviele gelesen; mit der CIA kommt nun etwas Abwechslung ins Stereotyp. b.) Die beiden dort genannten Herren sind natürlich keine Deutschen. Sie sind, etwa wie der Kölner Kalif, auch keine armen "Flüchtlinge", sondern vorderasiatische Politiker mit den dort üblichen Interessen (1.Teufel vernichten, 2.Reich der Gläubigen aufrichten). Ich habe das zu respektieren, aber ich unterstütze das nicht, auch nicht mit wahlloser "Ausländerfreundlichkeit". Im übrigen hab ich, verzeihen Sie, den Verdacht: wenn die beiden Herren nicht von der CIA, sondern von Sarkawi entführt worden wären, würde Ihr Blatt doch wohl fein stillschweigen: aus Angst, den bösen Sarkawi bloß nicht zu reizen - wohingegen sich das Mütchen an der CIA ja risikolos kühlen läßt.
    20.12.05
    Mit den besten Grüßen von J.Wagner

  4. Wenn man bedenkt, dass der Anschlag in New York von
    einer islamistischen Zelle in Hamburg vorbereitet wurde,
    und ein Mitglied der islamistischen Szene in Ulm
    im Umfeld des Bali-Attentats aufgetaucht ist, scheint das
    Interesse der USA an den Vorgaengen in Ulm selbstverstaendlich und legitim, auch wenn man die Methoden der CIA zu recht verurteilt. Als Amerikaner waere ich jedenfalls empoert ueber
    die deutsche Sorglosigkeit und Langmut gegenueber offensichtlichen Hasspredigern.

  5. Es geht mir nicht darum dass Muslime sich in Deutschland NICHT sicher fuehlen sollen sondern ich meinte dass Islamisten sich in Deutschland sicher fuehlen / dabei geht es auch nicht um Religion per se sondern darum dass es einige Leute gibt die sich frei fuehlen ( wegen ihrer Religion) deutsche Gesetze und Kultur zu missachten -die mit Verachtung auf die deutsche Bevoelkerung blicken weil sie nicht so lebt wie Islamisten es fuer richtig halten.
    Es geht mir aber auch darum dass viele Deutsche sich nicht mehr sicher fuehlen da sie sich von Fremdheit und Andersein umzingelt fuehlen.Denn von Integration der Muslimen in Deutschland kann doch keine Rede sein.Sonst gaebe es nicht all die vielen Probleme fuer die es offenbar keine Loesungen gibt.

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