südamerika Koka für alle!Seite 3/3
- Datum 21.12.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 21.12.2005 Nr.52
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Da hier so viele Leser mit Begeisterung ueber die Wahl von E.Morales schreiben scheint das ueberwiegend anti-amerikanische Resentiment in Deutschland immer hoehere Wellen zu schlagen.Dabei wissen die meisten Leute wenig ueber den Mann,seine Wahl Rhetorik wird er sicherlich nicht
zum Regierungs-Programm machen koennen denn da sind auch noch andere Einfluesse,die auch Herr Morales nicht ignorieren kann.Aber in Zeiten wo immer mehr Deutscche zu Drogen greifen sollte eigentlich ein Praesident ,der den Koka Anbau unterstuetzt Anlass zu Besorgnis sein.Deutschland gibt einen Haufen Geld aus um Drogen und Drogensucht zu bekaempfen und hier wird ein Mann hochgelobt der den Anbau und auch den Verkauf von Drogen nicht nur toleriert sondern auch foerden will....
Was immer mit der schönen, aber vagen Formulierung gemeint sein mag: dass seine ethnischen Wurzeln in die Zeit vor der spanischen Eroberung zurückreichten - dies stimmt nicht, auch Alejandro Toledo, der Präsident Perus, ist indigener Herkunft.
Könnte Allende heute so einfach von der CIA erledigt werden ?
www.leitkulturevolution.de
Hier zeigt sich wieder die Ekel-Fratze der USA in ihrer Beurteilung Viel Erfolg und viel Glück Evo Morales, und lass dich nicht beirren!!
1. Die Position von Evo Morales - "Null Toleranz fuer Kokain" ist wenig glaubhaft. Evo Morales ist seit etwa 20 Jahren Vorsitzender der straff gewerkschaftlich organisierten Kokabauern. Er hat waehrend dieser Zeit verschiedene Vertraege mit verschiedenen Regierungen unterschrieben, in denen er seine wie die Unterstuetzung der Gewerkschaft versichert hat, die Kokainproduktion zu unterbinden - wozu die maechtigen Gewerkschaften durchaus in der Lage waeren. Da ihm aber wahrscheinlich bewusst ist - dass zwischen 80 und 90 % der Koka in die Kokainproduktion gehen und der Kokapreis ins bodenlose abstuerzen wuerde, wenn die Kokaproduktion unterbunden wuerde und dass viele Kokabauern/Gewerkschaftsmitglieder die Koka direkt bei den Kokakuechen abliefern die in ihrer Nachbarschaft fuer alle erkennbar arbeiten, bleibt dies ein reines Lippenbekenntnis. Von den Kokakuechen - anscheinend werden taeglich drei von ihnen gefunden und zerstoert, sind wie alle vorherigen Regierungen kritisierten, keine einzige von Evo Morales oder von seinen sechs Teilgewerkschaften angezeigt worden. Im Gegenteil, wurden und werden moeglicherweise noch Bauern unter Druck gesetzt- bis zur Androhung, ihnen ihre Laendereien wegzunehmen, wenn sie Angebote der Regierung annehmen wuerden, die Kokaproduktion freiwillig einzustellen und mit dem Anbau alternativer Produkte zu beginnen. Im Chapare - der umstrittenen Kokaregion in der auch Evo Morales Gewerkschaftsvorsitzender ist hat nur eine minimale Minderheit der Bauern Besitztitel ueber ihre Laendereien, und das Land wird von den (Koka)Gewerkschaften zugeteilt.
2. Bislang sind in Bolivien 12 000 Hektar Kokaanbau gesetzlich erlaubt, jedoch in der Zona Yungas (La Paz) und nicht im Capare (Cochabamba). Im Gesetz "1008" wird geschaetzt, dass diese 12 000 Hektar den traditionellen Konsum abdecken, was darueber hinausgeht ist illegaler Anbau. Die vorherige Regierung hat Evo Morales angeboten, ein internationales Gutachten einzuholen um eine Neufestsetzung der legalen Anbauflaechen zu erreichen und diese im Gesetz zu verankern. Evo Morales wurde sogar das Recht eingeraeumt, selbst eine international anerkannte Institution auszusuchen, die dieses Gutachten erstellt. Dies hat er aber stets gemieden wie der Teufel das Weihwasser, wahrscheinlich wissend, dass er dann selbst diese Ergebnisse akzeptieren und damir einer Reduzierung der derzeit etwa 35 000 Hektar zustimmen muesste.
3. Mit der von Morales angekuendigten Freigabe bzw. Straffreiheit der Kokaproduktion besteht die Gefahr einer immensen Ausweitung der Kokainproduktion. (Und moeglicherweise auch die Gefahr, dass die illegale Kokaproduktien der Nachbarlaender wie z.B.des Peru, das legale Bolivien als Operationsbasis benutzt) Die immer wieder und auch jetzt beschworene Suche einer alternativer Industralisierung der Koka war bislang und wird wahrscheinlich auch jetzt erfolglos bleiben. Ich erinnere mich, wie Evo Morales vor Jahren verkuendete, in Italien wolle man aus Kokablaettern Likoer herstellen, was eine Ausweitung des legalen Anbaus gerechtfertigt haette, dieser Vorschlag verschwand dann aber eben auch sang und klanglos und aktuell gibt es eben keinen konkreten Vorschlag was man mir dieser Kokamenge anfangen koennte.
4. Der gesamte Komplex des Kokaanbaus ist ueberaus kompliziert und wahrscheinlich nicht von hier in Bolivien aus allein zu loesen. Kostete das Paket Kokablaetter in den neunziger Jahren zwischen 30 und 40 US Dollar ist der Preis seit der von der Banzerregierung erzwungenen gewaltsamen Reduzierung auf 200 US Dollar angestiegen, ein weiterer Anreiz fuer die Bauern Koka anzubauen. Die Regierungen der Konsumlaender, die selbst nicht mehr in der Lage sind das Problem zu kontrollieren, sollten sich deshalb ueberlegen, inwieweit nicht eine kontrollierte Freigabe des Kokains in ihren Laendern sinnvoll waere. Ein Wegfall der Illegalitaet haette hier den sinnvollen Effekt, dass die Preise fuer die Koka fallen wuerden und die Kokabauern sich ernsthaft ueberlegen muessten, ob sie nicht doch wieder Apfelsinen, Mandarinen oder Bananen anbauen sollten.
Es gab uebrigens schon einen lateinamerikanischen Praesidenten indianischer Abstammung. Benito Juarez, mexi-
kanischer Praesident von 1858 bis 1872
Michael Velten
Tegucigalpa
Das bolivianische Volk hat den charismatischen aber populistischen Evo Morales gewählt. Pro-Koka und Anti-Amerika haben wieder einmal gezogen. Mit Bolivien ist nun also nach Venezuela und Brasilien ein weiteres lateinamerikanisches Land dem neuen sozialistischen Bolivianismus (academickids.com/encyclopedia/b/bo/bolivarianism.html) verfallen, das die Befreiung vom Joch der USA verheisst.
Doch was heißt das? Der größte Einfluss der USA war neben der Drogenbekämpfung die Entwicklungshilfe. Und die wird nun ausbleiben. Werden Betriebe verstaatlicht - wie die bolivianische Erdölgesellschaft, die übrigens größtenteils der argentinischen Erdölgesellschaft gehört - wird ein Großteil der unternehmerischen Ober- und Mittelschicht mitsamt ihrem Geld abwandern.
Koka - auf der anderen Seite - ist für Bolivien wichtig und das was für Deutschland das Bier und für Frankreich der Rotwein ist. Zudem ist Koka nicht gleich Kokain und längst nicht so schädlich wie Alkohol. Koka ist im Gegenteil in Maßen sehr gesund.
Das bolivianische Volk hat die Armut, aber auch ihre eigene Identität gewählt. Ich hoffe, dass Evo Morales mehr drauf hat als populistische Sprüche. Ich hoffe, dass er einen bolivianischen Weg aus der Armut findet. Ich hoffe, er hat genügend Intelligenz, dass er auf grosse Verstaatlichungen verzichtet. Und ich wünsche ihm eine glückliche Hand. Denn die ersten Unruhen werden nicht lange auf sich warten lassen.
Dass den US-Moralisten ein Morales Angst einjagt, er könne sie mit ihren eigenen Waffen schlagen, ist hoffentlich ein gutes Zeichen. Angesichts der langen Tradition der Völkerverarschung steht Morales sicher vor einer Herkulesaufgabe. Das Glück wird ihm auch in dem, dem Himmel nähergelegenen Bolivien nicht in den Schoss fallen.
Sicher erhält er besondere Unterstützung aus Argentinien, wo das Volk nach dem Ausverkauf durch seine eigene Bürgerschicht, selbige zum Teufel wünschte. Heute steht Argentinien bereis wieder ganz gut da.
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