Tatsächlich enthalten die Kerne von Aprikosen, Kirschen, Mandeln und eben auch Äpfeln die Substanz Amygdalin, die im Körper zu giftiger Blausäure abgebaut wird. Aber so wie drei Bittermandeln keinen Menschen umbringen (dazu braucht es bei Erwachsenen etwa 50, siehe die Stimmt’s- Kolumne in der ZEIT Nr. 23/00 ), so ist es auch praktisch unmöglich, so viele Äpfel zu essen, dass eine vergiftende Wirkung eintritt.

Viele Pflanzen sind daran interessiert, dass Tiere ihre Samen über die Welt verteilen. Deshalb bieten sie ihnen ihre Früchte als schmackhafte Nahrung an – eine tödliche Vergiftung aller Überträger wäre also völlig kontraproduktiv. Damit aus dem Apfelkern ein neues Bäumchen werden kann, muss er den Verdauungstrakt von Tier und Mensch unbeschadet durchlaufen, und das passiert auch meistens. Die Blausäure-Verbindung tritt dabei gar nicht in den Körper über. Nur wer die Kerne zerkaut, inkorporiert das Gift. Vielleicht enthalten die Samen ja deshalb das Amygdalin, unter dem Motto: Iss die Frucht, aber lass bitte den bitteren Kern intakt.

In der Literatur wird ein einziger Fall erwähnt (und nicht sehr gut dokumentiert), bei dem der Verzehr von Apfelkernen zum Tod eines Menschen geführt haben soll. Der Mann, von dem dort die Rede ist, vergiftete sich aber nicht, indem er haufenweise Äpfel aß – er verzehrte eine ganze Tasse voller Kerne. Christoph Drösser

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