1 - 10 100 gute Wünsche zur Rettung der Welt

Aufgeschrieben von der Redaktion der ZEIT, Teil 1

Es wäre ein Segen für alle, wenn die in den Feldern der Politik und der Wirtschaft Handelnden schrittweise mehr ihrer abwägenden Vernunft folgen würden – und wenn sie dafür ihren Egoismus, ihre Macht- und Profitgier und ihr Geltungsstreben schrittweise zurückdrängen könnten. Ich wünsche uns allen für die Zukunft mehr Vernunft. Allerdings weiß ich, dass wir Menschen leider allzu menschlich bleiben werden.
Helmut Schmidt , Herausgeber

Ich wünsche mir eine Wäschefaltmaschine, eine Million Jobs für Unqualifizierte und eine Bierdeckel-Steuererklärung.
Götz Hamann , Redakteur Wirtschaft

Anzeige

Dass der 1. Mai auf einen Montag fällt.
Gero von Randow , Chefredakteur ZEIT Online

»Wer auch nur einen Menschen rettet, rettet die ganze Welt.« So steht es, oft zitiert, im Talmud, was dieser Autor nie nachprüfen konnte, weil der Talmud – in Wahrheit ein Rechtskompendium – etwa so viele Bände umfasst wie BGB, StGB, GG und sämtliche Kommentare dazu zusammen (aber nicht so übersichtlich organisiert ist wie ein deutsches Gesetzbuch). Trotzdem ein schöner Satz, der alle Weltverbesserer ermahnen möge, den einzelnen Menschen (Fleisch und Blut) und nicht die Menschheit (ein Abstraktum) zu lieben. Wer die Welt retten will, verlässt sich gern auf Inquisition oder Gulag. Deshalb: Setzen wir lieber beim Einzelnen an – dem Kranken, Schwachen oder Geschundenen. Dann rettet sich die Welt von selber.
Josef Joffe , Herausgeber

Ich wünsche mir Hilfe für die Krebskranken im chinesischen Dorf Huangmengying und ein Arbeiten in China ohne Polizeibeschattung.
Georg Blume , Korrespondent in Peking

Ich wünsche mir fürs nächste Jahr, keine Viagra-Angebote mehr in meiner E-Mail zu finden, dass Wes Anderson in Berlin eine Oper inszeniert und ICEs weiterhin am Bahnhof Zoo halten.
Ilka Piepgras , Redakteurin Leben

Leser-Kommentare
  1. Wer z.B. weniger Arbeitslose will, muss die Menschen lieben, und nicht nur dem Gott aus der Maschine huldigen, das wünscht sich seine ›small amount‹, der Steuerbürger G.

    Weiter merkle, halt, merke ich an:

    "Zwang und Manipulation können nicht nur bestimmte Verhaltensweisen, sondern auch das garantiert echte Gefühl der Freiwilligkeit massenproduzieren. Mittels leicht zugänglicher und leicht erlernbarer Methoden ist es möglich, die scheinbar im unantastbaren innersten Persönlichkeitskern entstandene Willensentscheidung derart zu steuern und wenn nötig sogar zu erzeugen, dass das Produkt von Zwang und Manipulation als völlig spontane, freie Willensäußerung empfunden und ausgedrückt wird. Nicht hinter unserem Rücken oder über unsere Köpfe hinweg, sondern mitten in unserem Herzen und unter unserer gesteuert -freiwilligen Mithilfe könnte derartig raffiniert-einfache Beeinflussung durchaus unsere Zukunft gestalten." Diese Gedanken Friedrich Hackers in "Freiheit die sie meinen" sollten schon in den 70er Jahren warnen vor einer Möglichkeit, sogar einer Wahrscheinlichkeit, auf dass sie nicht zur Wirklichkeit werde:

    Der Elektroniktsunami. Deus ex machina. (Platon)

    Schon Mitte der 80er Jahre ging die Nachricht durch die deutsche Presse: »Die elektronische Revolution brachte einer Weltwirtschaft, die bereits unter hoher Arbeitslosigkeit als Preis für die Inflationsbekämpfung litt, das zusätzliche Problem der strukturellen Arbeitslosigkeit, weil Beschäftigte von neuen Rationalisierungstechnologien verdrängt wurden«. Auch die Deutschen gehör(t)en dazu. »Die Arbeitslosigkeit ist über Jahrzehnte immer weiter gestiegen. ...Die Massenarbeitslosigkeit ist kein konjunkturelles, sondern vorwiegend ein strukturelles Problem«. So stellte unlängst Herr Bundespräsident Horst Köhler beim Arbeitgeberforum ›Wirtschaft und Gesellschaft‹ in Berlin am 15.03.2005 fest. Wie sollte sich demnach unsere ökonomische Situation geändert haben oder ändern? Substitutive Technologieträger haben nicht nur die deutschen Weber vom Arbeitsmarkt verdrängt. Das sollte selbst den politischen Entscheidungsträgern, den Policymakers der "Neuen Ehrlichkeit", "Neuen Ernsthaftigkeit", "Neuen Zwangsarbeit" (Ein-Euro-Jobber, "Deutsche Arbeitslose statt polnische Erntehelfer?", etc.) in die Zitadelle (wie Charles Darwin das Gehirn einmal nannte) einleuchten, denke ich. Warum bleibt diese Tatsache (weil immer mehr Beschäftigte von fortwährend neuen Rationalisierungstechnologien verdrängt wurden/werden) heute so gut wie unerwähnt? Willfährigkeit gegenüber dem Kapital? Obsequium amicus, veritas odium parit. (Terenz) Em alemão: "Willfährigkeit macht Freunde, Wahrheit schafft Hass"?

    Reformen

    bzw. neue Vorgaben des Gesetzgebers z.B. in Sachen Rundfunkmitarbeiter (Angestellte / Freie Mitarbeiter / Bezahlung je nach Status / Zulässigkeit u.W.) lösten schon vor Jahren bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten die Angst aus: langjährige »freie« Mitarbeiter könnten auf die »bizarre« Idee kommen, die gleichen Rechte wie z.B. 4,5 Mio. Staatsdiener im Lande einzufordern und ein Arbeitsverhältnis bzw. eine Festanstellung einzuklagen«. Die Auftragslage verschlechterte sich rapide. Zudem wurden viele Rundfunkorchester aufgelöst: die Reformen bzw. Sparmaßnahmen des Staates waren der Grund dafür.

    Gerade auf diese Situation wirft ein hartes Schlaglicht z.B. ›theaterrecht.de‹: „Dauerteilzeitarbeitsplätze für Orchesteraushilfen? Rahmenvereinbarungen dürften für das Thema Orchesteraushilfen von Interesse sein um ein Dauerarbeitsverhältnis (auch in Teilzeitform, § 3 Abs. 3 TVK) auszuschließen. Eine solche Rahmenvereinbarung könnte für den Fall eines Rechtsstreites geeignet sein, darzulegen, dass Arbeitseinsätze stets nur von Fall zu Fall erfolgt sind. Folgendes Urteil (LAG Berlin vom 12.01.1999 - 12 Sa 113/98) liegt diesen Erwägungen zu Grunde."

    No comment! Dazu verweise ich z.B. auf

    EU-Recht: Diskriminierungsverbot! Chancengleichheit!

    GLEICHES ENTGELT FÜR GLEICHE ARBEIT! GLEICHES ENTGELT FÜR GLEICHWERTIGE ARBEIT!

    Arbeitnehmer sind in bestimmten Fällen auch dann vor Diskriminierungen geschützt, wenn sie für denselben Arbeitgeber unterschiedliche Arbeiten verrichten. Die gemeinschaftlichen Rechtsvorschriften gewährleisten ein Recht auf gleiches Entgelt für gleichwertige Arbeit etc. Die Definition einer "gleichwertigen Arbeit" ist jedoch nicht ganz so einfach, da es für eine objektive Bestimmung des Wertes einer Tätigkeit unter marktwirtschaftlichen Bedingungen keine objektiven Faktoren gibt. Die Kommission hat als Hilfestellung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer ein entsprechendes Klassifizierungssystem entwickelt, das in den Mitteilungen der Kommission KOM(94) 6 und KOM(96) 336 veröffentlicht wurde. (Quelle: europa.eu.int/)

    KÜNDIGUNGSVERBOT

    Arbeitnehmerinnen können während des Zeitraums vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende des Mutterschaftsurlaubs nicht wegen ihrer Schwangerschaft entlassen werden etc.: europa.eu.int/

    22.11.2005: EU-Gerichtshof kippt Teilzeitbefristungsgesetz! Hartz-Gesetz über Aufhebung des Kündigungsschutzes für die über 52Jährigen diskriminiert Ältere! Der EuGH hat am 22.11. verkündet: Das von der rot/grünen Bundesregierung im Jahr 2002 verabschiedete Teilzeitbefristungsgesetz verstößt auf das Heftigste gegen europäisches Recht und gegen den Grundsatz jedes demokratisch verfassten Staates: Vor dem Gesetz sind alle Bürger gleich. Mit anderen Worten: Befristete Teilzeitverträge (bzw. die Aufhebung des Kündigungsschutzes) für über 52jährige Arbeitssuchende ist/sind unzulässig etc...

    Aber wer schert sich schon im Verursacherland des größten Staatsverbrechens an der Menschlichkeit schlechthin (Holocaust, NS-Terrorregime und die Folgen)um das EU-Recht? Wenige, denke ich: DAS BÖSE IST DIE ABWESENHEIT VON MITGEFÜHL. Dazu verweise ich z.B. auf: "Oettinger fordert von älteren Arbeitnehmern Lohnverzicht" (mitgeteilt in SPIEGEL ONLINE - 30. November 2005), ELEKTRONISCHE FUSSFESSELN FÜR SCHULSCHWENZER? "Brandenburgs Innenminister Schönbohm hat angeregt, notorische Schulschwänzer mit elektronischen Fußfesseln auszustatten, um sie auf diese Weise rasch aufspüren zu können. Er verspricht sich davon eine vorbeugende und eine abschreckende Wirkung."

    (DEUTSCHER LEHRERVERBAND (DL) - PRESSEERKLÄRUNG, Bonn, 21. Oktober 2003) Schikaneverbot § 226 BGB? Tja mai...

    "Elektronische Fußfesseln für Langzeitarbeitslose"

    kann auch nicht die Lösung sein. Zwar brächte ein Auftrag über 5 Millionen elektronische Fußfesseln der Wirtschaft gute Gewinne, doch den Betroffenen weiter nichts als "Ausgrenzung und Verfolgung". Scheiß drauf! Hoch lebe der Profit und die neue Ehrlich- und Ernsthaftigkeit! »Kennzeichnend für das deutsche Volk sei das Fehlen von Mitgefühl. Das Böse ist die Abwesenheit von Mitgefühl«, sagte damals bei den Nürnberger Prozessen (1946) angeblich der psychologische Betreuer der Angeklagten Göring und Konsorten. Thank God!, dass es auch noch den anderen Deutschen, wie es auch das andere Venedig gibt, denke ich. Maschine gegen Mensch? 5 Millionen zu Null für die Maschinen? Super! Geiz ist geil! Champagner trinken und Wasser predigen ist nicht schön, aber ehrlich? Die Neue Earnestness im Lande „D“? Staat verjubelte 30 Milliarden. Trotz seiner leeren Kassen geht der Staat nach Feststellung des BdSt weiterhin verschwenderisch mit Steuergeldern um. In seinem so genannten Schwarzbuch prangert der Steuerzahlerbund im Herbst 2003 mehr als hundert Fälle öffentlicher Verschwendung an: eine "Zumutung" für den Steuerbürger, denke nicht nur ich. Jetzt soll die verjubelte Kohle wieder reingeholt werden, und zwar auf dem Rücken der Bürgerinnen und Bürger bzw. der Steuerbürgerinnen und Steuerbürger, mit anderen Worten: auf dem Rücken der schon "Geschädigten"?

    Es hat den Anschein, dass wir es mit einer ›New Exploitation-Method‹ vom Allerfeinsten zu tun haben, weshalb ich den mutmaßlichen ›Etiketten-Schwindel-Slogan‹: "Öffentlich geförderte Beschäftigung", schlichtweg als Zynismus sehe, unter dem "Ein-Euro-Jobs", z.B. auch bei der IG Metall Mannheim diskutiert, weil damit bei Lichte besehen, einer de facto ›forced labor‹ der trügerische Anschein gegeben werden kann, als sei die ›Servitude‹ von Rechts wegen eine ›Soziale Leistung‹, wofür Mann/Frau-SteuerbürgerInnen womöglich auch noch dankbar zu sein haben, so, als hätten die jetzt arbeitslosen, wegrationalisierten und Altersdiskriminierten Steuerbürgerinnen und Steuerbürger nicht schon Jahrzehntelang ihre Steuern und Abgaben in ein System geleistet, das sich demokratischer und sozialer Bundesstaat nennt. (Artikel 20 GG) Welch erbärmliche öffentliche Moral jenseits jeder Besserung!

    Die Meinungsführerin aus der Politik, die ehrenwerte politische Entscheidungsträgerin BK Merkel tönt derzeit durch die Medien u. a.: "... künftige Herausforderungen in einem gemeinsamen Kraftakt zu bewältigen." Da stellt sich mir die Frage: will die ehrenwerte BK Merkel ihr Privatvermögen kräftig mit einsetzten oder meint sie mit "gemeinsamen Kraftakt" den Steuerbürger gemeinsam mit dem Steuerbürger? Oder meinen die politischen ›decision makers‹ gar, dass ›Der Staat‹ mit unserem Geld, wo soll er es denn sonst herhaben, und der Steuerbürger mit seinem noch verbliebenen Geld, künftige Herausforderungen in einem gemeinsamen Kraftakt bzw. in einem self-abuse-akt zu bewältigen habe?

    Tja, denken macht halt müde... Da halte ich mich lieber an die Worte John D. Rockefellers: "Wer den ganzen Tag arbeitet, hat keine Zeit, Geld zu verdienen." oder "Wohltätigkeit ist schädlich, es sei denn sie hilft dem Empfänger, von ihr unabhängig zu werden."

    "Wer weniger Arbeitslose will, muss die Menschen weiterbilden?" Soll das heißen: panem et circenses? Machen uns die neuen Medien zu digitalen Idioten, die nur noch Spaß und Unterhaltung, Brot und Spiele, haben wollen? Es gibt, so denke ich, keine Kraft aus dem Volke mehr, die man zu fürchten brauchte. Jeder wird gegen jeden ausgespielt, Erwerbstätige gegen Erwerbslose aufgehetzt, Junge gegen Alte und Gesunde gegen Kranke etc.

    Es fehlte eigentlich nur noch, dass wieder ›Brot und Spiele‹, z.B. Gladiatorenspiele, das hieße aktuell: ›Öffentliche Arbeitslosenspiele‹ eingeführt werden; Spiele, schwachsinnige und schwachsinnig machende chat shows, talk shows, guest shows, interview shows etc. gibt's ja schon bis zum abwinken, und zwar durch die Meinungsführer aus den Medien: das Öffentliche- und private Deutsche Fernsehen. Das Brot könnte durch Freibier ersetzt werden. Lushes schlafen fest und machen meist keinen Ärger. "Mantinghausen: Spartanisches Zeltlager mit Lerneffekt; 19. Bezirks- Jugend- Breitensportspiele: Brot und Spiele für die Kids; Spiel- und Grill-Nachmittag: Einmal so richtig austoben!" Riesig! Super! Gigantesco! Gigantesquement! Gigantic! etc.

    »Wer weniger Arbeitslose will, muss die Menschen weiterbilden«,

    oder im Namen der ›New Honest & Earnestness Public limited company‹ aus den Arbeitslosen einfach nur ›New forced laborers‹ (unter anderem Namen) basteln: das ist hier die Frage:

    Guten Rutsch ins ›Neue Orwelljahr‹?, das hieße, in ›The New World of Honesty‹: »Und wenn alle anderen die von der Partei verbreitete Lüge glaubten - wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten -, dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit « (George Orwell, 1984), auf dass dies nicht zur Wirklichkeit werde!

    Herzlichst, DER/NEUE/ARARAT

    • iceman
    • 29.12.2005 um 19:44 Uhr

    Meine drei ganz großen Wünsche für die Zukunft sind:

    1. Dass Hartz-IV-Empfänger nicht mehr umziehen müssen, nur weil die Miete angeblich etwas zu hoch ist.

    2. Dass die Gruppe der hier lebenden Migranten sich stärker mit Deutschland identifiziert.

    3. Dass in ganz großem Stil für Kindertagesstätten gesorgt wird.

  2. Zunächst wollte ich mich dem Wunsch Josef Joffes anschließen. Aber Joffe wünscht doch nur das Selbstverständliche. Oder? Also schließe ich mich dem Wunsch Jan Ross' an.

    In diesem Sinne: Der Zeit und Ihren Mitarbeitern alles Gute für das neue Jahr! Weiter so!

    Go West!
    http://gowest.twoday.net/

    • Doro44
    • 29.12.2005 um 23:00 Uhr

    Ich wünsche mir, dass wir es schaffen, Mauern in unseren Köpfen nieder zu reißen. Insbesondere (aber das ist ein rein egoistischer Wunsch aus der Betroffenheit heraus ;-) wünsche ich mir, dass wir aufhören, in den Kategorien "qualifiziert" und "unqualifiziert" zu denken. Ich wünsche mir, dass wir uns den Menschen und seine momentanen Fähigkeiten ansehen, anstatt seine irgendwann einmal erworbenen Zertifikate. Warum eigentlich muss ein Mensch in diesem Lande ein Leben lang dem qualifizierten Beruf nachgehen, den er als Jugendlicher einmal erlernt hat... zumindest dann, wenn er Familie hat und die halbwegs vernünftig über die Runden bringen will?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
  • Quelle (c) DIE ZEIT 29.12.2005 Nr.01
  • Kommentare 4
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service