ÖsterreichNur die Kugel rollt

Zwischen Salzburg und Bayern tobt ein Konfektkrieg um Mozart und Millionen

Selbst kreativen Köpfen ist der Umgang mit dem symbolträchtigen Konfekt alles andere als peinlich. Eine Salzburger Aktionistengruppe etwa plant, überdimensionierte Mozartkugeln mit einem Durchmesser von 1,6 Metern von in- und ausländischen Künstlern aufhübschen zu lassen, um damit im Mozartjahr Straßen und Plätze in der Salzburger Altstadt zu schmücken.

Lebensmittelkonzerne könnten sich also ebenso wie lokale Zuckerbäcker an der Salzach auf satte Gewinne freuen, wäre nicht ein erbitterter Streit neuerlich aufgeflammt, der als »Mozartkugel-Krieg« in die Annalen der österreichisch-deutschen Nachbarschaft eingegangen ist. Ausgerechnet dem bayerischen Süßigkeitenfabrikanten Reber, dem Rivalen im zähen Ringen um das Mozartkugel-Patent, gelang der Erwerb des Rechts, quasi am exakten Mittelpunkt der Mozartkugel als »Exklusivsponsor« der spektakulären Salzburger Großausstellung Viva! Mozart aufzutreten.

Anzeige

Der hinterhältige Coup nährt nun in der Mozart-Stadt schreckliche Vorahnungen. Heerscharen von Touristen, so mutmaßen die Salzburger Confiseure, könnten fälschlicherweise annehmen, die Mozartkugel sei eine bayerische Erfindung – und keine süße Verführung aus Österreich.

Die Praline, komponiert aus dem Dreiklang von Pistazienmarzipan, Nougat und Schokolade, war seit je für bizarre Streitigkeiten unter Herstellern, ja sogar für grenzüberschreitende Scharmützel unter Politikern verantwortlich. Nicht um eine Originalrezeptur ging es dabei, sondern darum, wer seine Mozartkugeln als »echt« bezeichnen darf und wer als »original«. Überhaupt: Dürfen nur österreichische Produzenten die klangvolle Praline herstellen, oder können sich auch Deutsche daran versuchen?

Angefangen hat alles mit dem Salzburger Konditormeister Paul Fürst. Er hat, so die Legende, um 1890 eine damals neue Süßwaren-Spezialität kreiert, für die er zunächst nur den Namen »Mozartbonbon« fand. Erst um die Jahrhundertwende wurde die Praline umgetauft. Fürst reiste 1905 mit seiner Kugel nach Paris zur Exposition Internationale Alimentaire und errang für das zartbittere Kleinod tatsächlich die Goldmedaille – der Beginn eines beispiellosen Siegeszuges.

Der Erfinder der Mozartkugel vergisst, ein Patent anzumelden

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
    • Quelle (c) DIE ZEIT 29.12.2005 Nr.1
    • Versenden E-Mail verschicken
    • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
    • Artikel Drucken Druckversion | PDF
    • Artikel-Tools präsentiert von:

    Service