Fundraising Milde Gaben fürs Labor
Deutsche Hochschulen versuchen sich im Spendensammeln – bislang mit bescheidenem Erfolg, wie eine neue Studie zeigt, die sie hier herunterladen können
Die Universität Mannheim gehört zu den erfolgreichsten Spendensammlern. Mit den Millionen aus privater Hand restaurierte sie Hörsäle und Bibliothek im StadtschlossFotos: Bert Bertelsmann/WirtschaftsWoche
Der alte Herr kam zu Fuß und meldete sich im Hauptgebäude der Universität beim Pförtner. Er habe viel Gutes von der TU München gehört, sagte der Unbekannte, nun wolle er etwas spenden. Wo könne er dies tun? Der Pförtner reagierte geistesgegenwärtig und führte den Sponsor direkt zum Präsidenten der Universität. Kurze Zeit später war die TU München um einen Millionenbetrag reicher.
So einfach gelingt es Arnulf Melzer selten, zu Geld zu kommen. Seit 1999 werben er und seine fünf Kollegen aus der Fundraisingabteilung der TU München für ihre Hochschule um Spenden. Mehr als 100 Millionen Euro sind seitdem zusammengekommen.
Mit ihrem Erfolg und Engagement stehen die Münchner Geldsammler in der deutschen Hochschullandschaft nahezu einzigartig da. Wie groß der Abstand zu fast allen anderen Hochschulen ist, dokumentiert die erste Studie zum Hochschulfundraising in Deutschland , welche DIE ZEIT gemeinsam mit dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) und dem Deutschen Fundraising Verband erstellt hat. 65 Hochschulen beteiligten sich an der Umfrage und gaben Auskunft über sämtliche Aktivitäten innerhalb eines Jahres (2003). Demnach
- haben die Universitäten im Schnitt gerade einmal anderthalb Millionen Euro pro Jahr aus privater Hand eingenommen, die Fachhochschulen 91000 Euro.
- verfügen lediglich dreizehn Universitäten über mindestens eine volle Stelle zum Spendensammeln, rund die Hälfte der Hochschulen über gar keine.
- können nur acht Hochschulen vom finanziellen Wohlwollen ihrer Alumni profitieren. Und nur bei drei beträgt die Gabe der Ehemaligen mehr als 10 Prozent vom Gesamtspendenaufkommen.
Ein professionelles Fundraising braucht Fachwissen, Geld und Leidenschaft. An deutschen Universitäten fehlt – bis auf wenige Ausnahmen – alles. Zwar haben deutsche Hochschulen mittlerweile begriffen, dass sie sich auf die Überweisungen aus der Staatsschatulle nicht mehr verlassen können. Schon seit Jahren verkünden Universitätspräsidenten, dass sich die Wissenschaft neue Geldquellen erschließen muss (ZEIT Nr. 43/01). Aber mit Ausnahme von München ist seitdem in Deutschland nur wenig passiert.
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Wie zögerlich und laienhaft hiesige Hochschulen das Bildungsbetteln betreiben, zeigt nicht allein der Blick in die USA. Dort flossen den Colleges und Universitäten aus privater Hand allein im vergangenen Jahr 24 Milliarden Dollar zu . Auch im Vergleich mit England oder Skandinavien »sind deutsche Universitäten weit zurück«, sagt Marita Haibach von der Beratungsfirma Brakeley, die derzeitige Präsidentin der European Fundraising Association.
- Datum 29.12.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 29.12.2005 Nr.1
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Vielleicht könnte man sich ein Beispiel an der Eigeninitiative von Lehrern und Schülern nehmen, die durch sinnvolle Kooperation ohne milde Gaben auskommen - siehe http://www.kt2.at.gg/
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