Die Fallhöhe bestimmt die Aufschlaggeschwindigkeit. Dass dieses physikalische Gesetz auch für wissenschaftliche Höhenflüge gilt, muss die Zunft der Stammzellforscher jetzt auf brutale Art lernen. Ihr bis vor kurzem unangefochtener Star, der koreanische Klonforscher Hwang Woo-Suk, ist abgestürzt.

Am vergangenen Freitag bescheinigte eine Expertenkommission der Seoul National University seiner Forschergruppe massives Fehlverhalten. Hwang hat nicht nur gelogen und getäuscht, er hat gefälscht. Seine spektakulären Ergebnisse beim Klonen von elf menschlichen Stammzellen – im Mai vom Fachblatt Science mit großem Tamtam veröffentlicht – sind zum größten Teil frei erfunden. Auch an der Echtheit der 2004 ebenfalls von Science publizierten ersten Arbeit bestehen nun Zweifel. Der angebliche Erfolg beim Klonen eines menschlichen Embryos hatte den Koreaner damals weltberühmt gemacht.

Als Forscher ist Professor Hwang erledigt. Er hat nicht nur die koreanische Wissenschaft in Mitleidenschaft gezogen, sondern das ganze Feld der Stammzellforschung. Die Heilsversprechungen des therapeutischen Klonens müssen nun als Luftschlösser bezeichnet werden – so lange, bis ein anderes Forscherteam einen echten Klonerfolg landet.

Auch Science muss sich kritischen Fragen stellen: Prüfte die Zeitschrift die Qualität der Publikationen sorgfältig genug? Sollte sich herausstellen, dass wissenschaftliche Standards vernachlässigt wurden, um eine vermeintliche Weltsensation vor der Konkurrenz zu veröffentlichen – dann hätte die Wissenschaft ein Problem.Ulrich Bahnsen