geheimdienste »Die CIA hat das Recht, jedes Gesetz zu brechen«
Darf der US-Geheimdienst mutmaßliche Terroristen entführen? Michael Scheuer, ein Hauptverantwortlicher, gibt erstmals Antworten
DIE ZEIT: Sie haben bei der CIA das System der »renditions« mitentwickelt. Terrorverdächtige wurden im Ausland aufgegriffen und an Drittländer ausgeliefert. Waren diese »Sonderüberstellungen« aus der Sicht der CIA ein Erfolg?
Michael Scheuer: Absolut. Es war ein Jahrzehnt lang das erfolgreichste Anti-Terrorismus-Programm der Vereinigten Staaten.
ZEIT: Warum?
Scheuer: Weil die Ziele so klar definiert waren. Erstens wollten wir Mitglieder und Kontaktleute der Terrorgruppe al-Qaida identifizieren und ins Gefängnis bringen. Und zwar solche, die entweder an einem Angriff auf die Vereinigten Staaten oder einen Verbündeten teilgenommen hatten oder einen Angriff möglicherweise planten. Zweitens sollten Papiere und Elektronik beschlagnahmt werden. In den Medien wird behauptet, wir hätten Menschen aufgrund irgendwelcher Vermutungen aufgegriffen und verschleppt, um sie zu verhören. Aber das stimmt so nicht.
ZEIT: Sie wollten nicht verhören?
Scheuer: Wenn es möglich war zu verhören, dann sahen wir das als Sahnehäubchen auf dem Kaffee. Wir wollten nur den Mann und seine Dokumente.
ZEIT: Warum?
Scheuer: Aus Erfahrung wussten wir, das aggressive Befragungen, die an Folter grenzen, nichts bringen. Die Leute sagen alles, was der Verhör-Beamte hören will. Entweder logen die Leute oder sie gaben uns präzise, aber veraltete Informationen.
ZEIT: Wer hat das System der »Sonderüberstellung« erfunden?
Scheuer: Präsident Clinton, sein Sicherheitsberater Sandy Berger und sein Terrorismusberater Richard Clarke haben die CIA im Herbst 1995 beauftragt, al-Qaida zu zerstören. Wir fragten den Präsidenten: Was sollen wir mit den Leuten machen, die wir festsetzen? Darauf Clinton: Das ist Ihre Sache. Die CIA wandte ein: Wir sind doch keine Gefängniswärter. Uns wurde nochmals gesagt, wir sollten das Problem irgendwie lösen. Also entwickelten wir ein Procedere, und ich war Mitglied dieser Arbeitsgruppe. Wir konzentrierten uns auf Al-Qaida-Mitglieder, die in ihren Heimatländern zur Fahndung ausgeschrieben waren oder schon in Abwesenheit verurteilt worden waren.
ZEIT: Wie entschieden Sie, wer aufgegriffen werden sollte?
Scheuer: Wir mussten einer Gruppe von Anwälten ungeheuer viel belastendes Material präsentieren.
ZEIT: Anwälte? Beim Geheimdienst?
Scheuer: Ja, überall Anwälte. Bei der CIA, im Justizministerium, beim Nationalen Sicherheitsrat. Unter deren Aufsicht entwickelten wir eine Zielliste. Dann mussten wir die Person finden, und zwar in einem Land, das bereit war, mit uns zusammenzuarbeiten. Schließlich musste die Person auch noch aus einem Land kommen, das bereit war, ihn zurückzunehmen. Ein furchtbar mühsames Verfahren für eine sehr begrenzte Zielgruppe.
ZEIT: Warum wollten Staaten mit Ihnen auf dem eigenen Territorium kooperieren? Das hätten die doch selbst erledigen können?
Scheuer: Die glaubten, nur Amerika sei bedroht. Und sie würden selbst erst zum Terrorziel, wenn sie Verdächtige festnähmen. Wenn wir die Sache nicht ins Rollen gebracht hätten, hätte es niemand getan.
ZEIT: Ihre Partnerländer wollten sich von der CIA die Arbeit abnehmen lassen?
Scheuer: Ja, aber sie hatten kein Interesse daran, diese Leute im eigenen Land festzuhalten. Die CIA hat ja selbst niemanden festgenommen oder gefangen gehalten.
ZEIT: Wie bitte?
Scheuer: Das machte die örtliche Polizei oder ein örtlicher Geheimdienst. Wir blieben jedenfalls immer im Hintergrund. Die US-Regierung ist voller Feiglinge. Sie lässt die CIA doch gar nicht eigenständig arbeiten.
ZEIT: Fanden die Verhöre im Zielland statt?
Scheuer: Wir haben Fragen immer schriftlich eingereicht.
ZEIT: Die CIA war niemals bei Verhören dabei?
Scheuer: Davon habe ich nie gehört. Das haben die Anwälte untersagt.
- Datum 29.12.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 29.12.2005 Nr.1
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und keine Hintergrundinfo wie hier:
http://www.freace.de/arti...
"Michael Scheuer gilt in der CIA inzwischen als Nestbeschmutzer" na davon lese ich aber gar nichts, er preist seinen Exverein eher in höchsten Tönen!
Auf diese Weise gibt Thomas Kleine-Brockhoff der CIA nur die gewünschte Werbeplatform zur Desinformation.
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"Wie die "Zeit" am Donnerstag berichtete, hat ein "früherer CIA-Agent" gegenüber der Zeitung ausgesagt, daß die "außerordentlichen Überstellungen" der USA Transfers von Gefangenen in ausländische Foltergefängnisse bereits von dem ehemaligen US-Präsidenten William "Bill" Clinton angeordnet worden seien.
Der "frühere CIA-Agent" Michael Scheuer sagte demzufolge, die CIA habe selbst nie jemanden festgenommen oder gefangen gehalten. "Das machte die örtliche Polizei oder ein örtlicher Geheimdienst", so Scheuer. Die Gefangenen seien nur deshalb nicht in die USA gebracht worden, weil "Präsident Clinton das nicht wollte". Aufgrund der Medienberichte sieht er die "Überstellungen" nun allerdings als "tot" an.
Tatsächlich scheint schon dies mehr als zweifelhaft. Hintergrund der "Überstellungen" kann von Beginn an wann auch immer dies war nur gewesen sein, ganz bewußt Methoden anzuwenden, die innerhalb der USA keinesfalls zulässig wären. Die US-Regierung mag zwar nun etwas besorgt sein, doch bin den regelmäßigen Folterungen von solchen "überstellten" Gefangenen in Verbindung gebracht zu werden, es scheint aber äußerst unwahrscheinlich, daß sie deshalb auf ein solches Vorgehen verzichtet. Wahrscheinlicher ist zweifellos, daß neue, besser getarnte Wege gesucht werden.
Nun ist Scheuer keineswegs ein Unbekannter, der sich nun der "Zeit" offenbart hätte. In Wahrheit ist er der Autor des Buches "Imperial Hubris: Why the West is Losing the War on Terror" ("Imperiale Anmaßung: Warum der Westen den Krieg gegen den Terror verliert") und zumindest Herausgeber, wenn nicht ebenfalls Autor des ein Jahr zuvor erschienenen Buches "Through Our Enemies' Eyes: Osama Bin Laden, Radical Islam, and the Future of America" ("Mit den Augen unserer Feinde: Osama bin Laden, radikaler Islam und die Zukunft Amerikas").
Scheuer hat also offiziellen Angaben nicht nur "die Agency" verlassen was immer wieder als "unmöglich" bezeichnet worden ist sondern außerdem derart enthüllende Bücher verfaßt und veröffentlicht, während er dort noch tätig war, da er seine Arbeit bei der CIA offiziell im November 2004 beendete. "Through Our Enemies' Eyes" war bereits im November 2003 erschienen. Tatsächlich erschien auch "Imperial Hubris" mit der ausdrücklichen Genehmigung der CIA. Es ist unvorstellbar, daß nicht auch die Inhalte seiner Bücher vorab den Segen der CIA gefunden haben. Weitaus wahrscheinlicher hingegen ist, daß sie seitens der CIA vorgegeben wurden.
Dieser "Autor", der also vermutlich wenig mehr als ein Sprachrohr der CIA ist, behauptet nun also, Clinton habe die CIA bereits im Herbst 1995 "beauftragt, al-Qaida zu zerstören", wofür auch die "Überstellungen" eingeführt worden seien. Scheuer selbst habe über Jahre das Programm der "Überstellungen" geleitet. Noch vor einem Jahr stellte CBS Scheuer als den Mann vor, der "eine geheime CIA-Einheit zur Verfolgung und Eliminierung bin Ladens seit 1996 geschaffen und beraten hatte".
Auch wenn keineswegs ausgeschlossen scheint, daß Clinton oder einer seiner Vorgänger bereits Anordnungen getroffen haben, um Gefangene im Ausland foltern zu lassen, so stellt sich doch die Frage, warum Scheuer ausgerechnet jetzt, da Bush zunehmend wegen dieser Vorgehensweise in die Kritik gerät, mit einer solchen "Enthüllung" an die Öffentlichkeit geht. Letztlich nimmt er hiermit vorrangig Schuld von Bush, da die entsprechende Anweisung vorgeblich gar nicht von ihm, sondern bereits von seinem Demokratischen Vorgänger unterzeichnet worden sei. Ungeachtet des Wahrheitsgehalts dieser Aussage muß sie doch als bloßer Versuch gewertet werden, eine Schuldverschiebung von Bush zu Clinton vorzunehmen."
Mich wundert wie lange diese Frage schon gestellt wird. Kann sich denn niemand vorstellen, daß unter den 70.000 CIA-Mitarbeitern auch ein, zwei Deutsche sind, die in die USA emigriert sich dort als Freiwillige gemeldet haben? Erinnert sich denn niemand an den Sommer 1945? Zu hunderten zogen CIC (Counter Intelligence Corps)-Offiziere durchs besiegte Deutschland und ermittelten gegen untergetauchte Nazis. SIE ALLE SPRACHEN DEUTSCH !!!
Ein Interview mit dem Graf von Münchhausen wäre vermutlich lesenswerter, da amüsanter, gewesen. Aber sicher nicht weniger glaubwürdig. Selten liest man Interviews mit derart wenig Ausbeute an Fakten.
Wenn ich an Mr. Scheuers Stelle gewesen wäre, hätte ich ebenfalls jede dieser Fragen irgendwie beantwortet, allein schon, um nicht unwissend zu erscheinen, und es hätte nicht mehr und nicht weniger glaubwürdig geklungen...
Als nächsten werden Sie doch sicherlich Osama Bin Laden oder einen seiner Stellvertreter interviewen der Gleichbehandlung wegen oder? Die Antworten könnten nicht schlimmer ausfallen.
Ein maßgeblicher Teil der Geheimdienstarbeit ist die geziehlte Desinformation und die Verbreitung von Teilwahrheiten.
Mr. Scheurer sollte zunächst diese Aussagen unter Eid vor dem amerikanischen Senat und dem europähischen Parlament machen, dann können wir diesen Aussagen etwas mehr Ernst zumessen.
Ansonsten bleibt nur ein spannend und unterhaltsan zu lesendes Interview.
Angesehen davon gelten in Europa und den USA immer noch die rechtsstatlichen Prinzipien.
Die Recherchen zeigen doch ziemlich klar dass ausser in Gross Britannien,islamische Terror-Plotter in Europa fuer sich keine wirkliche Gefahr sehen.In Deutschland ist die Justiz doch ziemlich unfaehig oder unwillig dem Terror-Verdaechtigen Darkanzali ein zu sperren weil man offenbar denkt dass was man nicht sieht auch nicht gibt..Muss in Europa erstmal ein Terror-Anschlag vom Ausmass in New York passieren bevor man den Kopf aus dem Sand zieht?
Dafür, dass Herr Scheuer zu wichtigen Fragen seiner Gesprächspartner erstaunlich wenig weiss und von vielen Dingen noch nichts gehört haben will ist er sich erstaunlich sicher, dass alles legitim ablief. Ein Gespräch, dessen Seriosität angezweifelt werden darf, weder unterhaltsam noch informativ - man kann sagen bescheuert.
Der Mann hat so recht. Diese Heuchelei der Europäer. Wer hat uns denn von den Nazis befreit, wer hält denn überhaupt noch gegen?....die US-boys. Und dann immer diese scheinheilige Empörung bei uns. Ich denke dabei an den Satz
- gut trainierte Kämpfer von Afganistan nach Deutschland - u.s.w.
Vielen Dank, liebe Politiker. Aber egal, was gibt es morgen Neues !!
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