geheimdienste »Die CIA hat das Recht, jedes Gesetz zu brechen«Seite 5/5

ZEIT : Herr El-Masri sagt, er sei gefoltert worden. Er war in einem CIA-Gefängnis in Afghanistan.

Scheuer : Wenn er in einem CIA-Gefängnis war, wurde er sicher nicht gefoltert. Punkt.

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ZEIT: Aber er behauptet das.

Scheuer : Wundert mich nicht. Vielleicht will er jetzt Geld sehen. Jeder will das.

ZEIT : Er behauptet ferner, ein Deutscher habe ihn in Afghanistan verhört. Wie ist das möglich?

Scheuer : Ich weiß nicht, ob das stimmt. Möglich ist es. Unsere Regierung und unsere Geheimdienste versuchen doch, Nato-Alliierten zu helfen. Wenn die Deutschen ihn verhörten, legt das doch nahe, dass auch die Deutschen glaubten, dass man etwas von ihm erfahren könne.

ZEIT : Wie viele solcher Fälle mit europäischen Muslimen gibt es?

Scheuer : Nicht sehr viele, weil die Europäer meistens nicht kooperieren. Also versuchten wir, die Leute zu kriegen, wenn sie nicht auf europäischem Boden waren.

ZEIT : El-Masri wunderte sich, dass seine amerikanischen Verhör-Beamten Details aus seinem täglichen Leben kannten. Die Kenntnisse können nur von den deutschen Geheimdiensten stammen. Oder hat die CIA in Deutschland spioniert?

Scheuer : Ich bin sicher, solche Informationen kamen nicht von uns. Wenn wir Informationen über El-Masris Aktivitäten in Deutschland hatten, dann kamen sie von einem der deutschen Dienste. Und auch das legt nahe, dass es etwas mehr als nur ein Gerücht oder eine Vermutung war, die zu seiner Festnahme führte.

ZEIT : Was ist die Zukunft der »Sonderüberstellungen«?

Scheuer : Das Programm ist wahrscheinlich tot. Durch die Lecks, die Veröffentlichungen und die Kritik. Und für jene, die in den Geheimdiensten Verantwortung tragen, ist der Effekt ernüchternd: Keiner von denen, die uns befahlen, so zu handeln, wie wir es taten, bekennt sich nun dazu.

Die Fragen stellte Thomas Kleine-Brockhoff

Zum Thema:

Michael Scheuer verließ die CIA im November 2004 nach 22 Dienstjahren. Von 1995 bis 1999 leitete er jene Einheit, die Osama bin Laden jagte. Seit 2000 war er einer der Chef-Terroristenbekämpfer der CIA. Noch während seiner Dienstzeit schrieb er eine Kritik der amerikanischen Anti-Terror-Politik (»Imperial Hubris«). Michael Scheuer gilt in der CIA inzwischen als Nestbeschmutzer. Er lebt mit seiner Familie in Virginia.

 
Leser-Kommentare
    • Mzungu
    • 30.12.2005 um 10:43 Uhr

    … und keine Hintergrundinfo wie hier:
    http://www.freace.de/arti...

    "Michael Scheuer gilt in der CIA inzwischen als Nestbeschmutzer" – na davon lese ich aber gar nichts, er preist seinen Exverein eher in höchsten Tönen!
    Auf diese Weise gibt Thomas Kleine-Brockhoff der CIA nur die gewünschte Werbeplatform zur Desinformation.
    _________
    "Wie die "Zeit" am Donnerstag berichtete, hat ein "früherer CIA-Agent" gegenüber der Zeitung ausgesagt, daß die "außerordentlichen Überstellungen" der USA – Transfers von Gefangenen in ausländische Foltergefängnisse – bereits von dem ehemaligen US-Präsidenten William "Bill" Clinton angeordnet worden seien.

    Der "frühere CIA-Agent" Michael Scheuer sagte demzufolge, die CIA habe selbst nie jemanden festgenommen oder gefangen gehalten. "Das machte die örtliche Polizei oder ein örtlicher Geheimdienst", so Scheuer. Die Gefangenen seien nur deshalb nicht in die USA gebracht worden, weil "Präsident Clinton das nicht wollte". Aufgrund der Medienberichte sieht er die "Überstellungen" nun allerdings als "tot" an.

    Tatsächlich scheint schon dies mehr als zweifelhaft. Hintergrund der "Überstellungen" kann von Beginn an – wann auch immer dies war – nur gewesen sein, ganz bewußt Methoden anzuwenden, die innerhalb der USA keinesfalls zulässig wären. Die US-Regierung mag zwar nun etwas besorgt sein, doch bin den regelmäßigen Folterungen von solchen "überstellten" Gefangenen in Verbindung gebracht zu werden, es scheint aber äußerst unwahrscheinlich, daß sie deshalb auf ein solches Vorgehen verzichtet. Wahrscheinlicher ist zweifellos, daß neue, besser getarnte Wege gesucht werden.

    Nun ist Scheuer keineswegs ein Unbekannter, der sich nun der "Zeit" offenbart hätte. In Wahrheit ist er der Autor des Buches "Imperial Hubris: Why the West is Losing the War on Terror" ("Imperiale Anmaßung: Warum der Westen den Krieg gegen den Terror verliert") und zumindest Herausgeber, wenn nicht ebenfalls Autor des ein Jahr zuvor erschienenen Buches "Through Our Enemies' Eyes: Osama Bin Laden, Radical Islam, and the Future of America" ("Mit den Augen unserer Feinde: Osama bin Laden, radikaler Islam und die Zukunft Amerikas").

    Scheuer hat also offiziellen Angaben nicht nur "die Agency" verlassen – was immer wieder als "unmöglich" bezeichnet worden ist – sondern außerdem derart „enthüllende“ Bücher verfaßt und veröffentlicht, während er dort noch tätig war, da er seine Arbeit bei der CIA offiziell im November 2004 beendete. "Through Our Enemies' Eyes" war bereits im November 2003 erschienen. Tatsächlich erschien auch "Imperial Hubris" mit der ausdrücklichen Genehmigung der CIA. Es ist unvorstellbar, daß nicht auch die Inhalte seiner Bücher vorab den Segen der CIA gefunden haben. Weitaus wahrscheinlicher hingegen ist, daß sie seitens der CIA vorgegeben wurden.

    Dieser "Autor", der also vermutlich wenig mehr als ein Sprachrohr der CIA ist, behauptet nun also, Clinton habe die CIA bereits im Herbst 1995 "beauftragt, al-Qaida zu zerstören", wofür auch die "Überstellungen" eingeführt worden seien. Scheuer selbst habe über Jahre das Programm der "Überstellungen" geleitet. Noch vor einem Jahr stellte CBS Scheuer als den Mann vor, der "eine geheime CIA-Einheit zur Verfolgung und Eliminierung bin Ladens seit 1996 geschaffen und beraten hatte".

    Auch wenn keineswegs ausgeschlossen scheint, daß Clinton – oder einer seiner Vorgänger – bereits Anordnungen getroffen haben, um Gefangene im Ausland foltern zu lassen, so stellt sich doch die Frage, warum Scheuer ausgerechnet jetzt, da Bush zunehmend wegen dieser Vorgehensweise in die Kritik gerät, mit einer solchen "Enthüllung" an die Öffentlichkeit geht. Letztlich nimmt er hiermit vorrangig Schuld von Bush, da die entsprechende Anweisung vorgeblich gar nicht von ihm, sondern bereits von seinem – Demokratischen – Vorgänger unterzeichnet worden sei. Ungeachtet des Wahrheitsgehalts dieser Aussage muß sie doch als bloßer Versuch gewertet werden, eine Schuldverschiebung von Bush zu Clinton vorzunehmen."

    • vdh
    • 28.12.2005 um 15:26 Uhr

    Mich wundert wie lange diese Frage schon gestellt wird. Kann sich denn niemand vorstellen, daß unter den 70.000 CIA-Mitarbeitern auch ein, zwei Deutsche sind, die in die USA emigriert sich dort als Freiwillige gemeldet haben? Erinnert sich denn niemand an den Sommer 1945? Zu hunderten zogen CIC (Counter Intelligence Corps)-Offiziere durchs besiegte Deutschland und ermittelten gegen untergetauchte Nazis. SIE ALLE SPRACHEN DEUTSCH !!!

  1. Ein Interview mit dem Graf von Münchhausen wäre vermutlich lesenswerter, da amüsanter, gewesen. Aber sicher nicht weniger glaubwürdig. Selten liest man Interviews mit derart wenig Ausbeute an Fakten.
    Wenn ich an Mr. Scheuers Stelle gewesen wäre, hätte ich ebenfalls jede dieser Fragen irgendwie beantwortet, allein schon, um nicht unwissend zu erscheinen, und es hätte nicht mehr und nicht weniger glaubwürdig geklungen...

    • orplid
    • 28.12.2005 um 15:56 Uhr

    Als nächsten werden Sie doch sicherlich Osama Bin Laden oder einen seiner Stellvertreter interviewen – der Gleichbehandlung wegen – oder? Die Antworten könnten nicht schlimmer ausfallen.

  2. Ein maßgeblicher Teil der Geheimdienstarbeit ist die geziehlte Desinformation und die Verbreitung von Teilwahrheiten.
    Mr. Scheurer sollte zunächst diese Aussagen unter Eid vor dem amerikanischen Senat und dem europähischen Parlament machen, dann können wir diesen Aussagen etwas mehr Ernst zumessen.
    Ansonsten bleibt nur ein spannend und unterhaltsan zu lesendes Interview.
    Angesehen davon gelten in Europa und den USA immer noch die rechtsstatlichen Prinzipien.

  3. Die Recherchen zeigen doch ziemlich klar dass ausser in Gross Britannien,islamische Terror-Plotter in Europa fuer sich keine wirkliche Gefahr sehen.In Deutschland ist die Justiz doch ziemlich unfaehig oder unwillig dem Terror-Verdaechtigen Darkanzali ein zu sperren weil man offenbar denkt dass was man nicht sieht auch nicht gibt..Muss in Europa erstmal ein Terror-Anschlag vom Ausmass in New York passieren bevor man den Kopf aus dem Sand zieht?

  4. Dafür, dass Herr Scheuer zu wichtigen Fragen seiner Gesprächspartner erstaunlich wenig weiss und von vielen Dingen noch nichts gehört haben will ist er sich erstaunlich sicher, dass alles legitim ablief. Ein Gespräch, dessen Seriosität angezweifelt werden darf, weder unterhaltsam noch informativ - man kann sagen bescheuert.

    • deurag
    • 28.12.2005 um 21:30 Uhr

    Der Mann hat so recht. Diese Heuchelei der Europäer. Wer hat uns denn von den Nazis befreit, wer hält denn überhaupt noch gegen?....die US-boys. Und dann immer diese scheinheilige Empörung bei uns. Ich denke dabei an den Satz
    - gut trainierte Kämpfer von Afganistan nach Deutschland - u.s.w.
    Vielen Dank, liebe Politiker. Aber egal, was gibt es morgen Neues !!

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