Zugegeben, aus deutscher Sicht klingt es seltsam, wenn man der Stammzellforschung mehr Ruhe wünscht. Deutschland darf sich schließlich nicht zur Weltspitze auf diesem Gebiet zählen. Die deutschen Wissenschaftler erhoffen sich im Gegenteil für ihr Gebiet deutlich mehr Geld und Engagement und weniger politische Restriktionen.

In anderen Ländern aber brennt die Luft. Drei Milliarden Dollar hat der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger seinen Stammzellforschern versprochen, 300 Millionen Dollar investiert Singapur in seinen Wissenschaftspark Biopolis, 50 Millionen Pfund machte gerade die britische Regierung locker, und 23 Millionen Dollar erhielt der südkoreanische Forscher Hwang Woo-Suk – bevor er mit seinen gefälschten Studien aufflog. Die Finanzanalysten rutschen schon ganz aufgeregt auf ihren Bürostühlen herum. Auf fünf bis zehn Milliarden Dollar Marktpotenzial bis zum Jahr 2015 taxieren sie die erwarteten Therapeutika aus der Stammzellforschung.

Die Aufregung erinnert an die euphorischen Anfänge der Gentherapie-Forschung. Diese Euphorie erhielt ihren Dämpfer, als der 18 Jahre junge Jesse Gelsinger 1999 bei einem allzu forschen Versuch starb und ein paar Jahre später bei gentherapierten Patienten in Frankreich Leukämie auftrat. In beiden Fällen zwang die nachfolgende Kritik die Akteure zurück in die Bescheidenheit. Weit entfernt von überdrehten Börsenspekulanten, feierten die Gentherapeuten fortan kleine, wenig spektakuläre Erfolge. Allmählich steigerten sie die Effizienz der Therapeutika und fanden Wege, präziser in das Erbgut einzugreifen. Noch immer fehlt den Gentherapeuten der große Durchbruch. Aber sie sind langmütig geworden. Nach 20 Jahren Mühsal wissen sie, wie eigensinnig lebendes Material ist.

Den Stammzellforschern steht dieser Lernprozess noch bevor. Soeben forderte der Schöpfer des Klonschafs Dolly, Ian Wilmut, trotz des Skandals in Südkorea Stammzellen bereits therapeutisch einzusetzen – auch dann, wenn sie noch nicht vollständig ausgetestet wurden. Schließlich könnten Schwerkranke, die sonst keine Aussicht auf Heilung haben, davon profitieren. Doch solche voreiligen Therapieversuche können – siehe Jesse Gelsinger – böse enden. Ein Fehlschlag würde die erfolgversprechende Disziplin für lange Zeit zurückwerfen. So verständlich die Versuchung ist, Erfolge erzwingen zu wollen – in der Medizin darf man ihr nicht nachgeben. Der Klonskandal in Korea hat somit auch eine gute Seite: Er mahnt die Forscher zu mehr Besonnenheit.