golfstaat Immer wieder JemenSeite 3/3
Vor jeder Reise steht der übliche Papierkrieg zur Beschwichtigung der Stammeskrieger: Durchfahrtsgenehmigungen für diverse autonome Gebiete. Die Passierscheine werden von den jemenitischen Travel Guides vor Tourbeginn in den Büros der Stämme in Sanaa eingesammelt. Reisen auf eigene Faust wäre mir in diesem Land, in dem eine Zentralregierung weitgehend nur auf dem Papier besteht, von Anfang an so abwegig erschienen wie eine Afrika-Durchquerung ohne Pass. Die fliegenden Blätter, die bei jeder Tour am Armaturenbrett klemmen, gaben mir irgendwie ein Gefühl von bescheinigter Sicherheit.
Die Beduinen und Bergbewohner schließlich, die bei Wüstendurchquerungen oder Gebirgspassagen zusteigen, signalisierten mir körperlich den Schutz ihres Stammes oder Clans. Signalisieren oder garantieren? Ich hatte nie das Gefühl, unterversichert zu sein. Zumal ich wusste, dass Geiselnahme – so formulierte es der langjährige Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Sanaa – »die jemenitische Form der Dienstaufsichtsbeschwerde« ist: Die Stämme versuchen, Versprechen der Zentralregierung einzufordern. Und Geiseln, auch das war bekannt, werden wie Gäste behandelt. Was allerdings weder Kidnapping bagatellisiert noch Ärger, Stress und Angst der Betroffenen aufwiegt.
Es klingelt. Mein Freund Muhammed aus Aden, der ehemaligen Hauptstadt des Südjemens, ruft an. Ich solle dem ganzen deutschen Volk sagen, alle gerecht empfindenden Jemeniten bedauerten den Vorfall. Und inschallah werde das bald aufhören. Ohne Auslastung seines Touristen-Jeeps wird Muhammed das geplante Auslandsstudium seiner beiden ältesten Söhne nicht bezahlen können, geschweige denn die Heirat seiner drittjüngsten Tochter.
Wer sich für Arabien interessiert und auf dem Original besteht, wer den alten Zauber sucht, wer anderes erwartet als marmorgetäfelte Shopping-Malls mit Talmi-Arabesken, der wird immer wieder kommen.
- Datum 05.01.2006 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 05.01.2006 Nr.2
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