arbeitsmarkt 40 000 Euro pro Arbeitsplatz
Die Regierung will Niedrigverdienern mit Kombilöhnen helfen. Das könnte den Staat viel Geld kosten
Es geht um zwei Millionen Menschen in Deutschland. Sie sind kaum auf einen Beruf vorbereitet und am Arbeitsmarkt nicht zu vermitteln. Die Bundeskanzlerin kennt das Problem. Angela Merkel sagt, »dass gerade gering Qualifizierte in unserem Land unglaubliche Schwierigkeiten haben, eine Beschäftigung, und zwar zu regulären Löhnen, zu finden«.
Jeder konzediert, dass diese Menschen besser ausgebildet werden müssten. Aber selbst dann: Wenn diese Jobsuchenden überhaupt eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben wollen, müssen sie oftmals Löhne akzeptieren, die unter dem tariflich vereinbarten Mindestniveau liegen. Und je mehr Arbeitslose es gibt, desto größer ist die Gefahr, dass Löhne »in den Bereich der Sittenwidrigkeit heruntergedrückt werden können«, wie es im Koalitionsvertrag heißt.
Ein Arbeitsloser wird auch in Zeiten von Hartz IV eine schlecht bezahlte Arbeit freiwillig nur dann akzeptieren, wenn sie ihm mehr einbringt als die staatlichen Transferzahlungen, auf die er einen Anspruch hat. Zum Beispiel mehr als den Regelsatz des Arbeitslosengeldes II von 345 Euro, ergänzt um mögliche Zulagen und Einnahmen aus einem Ein-Euro-Job (oder auch aus Schwarzarbeit). Daneben hat sich der Staat eine ganze Reihe anderer Modelle einfallen lassen wie Minijobs, Zuschläge zum Kindergeld oder das Einstiegsgeld für 24 Monate. Solche Maßnahmen verschaffen für viel Geld Arbeitslosen eine Tätigkeit, nehmen ihnen aber auch den Anreiz, einen schlecht bezahlten regulären Arbeitsplatz anzunehmen.
Die Frage ist also, wie Jobs mit niedriger Entlohnung so attraktiv gemacht werden können, dass Arbeitslose sie auch anstreben. Die jetzt in Berlin diskutierte Antwort ist der Kombilohn: ein staatlicher Zuschuss zum Niedriglohn. Die Bundesregierung will laut Koalitionsvertrag ein Modell prüfen, »das sowohl die Aufnahme einfacher Arbeiten durch eine ausgewogene Kombination aus Arbeitslohn und Sozialleistung lohnend macht, als auch die Möglichkeit für zusätzliche Arbeitsplätze« in einfachen Tätigkeiten schafft.
Die einfachste Form eines Kombilohns beschreibt Hubertus Schmoldt, der Vorsitzende der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE): »Wenn der Arbeitgeber zum Beispiel 80 Prozent des Tariflohns zahlt, könnte die Bundesagentur für Arbeit die restlichen 20 Prozent beisteuern.« Doch der Kombilohn wird in vielfältiger Ausgestaltung debattiert. Er kann für alle Arbeitnehmer in vergleichbarer Situation gelten oder auf bestimmte Gruppen von Arbeitsuchenden (wie Ältere oder Langzeitarbeitslose) beschränkt werden. Er kann zeitlich begrenzt gezahlt werden oder unbegrenzt. Er kann in einem Zuschuss zum Lohn bestehen oder im Subventionieren des Beitrags zur Sozialversicherung.
Bedarf für Billigarbeiter besteht durchaus, vor allem bei einfachen Dienstleistungen im Hotel- und Restaurantgewerbe, in der Landwirtschaft, bei der Gebäudereinigung, bei der Pflege alter Menschen. Zu Recht moniert der SPD-Sozialpolitiker Klaus Brandner: »Der Niedriglohnsektor ist in Deutschland noch nicht hinreichend entwickelt.« Das könnte sich ändern, sobald der Staat weniger die Arbeitslosigkeit als die Arbeit subventioniert. Dann könnte in der Bundesrepublik – wie in anderen Industrieländern längst geschehen – ein Markt für gering entlohnte Beschäftigung entstehen.
- Datum 05.01.2006 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 05.01.2006 Nr.2
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Gebetsmühlenartig predigen die Propheten des Neoliberalismus, ein Absenken der Löhne würde den Ausweg aus dem Jammertal der Arbeitslosigkeit aufzeigen.
Eine Frage bleibt freilich unbeantwortet: Weshalb gibt es dann in den Entwicklungsländern und Schwellenländern ohne ausgeprägtes Sozialsystem ein hohes Maß an Arbeitslosigkeit?
In diesen Ländern müßte nach neoliberaler Theorie Vollbeschäftigung herrschen.
Doch die Erde ist eine Scheibe und der Kosmos dreht sich um Deutschland herum. Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als daß ein neoliberaler Prediger aus seinem selbstgeschnitzten Elfenbeinturm klettern und seine Glaubenshypothesen an der rauhen Wirklichkeit einem Bestehenstest unterziehen würde.
Dabei wäre die Hinführung der Institutsleiter und Professoren so einfach. Ein kompletter Entzug der öffentlichen Mittel und die Umstellung auf ausschließliche Privatisierung würde so manchen Un-Sinn aus der öffentlichen Disussion vertreiben. Es läßt sich leicht über Hartz IV schwadronieren, wenn der eigene Arbeitsplatz über öffentliche Aufträge oder Besoldungen subventioniert wird.
Die Wirklichkeit am Arbeitsmarkt ist schlicht und ergreifend:
1. Es gibt zu wenige Arbeitsplätze
2. Von dem Geld, das an die Arbeitnehmer gezahlt wird, kommt zu wenig bei den Arbeitnehmern an.
3. Für das Geld, das die Unternehmen als Personalkosten für Arbeitnehmer aufwenden, erhalten die Unternehmen zu wenig Gegenleistung.
4. Das unternehmerische Risiko ist zu hoch, weil der Staat einfachste Selbstverständlichkeiten wie das Inkasso einer Rechnung nicht mehr gewährleisten kann.
5. Von 1 Euro Lohn/Gehalt erhält ein alleinstehender Arbeitnehmer 0,53 Euro und der Unternehmer wendet 1,50 auf. Diese Lücke muß der Staat durch die Anpassung des Steuer- und Sozialsystems schließen. Ein Kombi-Lohn kann die Lücke nur weiter auseinandertreiben, denn die Ausgaben müssen irgendwo von irgendwem finanziert werden.
Solange die Punkte 4 und 5 nicht abgearbeitet sind, sind alle Debatten über Arbeitspolitik Phrasendrescherei.
korfstroem
Erstens: die Kosten je Job dürfen nicht höher sein, als der Lohn, den der Arbeitnehmer bekommt. Denn dann k�nnte man ihm die Kosten auch direkt überweisen.
Zweitens: durch die Maßnahme dürfen in der Summe dem Staat (bzw. dem Steuerzahler) nicht nicht mehr Kosten entstehen, als hintenrum einspart werden. Denn ansonsten zahlt der gut ausgebildete Arbeitnehmer bei den Steuern drauf, damit ein schlecht ausgebildeter Arbeitnehmer mehr verdient.
Den zweiten Punkt empfinde ich persönlich als besonders wichtig, denn Leistung muss sich lohnen.
So manche mögen da anderer Meinung sein, weil sie es für gerecht halten, wenn all das Gleiche bekommen.
Ich halte es jedoch für gerecht, wenn alle die gleichen Chancen bekommen. Wieviel der einzelne dann bekommt, sollte davon abhängen, wie er seine Chancen ergriffen hat, und wie viel er sich angestrengt hat.
Warum soll also jemand, den sich in der Schule angestrengt hat, der anschließend ein Studium mit viel Arbeit aber keine Lohn absolviert hat, von seinem schwer verdienten Geld was abgeben, damit einer, der sich in der Schule gedrückt hat, keine Ausbildung gemacht hat und jetzt nicht bereit ist, die Konsequenzen seines Handels zu tragen und für wenig Geld zu
arbeiten, mehr Geld bekommt.
In die gleiche Schiene passt die Ungerechtigkeit, dass jemand der immer vorsorglich gelebt hat, und was für die Zukunft beiseite gelegt hat, im Notfall keine Sozialhilfe bekommt, aber jemand, der sich um nichts gekümmert hat, sondern nur von der Hand in den Mund gelebt hat, bekommt im
Notfall Sozialhilfe.
Asche auf mein Haupt, der Name des Schauspielers Götz Otto war mir präsenter als der des dm-Gründers Götz Werner.
Entschuldigung liebe Leser, entschuldigung Herr Werner!
Archie
www.wirtschaftskontrolle.de
www.wirtschaftskontrolle.blogspot.com
Verschiedene Formen von Kombilöhnen gibt es schon länger, z.B. für Leute mit Behinderungen, für Arbeitslose über 50 oder 55 u.ä. Meines Wissens wird in solchen Fällen ein Teil des Arbeitslohnes für 1 Jahr von der Bundesagentur übernommen. Bisher ist jedoch ein durchgreifender Erfolg ausgeblieben. Es gab die vielzitierten "Mitnahmeeffekte". Lief die Förderung aus, war der Mitarbeiter seine Arbeit wieder los. Auch die sog. "1-Euro-Jobs" sind in gewisser Weise Kombilöhne, denn die Zusätzlichkeit und Gemeinnützigkeit dieser Jobs ist praktisch nicht nachzuprüfen oder zu beweisen. Mir selbst sind 2 Fälle bekannt, in denen die Betroffenen für 1 Euro in ihrem alten Beruf als Büroangestellte arbeiteten. Allen diesen Fördermodellen ist gemeinsam, dass sie sehr teuer waren, keinen wirklichen Erfolg in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit hatten und sogar durch besagte "Mitnahmeeffekte" voll bezahlte Arbeitsplätze vernichtet haben.
Im "aktivierenden Sozialstaat" Großbritannien werden Niedriglohn-Jobs durch New Deals für Problemgruppen (z.B. alleinerziehende Mütter o.ä.) mit öffentlichen Geldern bis zur Existenzsicherung aufgestockt. Allerdings haben die meisten auch mit dieser Hilfe nicht den Sprung in unsubventionierte, längerfristige Arbeitsverhältnisse geschafft. Auf der anderen Seite hängen in einigen Gegenden Großbritanniens bis zu 60% der Arbeitsplätze am öffentlichen Sektor. Für Deutschland mit seiner ausufernden Verschuldung sind solche nutzlosen Wohltaten einfach nicht finanzierbar.
Vielleicht sollten besser einige "Forscher" auf HartzIV plus 1-Job gesetzt werden?
Was "Klaus F. Zimmermann, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)" da von sich gibt (und eilfertig als Horrormeldung von der "Zeit" aufgegriffen wird) ist zunächst nichts weiter einmal das, was landläufig als "hanebüchen" benannt wird:
Vollkommen substanzlos, allenfalls im "Blöd"-Stil noch als Satire zu akzeptieren.
Etwas mehr Mühe erwarte ich von einer Zeitung mit etwas Niveau schon! Also bitte:. Genauere Informationen, wie denn eine solche Zahl zustande kommen soll!!
Nachtrag: Es gibt durchaus subventionierte Arbeitsplätze, die auch durchaus in dieser Höhe (/APa) subventioniert werden. Allerdings sind das Bereiche, in denen mehr Hintergrund zu sehen ist, z.B. im Bergbau die Maschinenentwicklung für den Bergbau, auf dem Energiesektor ebenfalls die Weiterentwicklung von technologie.
In ganz allgemeinen Bereichen (z.B. Dienstleistungssektor) eine derart hohe Subventionierung zu vermuten, ist schlicht falsch und dumm (und wahrscheinlich Absicht).
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Das Model des Kombilohnes ist sicherlich eine neue Alternative der Regierung. In Sachsen-Anhalt gibt es dies schon und dies nicht unerfolgreich.
Mit Ihrer Überschrift 40.000 Euro kann man natürlich gut Stimmung für die liberale Richtung machen.
Ihr Vorschlag läuft einzig und allen darauf hinaus, den Menschen noch mehr Geld zu streichen. Hartz IV Empfänger die vermutlich aktuell schon nicht wissen, wie es funktionieren soll mit der Geld bis zum Monatsende noch eine weitere Kürzung.
Nein, dass kann und darf die Lösung nicht sein!
Ich möchte kurz auf das Model des dm (Drogerie) Chefs Götz Werner eingehen. Dieser schlägt vor, dass jeder Bundesbürger eine fixe Summe pro Jahr bekommt (Grundeinkommen) und dafür der Staat keine Sozialleistungen mehr übernimmt. Durch dieses System hätten wir endlich die Abspaltung zwischen Einkommen und Arbeit, denn seien wir doch ehrlich, im Zuge der Rationalisierungen werden es in Zukunft weniger Arbeitsplätze statt mehr.
Ich freue mich, dass Götz Otto hier so von Bedeutung ist. Ich habe, Sie sicherlich auch, den gesamten Bericht in der Stuttgarter Zeitung gelesen (im Netz leider nicht mehr verfügbar, dafür unter http://www.tamxx.de/?p=163).
Klar ist er kein Heiliger, sondern steht eindeutig zu dem Unternehmertum mit allen Nachteilen für die Arbeitnehmer.
Sein Vorstoß, Bürgergeld in Verbindung mit einer 58 %igen Mehrwertsteuer ruft beim oberflächlichen Überlesen Kopfschütteln hervor - insgesamt scheint mir die These wirklich überlegenswert.
Wenn die ersten Zahlenbeweise gebracht werden, dass das Modell nicht funktioniert, werde ich wieder zum konventionellen Marktdenken konvertieren, bis dahin sage ich: Respekt Herr Otto.
JayCON
Ich freue mich über die Ansätze, die gemacht werden, um z. B. Minderqualifizierte upzugraden. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass eine Vollbeschäftigung einfach nicht mehr machbar ist und dass selbst Höherqualifizierte auf der Straße sitzen, so kann das nicht zum Erfolg führen.
Wer wirklich arbeiten will - von denen gibt es genug - leidet darunter, nicht gebraucht zu werden. Wer wirklich nicht arbeiten will, leidet darunter, ständig qualifiziert und zu Bewerbungsgesprächen gedrängt zu werden. Daraus folgt, dass ein Konzept gesucht werden muss, dass dem Nichtarbeitswilligen eine Grundversorgung sichert und den Arbeitswilligen für seine Leistung honoriert. Der Gründer von dm (Götz Otto) hat sich dazu ausgelassen, scheint mir nicht uninteressant (http://www.citizensincome...).
Wer soweit nicht gehen will - wie wär´s denn mit der Abschaffung der geringfügigen Beschäftigungen für Leute, die ein Haupteinkommen haben - das würde ein Vakuum erzeugen. Wie wär´s mit einem Verbot des Hinzuverdienens bei Arbeitslosigkeit? Ob Sie es glauben oder nicht, ein Arbeitsuchender erklärte mir, einen Job nicht annehmen zu wollen, weil er in der Addition Arbeitslosengeld + Hinzuverdienst durch Teilzeitarbeit einen fürstlich bezahlten Halbtagsjob habe.
A. Jablonski
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