Mozart Ein Mann wie SchießpulverSeite 3/3
Das passt zum Klang, mit dem die Musiker der historischen Aufführungspraxis unser gegenwärtiges Mozart-Bild beeinflusst haben. Als Antwort auf den noblen, klangpolierten Mozart der Generation von Karl Böhm und Herbert von Karajan haben sie das Gestische, Theatralische und körperlich Agile der Musik, auch der rein instrumentalen, ins Bewusstsein gerufen, gleichsam einen Sturm-und-Drang-Mozart. Als Komponist des Ausgleichs, des klassischen Ebenmaßes, des »Mitteldings« (wie er, auf ein Klavierkonzert bezogen, selbst schreibt) ist er seitdem kaum mehr zu erkennen. In den Interpretationen dominieren die zugespitzten Tempi, die markante Artikulation, die pointierten Hell-dunkel-Kontraste. Die Ombraszenen können nicht schwarz genug ausfallen.
Auch die Gewichtung der Stücke hat sich verschoben. Lange Zeit für nicht repertoirefähig gehaltene Opern wie Idomeneo oder La Clemenza di Tito haben die Dominanz von Zauberflöte, Le nozze di Figaro und Don Giovanni in den Spielplänen der Theater durchbrochen. Così fan tutte, einst als sittlich fragwürdiges Stück und verunglückte Komödie geschmäht, ist zur wahren Lieblingsoper der Regisseure aufgestiegen und hat sich von der bunten Klamotte zum pessimistischen Lehrstück über das Scheitern von Beziehungen gewandelt. Mozart, der Ironiker, der sarkastische Spieler mit Täuschung und Wahrheit, sagt uns mehr als der übermütige Komödiant.
An den Theatern wurde bei Mozarts Opern in den letzten zwanzig Jahren hinabgeblickt in die Tiefgeschosse der Psychoanalyse. Die Regisseure haben die Lunte an alle erdenklichen politischen und gesellschaftlichen Zündstoffe gelegt und dabei das so genannte Heitere ab- und Widersprüchliches grell aufgeblendet. Die Bildermaschine des Regietheaters liefert die griffigsten Mozart-Thesen: Die Berliner Entführung aus dem Serail des katalanischen Regisseurs Calixto Bieito spielt in einem Bordell, in dem Osmin als sadistischer Frauenschlitzer umgeht. Im Salzburger Don Giovanni von Martin Ku∆ej fährt der Held nicht zur Hölle, sondern stirbt an Unterkühlung unter dem Kunstschnee einer Luxusdesigner-Welt. Im Salzburger Figaro von Christoph Marthaler schlurft ein trauriger Alleinunterhalter durch den Abend, und hinter jedem Buffa-Sechzehntel lauert die Depression. Im Hamburger Tito von Peter Konwitschny wird dem Herrscher ein Blechherz implantiert, bevor er seinen Feinden verzeiht. Die Inszenierungen versuchen Mozart an unsere Gegenwart heranzurücken. Aber erzählen sie nicht zugleich vom Abstand zwischen ihm und unserer Spätmoderne? Mozarts Themen – die Liebe, das Erotische, das Versöhnliche – scheinen nur noch ex negativo als etwas schmerzlich Abwesendes beschreibbar. In der vermeintlichen Nähe zeigt sich zugleich die Ferne. Dem Spiegelkabinett können wir bei Mozart nicht entrinnen. Und wir wollen es auch nicht.
- Datum 05.01.2006 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 05.01.2006 Nr.2
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... über unsere Zeit, könnte er sein Porträt von Fetting sehen!
Habe keine Ahnung von Musik aber ich bin ueber die Jahre ziemlich nahtlos von den 'Stones' auf Mozart umgestiegen und weiss was meiner Seele wirklich gut tut.....selbst Stuecke,die ich schon x-mal gehoert habe sind immer wieder
wunderbar.Stress abbauen mit Mozart! Ich kann es nur empfehlen.
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