Hochschule Ein Pontifex in BerlinSeite 3/3

Natürlich wird der Kirchenhistoriker ein eingefleischter Geisteswissenschaftler bleiben. Schon in frühen Jahren lernte er Latein, Griechisch und Hebräisch. In mehr als einem halben Dutzend Sprachen kann er sich verständigen. Unter dem Titel Wertsachen schreibt Markschies alle zwei Wochen im Tagesspiegel eine Kolumne über vergessene Wörter. Am vergangenen Montag widmete er sich der »Contenance«. Fast entsetzt stellt er fest, dass es in seinem neuen Amtszimmer kein einziges Regal gibt, wo man ein Buch abstellen kann.

Dennoch ist Markschies die Verbindung zu den Naturwissenschaften – schon aus Eigeninteresse der Geisteswissenschaften – so wichtig, dass er daraus einen Schwerpunkt seiner Arbeit machen will. Eine neue »Fakultät für Lebenswissenschaften« möchte er gründen, in dem sich Biologen und Mediziner wie Theologen und Ethnologen zusammenforschen. Er selbst befasste sich wissenschaftlich zuletzt mit dem antiken Heilschlaf, wofür er sich bei der modernen Schlafforschung kundig machte. Seine Antrittsvorlesung an der Humboldt-Universität hielt er nicht in der theologischen Fakultät, sondern programmatisch in der Charité bei den Medizinern.

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Am 6. Februar wird Christoph Markschies seine Inaugurationsrede als HU-Präsident halten. Thema werden die großen deutschen Wissenschaftsreformer sein. Zwei Männer werden dabei eine besondere Rolle spielen. Friedrich Schleiermacher, der die geistigen Fundamente der Humboldtschen Universitätserneuerung konzipierte und Adolf von Harnack, der Begründer der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, die heute Max-Planck-Gesellschaft heißt. Beide lehrten und forschten in Berlin, beide waren Theologen. Adolf von Harnack hatte ein besonderes Spezialgebiet: Er war Patristiker.

Der Mensch...
Christoph Markschies ist Professor für alte Kirchengeschichte (Patristik). Nach Stationen in Tübingen, Jena und Heidelberg lehrt er seit 2004 an der Berliner Humboldt-Universität. Dabei versteht sich der 43-jährige Markschies durchaus auf die öffentliche Darstellung seines Fachs. Er hat mehrere populärwissenschaftliche Bücher geschrieben (»Warum Gott sterben musste«) und mischt sich gern in Alltagsfragen ein.

...und seine Idee
Als neuer Präsident der Humboldt-Universität hat Christoph Markschies ehrgeizige Pläne. Er will sich aktiv in die Berufung neuer Professoren einmischen sowie die Geistes- und Naturwissenschaften in einer neuen Fakultät für Lebenswissenschaften zusammenführen. Zugleich möchte der Theologe die Universität stärker als Ort gesellschaftlicher und politischer Debatten nutzen.

 
Leser-Kommentare
  1. die humboldt-uni moechte elite-uni werden. schlimm genug, diesen ausdruck zu verwenden. aber dazu braucht sie jedoch nicht nur elite-studenten, sondern auch elite-dozenten und elite-bedingungen. das problem: es mangelt an allem.

    so gibt es dozenten, die jedes noch so interessante thema zu einer gaehn-orgie daniedertrampeln koennen. gebaeude, die kalt und verranzt sind. kommt ein auslaender nach berlin und studiert z.b. philosophie, so ist er in einem haus untergebracht, das eher an die dritte welt als an eine fuehrende industrienation - geschweige denn elite-uni - erinnert. deutschland - das land der goldenen stolprigen fußboeden.

    das imma-buero ist unfreundlich + telefonisch so gut wie nie zu erreichen. die pruefungsstellen sind noch viel unfreundlicher und haben zeit...jede menge zeit. scheine abholen? ja, aber nur mit termin, um einen termin zu machen. da gibt es pflichtkurse, für die es nur 20 plaetze gibt - für 75 studenten. dann dauert das studium wieder ein semester laenger. oder auch zwei. hoehere imma-gebuehren als strafe fuers unverschulden verstehen sich von selbst. und statt eines campus gibt es weit verstreute standorte - was das studieren und einhalten von seminar-zeiten nicht gerade einfacher macht.

    die humboldt-uni ist gleich einer behoerde, deren vielzahl fragwuerdiger mitarbeiter - egal wie inkompetent - nicht entfernt werden (kann). man hat sich ueber die jahre so eingerichtet. da kann man hin- und her-umstrukturieren, die gleichen flachzangen werden beschaeftigt sein - und aendern wird daran keine struktur irgendetwas.

    aber es gibt auch sieger: oxford wird auf seinen platz nr. eins noch sehr lange allein sein.

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