Polen Wenn der grüne Dackel kommtSeite 3/3

Nur genügt der Preis als Verkaufsargument nicht, wenn ein typischer Stadtbus eine Million Kilometer rollen und mindestens zehn Jahre halten soll. »Mein Kind«, sagt Solange über den Urbino, und man darf annehmen, dass sie zusammen mit ihrem Mann dafür gesorgt hat, dass dieses »Kind« ebenso sympathisch wie verbraucherfreundlich, wirtschaftlich und haltbar gestaltet wurde wie möglich. Jedenfalls, sagt Krzysztof, habe er nicht nur an die potenziellen Käufer und das Geld gedacht, als er seinen Bus entwarf, sondern ebenso sehr an die Fahrer und die Fahrgäste.

Und der grüne Dackel? – Das Grün stehe für die Umweltfreundlichkeit, antwortet Olszewska, die kurzen Beine eines Dackels seien Symbol für die Fähigkeit der Busse, älteren Menschen und Behinderten einen niedrigen und bequemen Einstieg zu ermöglichen. Überdies sei ein Dackel bekanntermaßen genügsam, so genügsam wie der Urbino beim Spritverbrauch. Und außerdem, so Olszewska: »Hunde sind treu, wir auch.« Würde draußen vor dem Büro, jenseits des Parkplatzes, nicht eine neue Werkshalle in den Himmel wachsen, mit der die Produktionskapazität erhöht und die Produktionskosten weiter gesenkt werden, wäre das wohl ein bisschen viel der Süßlichkeit. Aber mit seiner Kombination aus offenbar guten Produkten, schnellem Service und clever-freundlichem Marketing hat sich das Unternehmen der Olszewskis zu einem kräftigen Wadenbeißer in der Branche entwickelt.

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Da sei »ein ernst zu nehmender Wettbewerber« herangewachsen, sagt MAN-Sprecher Thorsten Wagner. Man gebe grundsätzlich keine Kommentare »über die Konkurrenz« ab, heißt es bei DaimlerChrysler in Stuttgart. Auch das ist ein Satz, der Solaris adelt.

Krzysztof Olszewski blickt denn auch ganz vergnügt, wenn er über seine Pläne redet. Im März will Solaris an die Warschauer Börse, um sich dort das Kapital für die weitere Expansion zu besorgen. 2008 schon sollen in Bolechowo rund 1200 Busse gebaut werden, doppelt so viele wie heute. Schließlich, so Olszewski, sei auch das noch nicht viel – bei 33000 Stadtbussen, die allein in Europa Jahr für Jahr verkauft werden können. Und außerdem, fügt er hinzu, sei da ja auch noch Südamerika. Oder Nordafrika.

Die Männer seien eben Jäger, sagt Solange. Sie seien immer Jäger gewesen und würden immer Jäger bleiben. Sie sagt das und lacht.

 
Leser-Kommentare
  1. Endlich ein vernünftiger Beitrag über Multikultur und die neue EU in dem kein einziges Mal das Wort "Globalisierung" vorkommt.

    Das übliche Format bringt ja stets Massenentlassungen, Arbeitslosigkeit und Globalisierung in einen Zusammenhang, und hinterläßt nur ein schlechtes Gefühl im Magen. Häufig bringen es solche Formate nicht auf den Punkt, daß dank dem Reformwillen von Rot/Grün neuerdings auch in diesem Lande dank Massenentlassungen einfach die Rendite aufgebessert wird und dies hat nun rein gar nichts mit einer "Globalisierung" zu tun, sondern fällt eben auf die Kappe von Schröder und Rot/Grün.

    Interessant ist jedoch, wem die übliche Berichterstattung denn tatsächlich nützt. Wenn man sich das so genau überlegt, will man uns alle durch die Presse und Rundfunk nur unterkriegen, damit wir weniger Lohn wollen. Ist scho nverrückt. Deutscher Journalismus ist schon lange tot im Mainstream ertrunken und die Deutschen denken die gängige Berichterstattung das sei normal so.

    Ein Artikel wie "Wenn der grüne Dackel kommt" wird die meisten Leser einfach überfordern. Einen ehrlichen Nonlobby Journalismus, das ist man als Deutscher gar nicht mehr gewohnt.

    slawek

  2. Ich war zunächst einfach nur sprachlos, nachdem ich diesen Artikel gelesen habe.

    Ich wollte gerne einen Kommentar schreiben aber ich mußte schon nach Worten ringen, so verdutzt war ich. Es hatte insgesamt 3 Tage gedauert bis ich die Sache verarbeitet hatte und schliesslich Worte fand.

    Zu Deiner Anmerkung bezüglich Polen in der BRD.

    Deutschland ist eigentlich nur für diejenigen Polen attraktiv, die nur Deutsch und keine anderen Fremdsprachen sprechen können. Ich sehe keinen vernünftigen anderen Grund, weshalb man in ein so gastunfreundliches Land reisen sollte, in dem man aufgrund seiner Herkunft vom Arbeitgeber ausgenommen wird und selbst von der Krankenversicherung ausgeschlossen wird. Vielleicht haben sich aber die letzteren Fakten in Polen einfach noch nicht herumgesprochen.

    Interessant ist die Entwicklung in England, wo Polen genausoviel wie Engländer verdienen und der Zugang zum Arbeitsmarkt, ärztlicher Versorgung, Gerichtsbarkeit und Weiterbildung für die Polen zum Standard gehört.

    Ich denke daher, der Anteil von Polen, die in die BRD reisen, um Arbeit zu finden, dürfte nur ein Bruchteil aller Polen im Ausland sein. Es sind die "Benachteiligten", die entweder keine Fremdsprachen beherrschen können und damit keine Wahl haben, wohin sie von einer Zeitarbeitsfirma zur Arbeit abtransportiert werden oder diejenigen, die eben leider nur Deutsch sprechen können.

    Ich finde es außerordentlich wichtig, daß Ausländer in Deutschland nachträglich ihre Arbeitgeber auf einen Mindestlohn und den für ihren Beruf üblichen Standardlohn verklagen können, sowie den Beitrag zu sozialen Versicherungen, wie auch die Deckung während der Schwarzarbeit angefallener Arztkosten.

    Beispiel Bau. So würde zwar jeder Baumogul in der BRD unter der Last der Forderungen in die Insolvenz gehen, wohlgemerkt aber nicht die Nachfrage im Baugeschäft, die Nachfrage nach Arbeitern bleibt die gleiche und man muß keine Massenarbeitslosigkeit nach so einer Aktion befürchten.

    Wem nützt es also, wenn wir auf der Rechtlosigkeit polnischer Arbeiter weiterhin beharren. Ihre Situation hat mit gewollten Verhältnissen zu tun. Diese gelte es im Normalfall zu bekämpfen. Doch die deutschen Gewerkschaften sind viel zu schwach. Sprich im Normalfall (siehe England) würde ein polnischer Arbeiter bei einer deutscher Gewerkschaft Hilfe finden. In Deutschland herrscht aber genau der umgekehrte Fall, die Gewerkschaften wollen diese Arbeiter bekämpfen(!) Damit wird die deutsche Gewerkschaft selbst zum Teil der Lobbys, indem sie selbst diese Verhältnisse der Rechtlosen Ausländer beibehalten will. Man merke den Unterschied zu UK.

    Nein, ich kann also jeden wirklich "beruhigen" für Ausländer ist die BRD kein gastfreundlicher Land, auf gar keinen Fall.

    slawek

    • iceman
    • 11.01.2006 um 2:12 Uhr

    Ich fand den Artikel auch gut. Er war sowohl inhaltlich wie auch literarisch sehr lesenswert. Da hat der Tenbrock ein gutes Stück abgeliefert.
    Wer den Artikel gelesen hat freut sich, weil es wichtig ist, daß die Polen sich in Europa wirtschaftlich gut entwickeln. Das ist gut für alle, auch für die Deutschen.

    Allerdings muß man schon unterscheiden:
    Es gibt einen Unterschied zwischen der Firma Solaris und den polnischen Scheinselbständigen, die in den letzten Jahren große Probleme gemacht haben auf dem deutschen Arbeitsmarkt.
    Allein in der niedersächsischen Fleischindustrie sind 30.000 Arbeitsplätze verloren gegangen, und das innerhalb von bloß einem Jahr! Und der ökonomischen Entwicklung in Polen selber, also strukturell, bringt das ja auch nicht viel. Ausnahme sind natürlich die Saisonarbeiter. Wenn ein Deutscher da nicht mehr genug verdient, um vom Lohn leben zu können, dann ist es nur vernünftig, dafür auch Menschen aus Osteuropa zu holen. Kein Problem.

    Aber grundsätzlich gilt: Die wirtschaftliche Entwicklung muß in Polen selber stattfinden, also mit eigenen Leuten im eigenen Land. Nur das bringt AUF DAUER etwas.
    Und deshalb hoffe ich, daß es in Polen künftig noch mehr solche Fälle gibt. Vieles spricht dafür. Die Arbeitsmoral scheint bei vielen sehr hoch zu sein. Es gibt viel Energie bei Leuten, die sich selbständig machen wollen.
    Ich gestehe, ich habe das nicht für möglich gehalten, und bin angenehm überrascht!

    Es kann sogar gut sein, daß die Polen (und anderen neuen EU-Länder) uns in einigen Jahrzehnten überholen, weil die einen großen Vorteil haben:
    Die ganzen Probleme, die die westlichen Länder angesammelt haben durch die Auswüchse der Migration, sind denen erspart geblieben.
    Polen und die anderen Ostländer haben 70 Jahre lang unter der Knute des Kommunismus gelebt, wie unter einer Käseglocke. Die Menschen haben viel gelitten, aber es kann sein, daß diese Käseglocke am Ende ein echter Vorteil war!
    Denn diese Nationen werden nicht den gleichen, möglicherweise tödlichen Fehler machen, wie wir ihn gemacht haben.

    Die Mentalität von Olszewski/Olszewska finde ich ganz große Klasse. Solche Leute sind sehr, sehr sympathisch und bringen den Polen viel zusätzlichen Respekt ein.
    Und Respekt muß man sich immer erst selber verdienen.
    Vor einigen Jahren hat man viele Polenwitze gehört (Autoklauer usw.). Das ist weniger geworden, weil unsere eigenen Probleme größer geworden sind.
    Wer weiß, vielleicht machen die Polen in zwanzig Jahren Witze über die Deutschen.
    So ist das immer: Die oben stehen, lachen über die unten.
    Jedenfalls ist es komisch, wie sich manche Dinge in der Geschichte ändern (und wie schnell).

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