Literatur »Ich habe Angst vor dem Spiegel«

Ein Gespräch mit dem amerikanischen Schriftsteller Bret Easton Ellis über schnellen Sex und schnellen Ruhm und sein neues Buch, in dem er mit seinem Vater abrechnet

»Kein Problem«, sagt Bret Easton Ellis, 41, zum Fotografen, der im Badezimmer von Ellis’ Wohnung seine Lampen aufbaut, »Sie können machen, was Sie wollen, mir ist das alles mittlerweile egal.« Da ist er also, der heitere, ironische Nihilismus, der auch seine Romane durchzieht – dafür wurde er gefeiert und gehasst, mit jedem Buch ein bisschen mehr. Als er in seinem ersten Roman Unter Null 1985 die amerikanische Jugend so zeigte, wie sie keiner sehen wollte, sexbesessen und im dauernden Drogenrausch. Als er Anfang der neunziger Jahre in American Psycho seinen Killer Patrick Bateman durch eine Armani-Welt schickte und für die besonders lakonischen Mordgeschichten von Frauenverbänden verfolgt und von seinem eigenen Verlag verstoßen wurde. Als er in seinem neuen Roman Lunar Park, der in den USA im Sommer 2005 erschien, über einen weltberühmten Schriftsteller mit Namen Bret Easton Ellis schrieb, eine halbfiktive Figur, die schon mal nackt einen Ferrari zu Schrott fährt. »Endloses Gejammer« fand das die New York Times, die Londoner Times urteilte »lyrisch, emotional, melancholisch«, die französische Zeitschrift Lire wählte Lunar Park zum besten Buch des Jahres. Das Telefon klingelt, und Ellis erzählt einem Freund davon, wie schlimm es vor ein paar Tagen wieder war mit seiner Depression. Jetzt gehe es ihm besser. Dann kann das Gespräch beginnen.

DIE ZEIT: Mister Ellis, ist heute ein guter Tag?

Bret Easton Ellis: Wie kommen Sie darauf? Es ist ein furchtbarer Tag. Ich habe schlecht geschlafen, ich war um vier wach und dann wieder um fünf, ich habe also etwas genommen, damit ich schlafen kann, und als ich endlich eingeschlafen war, da klingelte der Wecker.

ZEIT: Dafür sehen Sie aber ganz munter aus.

Ellis: Danke, ich kann nur sagen: Bei Depressionen, wie auch sonst, ist alles nur eine Frage der richtigen Medikation.

ZEIT: Als Sie aufgestanden sind – wen haben Sie im Spiegel gesehen?

Ellis: Ich schaue nicht in den Spiegel.

ZEIT: Aber Sie putzen sich die Zähne.

Ellis: Klar, ich schaue dabei nur nicht in den Spiegel. Ich könnte dort etwas sehen, das mir Angst macht. Bevor ich aus dem Haus gehe, schaue ich aber doch, ich könnte ja etwas im Gesicht haben. Zahnpasta.

ZEIT: Und wen sehen Sie dann?

Ellis: Meinen Vater. Je älter ich werde, desto ähnlicher werde ich meinem Vater.

ZEIT: Das macht Ihnen Angst.

Ellis: Ich habe es akzeptiert.

ZEIT: Sie mochten Ihren Vater nicht?

Ellis: Nein, ich mochte ihn nicht. Aber mein Vater ist kein Thema mehr für mich. Ich habe ihn mit Lunar Park aus meinem Leben herausgeschrieben.

ZEIT: Darum dieses Buch – in dem die fiktive Familie des Schriftstellers Bret Easton Ellis zerbricht, weil der mit seinen Dämonen nicht fertig wird? Und mit den Drogen?

Ellis: Als ich mit dem Roman angefangen habe, da habe ich nicht darüber nachgedacht. Ich wollte damals, das war etwa 1989, über ein Haus schreiben, das von seltsamen Geistern heimgesucht wird. Eine Art Stephen-King-Roman, ich verehre Stephen King sehr. Aber etwas funktionierte nicht an der Geschichte – die Hauptfigur war ein Schriftsteller, der Peter Bradshot hieß und die Romane Manhattan Killer und College Love Triangle geschrieben hatte. Natürlich hätte ich verstehen müssen: Das Haus, von dem ich da erzählte, war mein eigenes Haus, die Geschichte war meine, die Geister waren meine Familie.

Leser-Kommentare
  1. nur viel heisse luft -
    was soll an diesem
    interview denn interessant sein?

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