Österreich

Draussen

Günther Stefan Asenbaum: Kunsthändler in London

Die jungen Wiener putzen sich

Ein Wiener in London: Als 13-Jähriger kam Günther Stefan Asenbaum, der älteste Sohn einer Kunsthändler-Dynastie, nach London. Heute reist der 58-jährige Kunsthändler alle zwei Monate für eine Woche nach Wien.

Alle hatten Angst Meine Urgroßeltern haben mit Juwelen gehandelt. Meine Großeltern mit Antiquitäten, meine Eltern mit Topantiquitäten. Mir ist dann gar nichts anderes übrig geblieben, als Kunsthändler zu werden. Groß geworden bin ich in einem dunklen, schwarzen Wien. Die Menschen in dieser Stadt hatten alle Angst. Die einst Verfolgten sowieso. Und die Verfolger auch. Alle. Erst in London, wohin mich meine Eltern ins Internat geschickt haben, erfuhr ich, dass es faire, selbstbewusste Menschen gibt, die nicht nach oben buckeln und nach unten treten.

Inzwischen hat sich natürlich viel geändert. Auch Wien lebt heute in einem neuen Zeitalter. Die Architektur hat man schon geputzt. Jetzt sind die Menschen dabei, sich zu putzen. Die Jüngeren bringen schon eine ganz andere Einstellung mit. Meine Kinder, heute 25 und 26 Jahre alt, haben die antiautoritäre Bewegung und die Kreisky-Zeit nicht mehr erlebt. Die sind schon in andere Umstände hineingeboren worden. Umstände, die es ihnen erlaubt haben, Selbstbewusstsein zu entwickeln. Diese Generation hat eine gute Basis.

Hart, hart, hart Bis vor zehn Jahren war der Kunsthandel ein einfaches Geschäft, weil es kein Qualitätsbewusstsein gab. Heute ist es hart, hart, hart. Früher gab es in London 5000 Geschäfte, die mit Silber gehandelt haben. Jetzt sind davon keine 500 übrig. Der klassische Sammlertyp ist ausgestorben. Die Menschen kaufen Antiquitäten heute als Dekoration. Ein 70-Jähriger lebt ja ein ganz anderes Kulturbild als ein 40-Jähriger. Schauen Sie mal eine klassische Sammlerwohnung an: Da gab es im Vorzimmer eine gotische Truhe und eine Madonna. Im Wohnzimmer Biedermeier. Im Salon Barock. Das Schlafzimmer war vielleicht modern. Und in der Vitrine wurde Silber, Porzellan und Glas gesammelt. Heute kaufen 40-Jährige moderne Kunst und Designermöbel. Denen ist es völlig egal, wie alt die Stücke sind. Es ist nicht einmal wichtig, ob die Sachen echt sind oder reproduziert.

Als Kunsthändler bleibt mir da nur der internationale Markt. Und da nur die Spitze, also Josef Hoffmann, Otto Wagner, Klimt. Das fängt bei 100000 Euro pro Stück an. Geld ist ja nicht das Problem in diesem Markt, davon haben die Sammler genug. Aber das Angebot ist sehr begrenzt. Die Sammler geben nichts mehr weg.

Meine Eltern hatten noch das Geschäft auf der Kärntner Straße. Durch die Fußgängerzone ist diese Gegend aber so rummelig geworden, dass unsere Kunden nur mehr sehr ungern gekommen sind. Heute ist London unsere Zentrale. Nach Wien komme ich nur zum Recherchieren in die Museen.

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    • Von Ernst Schmiederer
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