Die Welt der Massenmedien ist für mich geprägt von der Vorstellung eines symbolischen Kräftemessens. Das Spielfeld sieht ungefähr aus wie eine Arena für klassische Gladiatorenkämpfe: Auf zwei Seiten einer Grube steht je ein Journalist mit einem Spaten. Der eine gräbt unermüdlich Sand herauf, um das Loch tiefer zu machen. Der andere schaufelt das Loch ebenso unermüdlich wieder zu. Das Kräftemessen geht pausenlos weiter, es ist eine Sisyphus-Arbeit, das Graben und Zuschaufeln zieht sich durch die Epochen. Und es gibt immer nur vorläufige Sieger. Manchmal triumphiert der enthüllende, grabende Journalist, manchmal der andere, verbergende, der Spuren verwischt, der wie ein Hofnarr mit biegsamem Rücken das Machtspiel mitspielt.

Die Massenmedien sind geprägt von dieser unvermeidlichen Polarität von arglistigen Lügen und eifriger Suche nach Wahrheit. Ohne Pressehistoriker zu sein, muss ich annehmen, dass es immer so gewesen ist. In der inneren Struktur der dritten Macht im Staat ist dieser Gegensatz von Beginn an angelegt. Der Journalist schreibt, doch in wessen Namen und in wessen Interesse? Weiß er es immer selbst? Will er es immer wissen?

Halbe Lügen und trügerische Wahrheiten prägen die Berichte

Dieses Kräftemessen oder dieser Konflikt existiert in allen inhaltlichen Sparten der Medien. Nicht zuletzt im Bereich der außenpolitischen – oder vielleicht eher der außenkulturellen – Berichterstattung. Was mich zum betrüblichen Thema dieses Textes bringt, der Frage nämlich, wie die Berichterstattung über den afrikanischen Kontinent in den Massenmedien der westlichen Welt eigentlich aussieht.

Wenn man den gewöhnlichen Informationsfluss aus und über Afrika kritisch betrachtet, kann man nach kurzer Zeit eine Schlussfolgerung ziehen, die eine erschreckende und zugleich beschämende Dimension enthält. Wenn wir uns am Bild der Massenmedien orientieren, lernen wir heute alles darüber, wie Afrikaner sterben, aber nichts darüber, wie sie leben. Die Flut von halben Lügen, die in trügerische Wahrheiten verwandelt werden, oder das Umgekehrte, Halbwahrheiten, die nur zu verworrenen Schlussfolgerungen führen, prägen gegenwärtig die Berichterstattung über Afrika.

Ich brauche kaum zu betonen, dass sich in dieser medialen Wüste natürlich viele Stimmen zum Protest erheben und versuchen, mit ihren Gegenbildern durchzudringen. Doch der breite Fluss, der Mainstream, entspricht dem, was ich oben beschrieben habe. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.

Vor einigen Jahren gab Newsweek ein Sonderheft über die Zukunft der Welt heraus. Darin brachte man das Kunststück fertig, den afrikanischen Kontinent nicht ein einziges Mal zu erwähnen. Kürzlich las ich in einer großen europäischen Tageszeitung, Afrika sei "ein von Bürgerkriegen zerrissener Kontinent". Während ich dies schreibe, herrscht in über neunzig Prozent der Länder auf dem afrikanischen Kontinent Frieden. Es gibt einige große und ernste und einige kleinere, doch nicht minder ernste Konflikte. Aber "ein von Bürgerkriegen zerrissener Kontinent"? Dies ist eine arglistige Lüge.

Warum ist die Berichterstattung so verzerrt und mit Lügen behaftet? Was wird damit bezweckt? Gibt es überhaupt einen Zweck, oder handelt es sich nur um eine Art von Resignation, weil man über einen Kontinent berichten muss, dessen Zukunft schon verloren zu sein scheint? Liegt es daran, dass die Journalisten sich gegenseitig lesen und die Worte ihrer Kollegen ernst nehmen, ohne sie infrage zu stellen, ohne nach alternativen Informationsmöglichkeiten zu suchen? Wie kommt es dazu, dass die westlichen Medien den ganzen afrikanischen Kontinent mit Nichtachtung strafen?

Natürlich liegt es teilweise daran, dass Journalisten einander beobachten. Journalisten sind Herdentiere wie andere Menschen auch. Nur wenige wagen es, ganz eigene Wege zu gehen. Es kann sein, dass man einander seine Exklusivmeldungen neidet, aber zugleich ist man bemüht, sich nicht aufreizend weit vom Mainstream der Nachrichten entfernt zu positionieren.

Um dies ganz zu verstehen, muss man die Vorgeschichte betrachten. Vor 150 Jahren war es in der westlichen Welt nahezu unmöglich, ein negatives geschriebenes Wort über den afrikanischen Kontinent zu finden. Zwar war das Material äußerst begrenzt, es gab nur wenige Zeitungen mit geringer Verbreitung, doch hinzu kamen die Reisebücher, die für die Ausformung des Afrika-Bildes der lesenden Allgemeinheit und der Obrigkeit wahrscheinlich von größerer Bedeutung waren. In Rousseaus Geist wurde Afrika als ein Eden beschrieben, das die Zeiten der biblischen Geschichte überlebt hatte. Frühe arabische und europäische Reisende, die nach Mali kamen, waren erstaunt über eine Gesellschaftsstruktur, wie sie sie in Europa oder im Nahen Osten kaum gesehen hatten. Afrika galt als nachahmenswert, als Quelle der Inspiration.

Danach entwickelt sich schleichend und über einen längeren Zeitraum hinweg eine andere Sichtweise. Diese Entwicklung beginnt in den Jahren nach 1850 und erreicht ihren ersten Höhepunkt in den 1880er Jahren mit der Berliner Konferenz, auf der der afrikanische Kontinent in die kolonialen Enklaven mit ihrer absurden Grenzziehung aufgeteilt wurde. Massenmedien und Buchproduktion, Intellektuelle und Geistliche, Prokuristen und Abenteurer verändern das bis dahin existierende Bild von Afrika auf dramatische Weise. Der Kontinent wird wieder "wild", der Afrikaner leichtsinnig, faul und rührend naiv wie ein unschuldiges Kind, zugleich aber auch gefährlich, weil die Naivität leicht in jene Brutalität umschlagen kann, die nach dem zivilisatorischen Eingreifen Europas verlangt. Der Wilde soll bezwungen, seine Brutalität zu seinem eigenen Besten besiegt werden.

Es ist natürlich nicht schwer, diesen negativen Wandlungsprozess in den Massenmedien zu verfolgen, zu sehen, wie Europa sich dafür entscheidet, dass wir von Afrika und seinen Kulturen nichts zu lernen und keine Inspiration von dort nötig haben. Jetzt heißt die Losung Bekehrung. Afrikas barbarische Zurückgebliebenheit kann nur durch einen von Europa ausgehenden Zivilisationsprozess getilgt werden. Mit Kassenbüchern und Bibeln, mit Kanonen und Kreuzen soll Afrika langsam auf europäisches Niveau angehoben werden. "Das dunkle Afrika", von dem Livingstone spricht, soll durch das Anzünden des europäischen Lichts seine Aufklärung erfahren.

Um dieses neue Programm, diese neue Sichtweise und diese wirtschaftliche Strategie zu legitimieren, bedurfte es eines Alibis. Hier kam den Massenmedien eine entscheidende Rolle zu, und die schreibende Zunft ordnete sich gefügig ins Glied ein. Nur geringe Kräfte wirkten der Inszenierung dieses gigantischen Übergriffs gegen den afrikanischen Kontinent entgegen. Sie waren buchstäblich Rufer in der Wüste. Niemand hörte auf sie. Sie wurden verachtet. Sahen sie doch nicht, was für die eigene Nation das Beste war. Kolonisieren hieß, eine bessere Welt zu errichten. Die Ideologen waren Ingenieure und Missionare, Kaufleute und Artilleristen, und die Journalisten sollten ihre Werke begleiten und von ihren Leistungen berichten.

Mal sind die Afrikaner Affen, mal edle Wilde. Nur Menschen sind sie selten

Das neue Afrika-Bild ist um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert fertiggestellt. Um diese Zeit ist auch die koloniale Aufteilung weitgehend abgeschlossen. Es kommt noch zu kleineren Konflikten zwischen den verschiedenen Kolonialmächten, beispielsweise zwischen England und Portugal um die später so zynisch glatt gezogene Grenze zwischen Sambia und Angola. Doch der Übergriff steht vor seiner administrativen und politischen Vollendung.

Jahrgänge der Tagespresse aus der Epoche der kolonialen Triumphe durchzulesen kommt dem Blick in einen Abgrund gleich. Die Illusion von der europäischen Herrschaft, der europäischen Überlegenheit ist schwindelerregend. Der sich seit den 1850er Jahren als "wissenschaftlich" betrachtende Rassismus feiert unbegreifliche Triumphe. In dieser Periode werden die Afrikaner fast buchstäblich wieder in Affen verwandelt.

Um 1900 wird dieses Bild endlich infrage gestellt. Jahrzehntelang haben Journalisten fast nur auf der einen Seite der Grube gestanden, haben zugeschaufelt, verdeckt, das passende Alibi für den kolonialen Übergriff zusammengelogen. Jetzt beginnen Gegenstimmen laut zu werden. In erster Linie sind es Missionare, die von dem bestialischen Vorgehen Belgiens im Kongo Zeugnis ablegen, diesem riesigen Imperium, das König Leopold als sein privates Eigentum und seine private Unternehmung betrachtet.

Die Missionare stehen auf und legen nicht nur von all den Menschen Zeugnis ab, die sie zum christlichen Glauben bekehren konnten, sondern mehr noch von den mit abgeschlagenen Händen gefüllten Körben, mit denen sie sich konfrontiert sehen. Ihren Worten wird in der Presse Platz eingeräumt, ihre Vorträge ziehen große Zuhörerscharen an, und die Achse der Berichterstattung verlagert sich erneut. Die Afrikaner sind nicht mehr die Wilden, sondern die Opfer, die das brutale Vorgehen Europas zurücklässt. Jetzt stehen Journalisten wieder auf beiden Seiten der Grube, die Konfrontation ist lebhaft, die Spaten sind in Aktion, und nach dem Zweiten Weltkrieg sieht es so aus, als sollten diejenigen, die den Übergriff gegen Afrika aufdecken wollen, endlich den Sieg davontragen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt die Epoche, der ich angehöre. Im Jahre 1965 werde ich 17 Jahre alt. Die Welt öffnet sich. Ein Jahr zuvor, 1964, fällt der erste Schuss im mosambikanischen Befreiungskrieg gegen Portugal. Der Krieg wird zehn Jahre dauern und zu einer vernichtenden Niederlage des Kolonialregimes führen. Portugals faschistische Führung wird durch die Kolonialkriege, die sie nicht gewinnen konnte, gesprengt. Gut vierzig Jahre dauert die Entkolonialisierung, die mit dem Sturz des Apartheidregimes in Südafrika endet.

Man kann diskutieren, ob es sich dabei um eine lange Periode handelt oder ob Afrikas Befreiung sehr schnell ging. Aber das Bild Afrikas verändert sich wieder auf dramatische Weise. Zeitungen und Reportageteams mit leichten Filmkameras berichten zum ersten Mal ernsthaft darüber, wie Afrikaner leben, nicht nur, wie sie sterben. Für einige wenige Jahre kommt es zu einer Radikalisierung der Berichterstattung, die Information, die nach Europa gelangt, ist in vielerlei Hinsicht qualitativ neu. Die Zeitungen sind bestrebt, die Wahrheit zu berichten.

Doch ganz so einfach ist es natürlich nicht. Beim Durchblättern von Zeitungen aus den sechziger und siebziger Jahren fällt mir auf, dass eine andere Art von verfälschender Berichterstattung um sich greift. Ein romantisiertes Bild von Afrika, das seiner Natur nach und in seiner Konsequenz ebenso falsch ist wie das frühere einseitige Bild des "Wilden". Als wäre Rousseau plötzlich zurückgekehrt.

Dennoch ist dieses romantische Bild nicht das vorherrschende. In den Jahrzehnten, von denen ich jetzt spreche, nimmt die Berichterstattung in den europäischen Medien zu. Das Bild ist außerdem ein anderes, es ist nicht festgelegt, sondern suchend, und die Grundeinstellung ist positiver.

Als die Berliner Mauer fällt und das östliche Imperium zerbricht, kommt es zu einem weiteren Pendelausschlag. Afrika verliert seine Bedeutung als Spielstein im militärischen Strategiespiel der Großmächte. Der Kalte Krieg, der eigentlich als Dritter Weltkrieg bezeichnet werden sollte, geht zu Ende. Nachdem die Sowjetunion besiegt ist, erlahmt – abgesehen vom Öl in einigen Ländern des Kontinents – das Interesse der USA an Afrika.

Wieder veränderte sich das Bild in den Massenmedien. Die symbolischen Fliegen in den Augen hungernder Kinder wurden zum gewöhnlichsten Bild des Kontinents. Die großen Dürrekatastrophen rückten in den Vordergrund, wenig später ergänzt durch die Berichterstattung über die explodierende Aids-Krise. Diesem Eintopf wurde auch die Kritik an der umfassenden Korruption und den brutalen Diktatoren beigegeben, die dann und wann auftauchten, um wieder verjagt zu werden oder einfach zu verschwinden. Die Berichterstattung kehrte sich nach und nach wieder von der Suche nach einem wahrheitsgetreuen Bild ab, das notwendigerweise kompliziert und widersprüchlich sein musste.

Jetzt wurde ein eindeutig negatives Bild geformt. Die Afrikaner wurden mit Franz Fanons Worten zu den "Verdammten der Erde". Wieder befanden sich die radikalen Stimmen in der Minderzahl. Sie suchten keine Wahrheit, die nur schwarzweiß war. Der Strom solidarischer Handlungen, sei es in Gedanken und Manifesten oder konkreten Hilfsaktionen für den afrikanischen Kontinent, ging zurück. Das in den Medien verbreitete Bild beeinflusste und beeinflusst weiterhin die Bereitwilligkeit, Unterstützung für arme Länder aufzubringen.

Das Bild in den Medien hat eine Funktion. Die Veränderungen in der Darstellung des afrikanischen Kontinents in den Medien sind lehrreich – und erschreckend. Gegenwärtig erleben wir eine erneute Wandlung des so oft vergifteten und verfälschten Bildes.

CNN will informieren – und verbreitet unterschwellig doch nur Propaganda

Als Bundespräsident Köhler vor einigen Wochen eine Reihe von afrikanischen Spitzenpolitikern, Wirtschaftsvertretern, Forschern und Künstlern zu einer Konferenz nach Bonn eingeladen hatte, war die Kritik am Bild Afrikas in den Medien als Subtext der Gespräche ständig gegenwärtig. Es ging auf der Konferenz um die Frage der "Partnerschaft" zwischen Europa und Afrika. Hierüber ist schon früher diskutiert worden, eigentlich all die Jahre seit dem Weltkrieg.

Heute aber, nicht zuletzt auf dieser Konferenz – so mein Eindruck –, erkennen beide Seiten, die afrikanische wie die europäische, immer deutlicher, dass das Bild der Medien von Afrika ein Feind mit ganz eigener Zielsetzung ist, der bekämpft werden muss. Solange wir akzeptieren, dass die Afrika-Bilder, die uns geboten werden, vom Leiden, vom Sterben beherrscht sind, werden wir die Afrikaner nicht als ebenbürtig betrachten. Diese Art von Berichterstattung wird uns nie zu der Einsicht bringen, dass wir diesen Menschen zuhören müssen. Warum soll man einem ausgemergelten Menschen zuhören, der mit so leiser Stimme spricht, dass man ihn kaum verstehen kann?

Wenn wir zulassen, dass dieses falsche Afrika-Bild sich durchsetzt, werden wir Europäer auch weiterhin reden, ohne gleichzeitig zuzuhören und in einen Dialog einzutreten. Wir werden weiterhin unsere Taschen voll packen mit Lösungen und Antworten, statt nach Mitteln zu suchen, um uns an der Formulierung der Fragen beteiligen zu können.

Wir erleben heute eine wahre Sturzflut von Information. Zugleich erkennen wir, dass damit nicht notwendigerweise auch unser Wissen zunimmt. Die dem CNN zugrunde liegende Idee war natürlich ausgezeichnet. Ein Fernsehsender, der sich auf Nachrichten konzentrierte, die weltweit ausgestrahlt werden sollten. Aber was ist daraus geworden? Ein Sender, der unterschwellig amerikanische Lifestyle-Propaganda betreibt.

(Ich war einmal in Shanghai. Zur gleichen Zeit wurde irgendwo in der Welt eine Tischtennisweltmeisterschaft ausgetragen. Tischtennis ist in China bekanntlich ein Nationalsport. Wenn das zutrifft, ist es auch eine der meistverbreiteten Sportarten weltweit. Doch im CNN? Nicht ein Bericht über diese Weltmeisterschaft. Dagegen unzählige Berichte über die amerikanische Basketball-Liga.)

Das symbolische Bild ist weiterhin gültig. Die beiden Journalisten mit ihren Spaten auf je einer Seite der Grube. Nicht zuletzt im Falle Afrikas hängt unsere gemeinsame Zukunft in hohem Maß davon ab, wie dieser Zweikampf ausgeht. Gelingt es uns nicht, eine korrektere Berichterstattung über das Geschehen auf dem afrikanischen Kontinent zu erzwingen, werden wir auch nicht die Unterstützung leisten und die Inspiration einbringen können, derer wir fähig wären. Dann wird der Gedanke der Partnerschaft erneut zu einem Traum, der langsam zwischen Konferenzen und Seminaren zerrinnt.

Ohne ein verändertes Afrika-Bild, ohne eine radikal neue Verantwortung der Medien wird die Hoffnung auf eine großzügige zukünftige Zusammenarbeit zwischen den Kontinenten eine Illusion bleiben.

Henning Mankell
wurde 1948 in Stockholm geboren. Zunächst arbeitet er am Theater, von 1990 an wird er mit Krimis um den Komissar Wallander zum Bestsellerautor. Nach Afrika reist er erstmals 1972; seit 1996 leitet er das Teatro Avenida in Maputo, Mosambik. In Afrika spielen auch seine Romane "Der Chronist der Winde" (2000) und "Die rote Antilope" (2001)

Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt