Afrika Zeigt das wahre Afrika!Seite 4/4

Wir erleben heute eine wahre Sturzflut von Information. Zugleich erkennen wir, dass damit nicht notwendigerweise auch unser Wissen zunimmt. Die dem CNN zugrunde liegende Idee war natürlich ausgezeichnet. Ein Fernsehsender, der sich auf Nachrichten konzentrierte, die weltweit ausgestrahlt werden sollten. Aber was ist daraus geworden? Ein Sender, der unterschwellig amerikanische Lifestyle-Propaganda betreibt.

(Ich war einmal in Shanghai. Zur gleichen Zeit wurde irgendwo in der Welt eine Tischtennisweltmeisterschaft ausgetragen. Tischtennis ist in China bekanntlich ein Nationalsport. Wenn das zutrifft, ist es auch eine der meistverbreiteten Sportarten weltweit. Doch im CNN? Nicht ein Bericht über diese Weltmeisterschaft. Dagegen unzählige Berichte über die amerikanische Basketball-Liga.)

Das symbolische Bild ist weiterhin gültig. Die beiden Journalisten mit ihren Spaten auf je einer Seite der Grube. Nicht zuletzt im Falle Afrikas hängt unsere gemeinsame Zukunft in hohem Maß davon ab, wie dieser Zweikampf ausgeht. Gelingt es uns nicht, eine korrektere Berichterstattung über das Geschehen auf dem afrikanischen Kontinent zu erzwingen, werden wir auch nicht die Unterstützung leisten und die Inspiration einbringen können, derer wir fähig wären. Dann wird der Gedanke der Partnerschaft erneut zu einem Traum, der langsam zwischen Konferenzen und Seminaren zerrinnt.

Ohne ein verändertes Afrika-Bild, ohne eine radikal neue Verantwortung der Medien wird die Hoffnung auf eine großzügige zukünftige Zusammenarbeit zwischen den Kontinenten eine Illusion bleiben.

Henning Mankell
wurde 1948 in Stockholm geboren. Zunächst arbeitet er am Theater, von 1990 an wird er mit Krimis um den Komissar Wallander zum Bestsellerautor. Nach Afrika reist er erstmals 1972; seit 1996 leitet er das Teatro Avenida in Maputo, Mosambik. In Afrika spielen auch seine Romane »Der Chronist der Winde« (2000) und »Die rote Antilope« (2001)

Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt

 
Leser-Kommentare
  1. 1. \N

    Le bonheur n'a pas d'histoire. Sagt Balzac. Wenn man Zeitung schreibt, sind schlechte Nachrichten vorzuziehen. Der Mensch ist von Natur ein Weltverbesserer. Afrikas Wirklichkeit wird von Vorurteilen und Klichees verstellt, die vor allem von Journalisten, als Schnellschreibern, benutzt und weitergegeben werden.
    Wer mehr wissen möchte, muß Bücher lesen.

  2. 2. \N

    Perspektive, heißt das Zauberwort. Auch im Zusammenhang mit Afrika.

    Westliche Medien schreiben für ein wetliches Publikum. Für ein Publikum, dass sich momentan kaum etwas verspricht von Afrika. Für ein Publikum, das Afrikaner (und übrigens auch chinesische Tischtennisspieler) nicht für Mitglieder der eigenen Gruppe hält. Ein Publikum, welches von Afrikanern (und von Chinesen) also nicht erwartet, dass sie die für die Gruppe geltenden Regeln beherrschen und praktizieren. Ein Publikum, welches allerdings - eben deswegen - auch nicht bereit ist, die Anderen in die eigene Lebenswelt mehr als allenfalls am Rande zu integrieren. "Afrikaner? Sind das nicht die, denen der Rythmus angeboren ist? Klar, die armen Hunde, die nichts könen, außer trommeln!"

    Westliche Medien schreiben für ein Publikum, das nach Afrika mehrheitlich mit den gleichen Gefühlen und Absichten schaut, mit denen es Sonntags, seine Kinder an der Hand, in den Zoo geht: "Guck mal, der Löwe: schauerlich-mächtig und gefährlich, glücklicherweise durch einen Wassergraben von unserer Welt getrennt. Und dort, das Nashorn: mächtig in seinen Dimensionen, dumpf vor sich hinstarrend, leicht reizbar. Gut, dass es nicht in unserem Vorgarten steht! Oder da, die possierlichen Äffchen: lustig anzusehen aber keinesfalls Wohnzimmertauglich und außerdem echt bedauernswert - eine leichte Beute für Raubtiere und böse Wilderer."

    Alles in allem ist der Zoo eine ausgesuchte Sammlung unterhaltsamer Zeitgenossen, die ausschließlich zum Zwecke der Belehrung und Erregung eines noch relativ anspruchslosen Zuschauers (Kind) beziehungsweise für wissenschaftliche Studien gebildeter Männer gehegt und gefüttert werden. Ein kleiner Gruppenluxus, der einem bei Zahlung eines geringen Obulus das gute Gefühl vermittelt, an der Rettung einer bedrohten Natur mitgewirkt zu haben. Afrika, der Menschenzoo.

    Henning Mankell hat Recht, wenn er behauptet, die westliche Welt (wer immer das sein mag) würde Afrika nicht als gleichwertigen Partner sehen. Sie erkennt offenbar die Gemeinsamkeiten in den Interessenlagen nicht oder nicht ausreichend. Das scheint in erster Linie eine Frage der Prioritäten zu sein. Rohstoffe kann man sich notfalls nehmen, ohne lange zu fragen - vorausgesetzt, man ist mächtig genug. Das ist historisch belegt. Demokratische Strukturen hingegen sind eine Errungenschaft der Neuzeit. Sie funktionieren nicht ohne Diskurs, Vertrauen und Verständnis. Würde die westliche Welt beispielsweise an die UNO, eine Institution mit (theoretisch, fast) gleichem Stimmrecht für alle, und ihre Reformierbarkeit glauben, statt an die Allmacht der produzierenden Wirtschaft, hätten wir auch eine andere Berichterstattung. Dann würde die sogenannte "westliche Welt" wahrscheinlich versuchen, mit Hilfe der afrikanischen Staaten endlich die notwendigen Veränderungen der UN in die Wege zu leiten. Praktisch, nicht nur theoretisch. Sie würde zu diplomatischer Höchstform auflaufen und parallel ihre Bürgerschaft für die neuen Partner zu begeistern versuchen - ganz so, wie sie es mit den wichtigen Handelspartnern Japan und China seinerzeit auch praktiziert hat (und noch praktiziert). Sie tut es nicht. Die Afrikaner quittieren diese Ignoranz ihrerseits damit, dass sie zu unpassender Zeit Grundfragen für die Debatte zweit- und drittrangiger Themen missbrauchen. Ein Teufelskreis, der kaum zu unterbrechen ist.

    Der Gedanke, dass diese eine Welt von nur einer Menschheit mit nur einem wirklichen Problem bewohnt wird, hat sich bis zu denen, die die Macht besitzen, noch nicht herumgesprochen. Kein Wunder: Welcher "Bewohner der westlichen Welt" (bezeichnend: es gibt nicht einmal einen handlichen Begriff für diesen Mann) liest schon afrikanische Zeitungen, wer sieht afrikanische Fernsehsender?

    Auch die Politiker und selbst die Wirtschaftsbosse sind nur Menschen. In Afrika, wie im Rest der Welt. Sie sind Menschen, die in Gemeinschaften aufwachsen sind und die von diesen Gemeinschaften und ihren "Horch-Und-Guck-Organen" geprägt werden. Nur waren die einen Zeit ihres Lebens größtenteils Zoobesucher, die anderen überwiegend Objekt der (distanzierten) Fremdbetrachtung. Zu erkennen heißt schließlich noch lange nicht, zu handeln. Auch nicht für die Medien.

    • gorgo
    • 13.01.2006 um 9:50 Uhr
    3. Danke!

    Endlich auch mal in der Zeit!

    • Degla
    • 13.01.2006 um 11:47 Uhr

    Ich würde gern wissen, was Herr Bartholomäus Grill von diesem Artikel halten würde, denn seine Artikel über Afrika sind manchmal komisch.

  3. Okay, mit der Aussage des Artikel bin ich durchaus einverstanden. Trotzdem finde ich ihn blaß, immer wieder das gleiche.
    Zu wenig REflexion darüber, daß schlechte Nachrichten grundsätzlich mehr Aufmerksamkeit finden als gute.

    Afrika wird wenig wahrgenommen, weil es wirtschaftlich und politisch auf der WElt halt keine Rolle spielt. DAran können nur die Afrikaner selbst etwas ändern, doch bislang haben sie das eben nicht getan.

  4. Ich liebe die Krimis von Mankell, ich bewundere sein Eintreten für Afrika. Seine Einschätzung der Medien und ihre eigennützige Berichterstattung teile ich, siehe den Fall Osthoff.

    Auch dem Kommentar von lef kann ich voll zustimmen, besonders seiner Aufgliederung der 3 verschiedenen Hilfen, die Afrika zuteil werden.

    Ich lebe seit 4 ½ Jahren in Gambia, kann dem Volk aufs Maul schauen. Reporter und Berichterstatter, fegen durch die Länder Afrikas, kratzen an der Oberfläche, sind abhängig von subjektiven Hilfen. Ja, wer macht sich die Mühe, diesen Kontinent oder zumindest ein Land wirklich zu erfahren, wer will nach Afrika, dem „verlorenen“ Kontinent?

    Die Hilfsorganisationen sind nicht interessiert an Menschen, die diese Länder kennen, sie rekrutieren ihre Mitarbeiter in ihren Heimatländern, bezahlen sie überproportional, mit Erschwerniszulagen, und stellen sie damit in eine Isolation. Hinter dicken mit Glasscherben bewehrten Mauern, einkaufen nur im Supermarkt, der direkte Kontakt mit dem Einheimischen ist limitiert auf „housemaids“ und „watchmen“.

    Der intelligente und gut ausgebildete Afrikaner, vielleicht sogar ein Jurist oder Doktor der Medizin, wird als Fahrer eingestellt, denn nur so kann er seine Familie ernähren. Außer, er geht nach Europa oder Amerika, „brain-drain“ nennt man so etwas.

    Aber das sind nur einfache Beispiele, der immer noch anhaltenden Ausbeutung des Kontinents. Die Krux liegt ganz woanders, will denn Afrika etwas ändern, in die Zukunft, in das globale Dorf eintreten? Ich denke ja, wenn ich die junge Generation erlebe, doch die ältere Generation, und natürlich die Machthaber dieser Länder, würden es gern noch so weiterlaufen lassen.

    Die Kämpfe der „normalen“ Bevölkerung sich gegen die korrupten Eliten durchzusetzen, die die Fäden ziehen, werden von den westlichen Medien überhaupt nicht beachtet. Im Dezember 2004 wurde in Gambia ein Mitherausgeber und Editor einer oppositionellen Zeitung ermordet. Wo war der Aufschrei der westlichen Presse? Im November letzten Jahres wurden 3 Führer von Oppositionsparteien in Gambia vom Geheimdienst NIA festgenommen, im Herbst 2006 stehen die nächsten Wahlen an, wo war da die Intervention der westlichen Presse?

    Ich muß da Henning Mankell voll zustimmen, wo ist die Weltöffentlichkeit, wenn es um irgendein wichtiges Thema in Afrika geht? Ich spreche zwar nur für Gambia, ein Fliegenschiss auf dem Weltatlas, aber diese Menschen hier brauchen die Medien und die Öffentlichkeit genauso wie in den sogenannten zivilisierten Ländern, um etwas zu verändern. Dazu sind sie bereit, aber sie brauchen das Interesse der Welt und das wird man in Afrika nicht finden, außer es geht um Rohstoffe wie Öl und Diamanten oder 14 Tage Urlaub am Palmenstrand.

    Ja, ich muß gestehen, ich bin enttäuscht, die ach so liberalen Gutmenschen der „ersten Welt“, wo sind sie denn, wenn es darum geht, etwas mehr als die jährliche Spende an eine Hilfsorganisation, sondern konkrete Hilfe, in Form von medialer Unterstützung zu leisten? Wie wäre es, wenn sich Deutschland gegen diese Form von Unterdrückung und Ermordung von Oppositionellen aussprechen würde? Aber auch das hätte wenig Sinn, wie schon lef sagte, die Araber, Taiwanesen, Libanesen, Chinesen und wer weiß noch alles, hat das alles ökonomisch fest im Griff, die stört es nicht so sehr, wenn da irgendwelche Leute erschossen oder verhaftet werden. Alles was Gambia braucht, wird von diesen Staaten nach Gambia exportiert. Es sollte auch nicht unterschätzt werden, dass wahabitische Staaten, nicht nur Waren sondern auch Ideologie exportieren. Wo ist die da nun die Weltöffentlichkeit?

    Ja, wie Hennig Mankell schon sagte, Dialog mit einem Partner, aber wer sieht schon Afrika als einen Partner?

    Khadija, aus Gambia, macht sich viele Gedanken

    P.S. Lieber Herr Meier, hätten sie denn einen Lösungsvorschlag?

  5. 7. Afrika

    Ich glaube dass es nicht im Interesse einiger Leute ist Afrika zu zeigen' wie es lebt'...man kann mehr Geld sammeln wenn man Krankheiten,Elend usw.,Wuerde man zeigen dass es in Afrika auch 'normales' Leben gibt wie in Europa oder anderswo in der westlichen Welt dann wuerden die Quellen schnell vertrockenen aus denen bis jetzt noch immer Mittel fliessen.
    Mein Schwager arbeitet in Nigeria fuer eine Firma die ihr Hauptbuero in Suedafrika hat,aber das Stammhaus in der Schweiz und immer wenn meine Schwester von dem Chairman(einem Nigerianer) dieser Firma erzaehlt,dann hoere ich Stories von enormen Reichtum,Villen aus italienischem Mamor, wo der franz.Champagner wie Wasser fliesst...und die Frauen sich in Gucci und Prada huellen...Von diesen Leuten liesst man in der westlichen Presse nie...Sicherlich gibt es in allen Laendern Afrikas viele Sachen,die noetig sind ,korrupte Beamte und Regierungen aber es gibt auch die andere Seite...nur damit kann man keine Spenden sammeln.

  6. 8. hm

    Ich kann schon verstehen wenn man sich in Afrika einen
    besseren "Ruf" wünscht. Tun wir "Deutsche" oder was auch immer
    ja auch, aber ganz so fortschrittlich
    (und ich meine nicht technisch)ist Afrika wirklich nicht. Und die bilder mit den Fliegen + die Kinder kommen ja auch nicht von irgendwo her. Davon abgesehen finde ich es absurd das
    Europa zum vorzeige Kontinet zu machen....an den sich jeder
    anklinken will...

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