Energie Sauber, aber explosiv
Die Nuklearlobby wittert Morgenluft, die Atomwirtschaft grandiose Gewinne. Sind ihre Meiler die Antwort auf die Energiekrise?
Es gab einen gewaltigen Knall. Die Explosion sprengte mehrere Meter Leitung weg; sie gehörte zum Sprühsystem des Reaktorkerns. Splitter flogen durch die Sicherheitszone des Meilers. Instrumente und Rechner signalisierten steigenden Druck, das Ultraschall-Überwachungssystem schlug an. Der Knall ereignete sich am 14. Dezember 2001 im Kernkraftwerk Brunsbüttel. Die Schichtmannschaft diagnostizierte eine »Leckage in einem unbedeutenden Sicherheitsbereich«, schaltete den vermuteten Bereich per Fernbedienung ab – und ließ das Atomkraftwerk unter Volllast weiterlaufen.
Die Verlockung dazu war groß. Atomstrom beschert den Meiler-Betreibern mehr Gewinn als jedes andere E-Werk.
Vor allem einige Landespolitiker lässt diese Verlockung nicht ruhen. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber zum Beispiel. Aus dem verschneiten Wildbad Kreuth forderte er kürzlich, die »sicheren« deutschen Kernkraftwerke länger als geplant laufen zu lassen. Atomstrom, so Stoiber, mache die hiesige Energieversorgung unabhängiger vom Import russischen Erdgases. Das Argument ist zwar fragwürdig, weil mit Gas weniger Strom als vielmehr Wärme erzeugt wird. Dennoch: Stoiber eröffnete zum wiederholten Mal die heikle Diskussion vom Ausstieg aus dem Atomausstieg – vier Monate vor dem 20. Jahrestag der Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl.
Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ zwar um des Koalitionsfriedens willen umgehend verkünden, das Bündnis von Union und SPD stehe zum Koalitionsvertrag. Und dort sei der von der Vorgängerregierung vereinbarte Atomausstieg festgeschrieben. Einige Parteifreunde brachte die Botschaft allerdings nicht zur Räson. Es sei »volkswirtschaftlicher Unsinn«, die »sicheren Kernkraftwerke« abzuschalten, die »billigen Strom« produzieren, wetterte Hessens Ministerpräsident Roland Koch – und plädierte sogar für eine Neubau-Option. Ist also Geiz auch geil, wenn es um so sensible Bauwerke wie nukleare Stromfabriken geht?
»Unfallsicher« sei kein einziges Kernkraftwerk, warnt Helmut Hirsch. So habe »nur doppeltes Glück« im Jahre 2001 einen Strahlungsunfall in Brunsbüttel verhindert, sagt der Österreicher, der seinen Sachverstand für Kerntechnik seit 28 Jahren als unabhängiger Berater anbietet. Wie durch ein Wunder beschädigten die umherfliegenden Trümmer keinen der sensiblen Messfühler. Und das explosive Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch entlud sich in gerade noch ausreichender Entfernung vom Reaktorkern. Nur »drei bis vier Meter weiter« wäre es zu einem Störfall mit »Kühlmittelverlust« gekommen, bestätigt ein Bericht der obersten Aufsichtsbehörde für deutsche Kernkraftwerke, des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Das »Vorkommnis mit Abriß einer Kühlleitung im Atomkraftwerk Brunsbüttel« hätte sich sogar zum größtmöglichen Unfall auswachsen können: zur Kernschmelze mit radioaktiver Verstrahlung.
Mit der Entscheidung für oder gegenKernkraft sei es wie mit einer Schwangerschaft, sagt Torsten Volkert, der Sprecher des hessischen Umweltministeriums. »Ein bisschen davon geht nicht.« Die Behörde beaufsichtigt die vom Essener Energiekonzern RWE betriebenen Reaktorblöcke in Biblis. Biblis A ist der ältere, geplant Mitte der sechziger Jahre, 1975 ans Netz gegangen und nach Stade und Obrigheim das nächste Kernkraftwerk, das dem Atomausstiegsfahrplan zufolge 2007 dichtmachen soll. Dreiundvierzig Vollzeitbeschäftigte der Abteilung Reaktorsicherheit des hessischen Umweltministeriums und noch mehr externe Gutachter kontrollieren akribisch den Betrieb der Anlage – nicht immer zum Gefallen des Betreibers.
»Sicherheitstechnische Optimierungen« am Reaktor Biblis A haben RWE seit 1999 rund 540 Millionen Euro gekostet. In ein paar Monaten, sagt ein Konzernsprecher, werde die Chefetage entscheiden, ob sie das Kernkraftwerk länger am Netz halten will. »Sollte RWE einen solchen Antrag stellen, muss die Anlage neu bewertet werden«, erläutert Volkert das mögliche Procedere, und zwar inklusive Risikoabschätzung, Leittechnik, Reaktortechnik, Mechanik und Elektronik. Endgültig entscheiden werden Kanzlerin Merkel, Wirtschaftsminister Michael Glos und Umweltminister Sigmar Gabriel. Letzterer versichert, er kenne »bis heute kein Argument«, das für das Abnicken eines solchen Antrags spreche.
Bedenken existieren auch unter Fachleuten. Jeder Reaktor sei »im Prinzip immer ein katastrophenträchtiges Gebilde«, sagt der einstige Kernenergiebefürworter Klaus Traube, der schon vor Jahren die Seite wechselte und nun für den Umweltverband BUND arbeitet. Nachrüstungen garantierten längst nicht den neuesten Stand der Technik, im Zweifel steige durch das Verbinden alter und neuer Teile sogar die Unfallgefahr. Und: Trotz aller Sicherheitsmechanismen »geschehen Unfälle immer dort, wo sie nicht erwartet werden«.
Tatsächlich werden in jedem der 17 hiesigen Kernkraftwerke, die zusammen rund 12,6 Prozent des deutschen Energieverbrauchs decken, fast jeden zweiten Tag unerwartete Betriebsstörungen registriert: »meldepflichtige Vorfälle« – bestes Bürokratendeutsch für Störungen, die schlimme Ausmaße annehmen können. Bereits in den achtziger Jahren sprang im Kernkraftwerk Brunsbüttel beim Anfahren des Reaktors das Schnellabschaltesystem wiederholt an. »Das Team fand keine Ursache und legte mit Schraubenziehern das Sicherheitssystem einfach lahm«, erinnert sich Traube.
Als im längst stillgelegten Uralt-AKW Lingen beim ersten Anfahren die Steuerstäbe klemmten, experimentierte die Mannschaft am mit Brennelementen beladenen Reaktorkern. »Erst später haben wir uns für die Gefahr sensibilisiert«, so Traube. Viele Beinaheunfälle seien zudem niemals zuvor in Prognosen aufgetaucht. Ein klemmendes Ventil und menschliches Versagen ließen 1987 etwa 107 Liter radioaktives Kühlwasser im Reaktor Biblis A auslaufen – ein Unfall, der zur Kernschmelze führen kann und der sich in dem betagten Kraftwerk wiederholen könnte.
Im Jahr 1998 schaltete die Schichtmannschaft des niedersächsischen Kernkraftwerks Unterweser vorschriftswidrig ein Sicherheitssystem ab. Als nach der Schnellabschaltung des Reaktors der Dampfdruck stieg, stellte sich heraus, dass die Ventile versiegelt waren und nicht funktionierten. »Schlamperei« wachse mit den Betriebsjahren zu einer großen Gefahr, warnt Traube. Bei einem Team, das nukleare Anlagen 20 Jahre lang als »gutmütig« erfahre, lasse die Anspannung nach.
- Datum 12.01.2006 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 12.01.2006 Nr.3
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Atomkraft die teuerste und gefährlichste Energiequelle. Heute sind wir schon in der Lage mit Brennstoffzellen auf der Basis von Wasserstoff die sauberste Energiequelle zu nutzen. Leiderwird gerade dieses von der Atomlobby, Glos, Koch, Wulf und vielen anderen nachhaltig boykotiert, weil gerade diese Politiker enorm an der Atomkraft verdienen.
Man möge mir meine Langatmigkeit verzeihen...
Situation: Deutsche Spezialisten mit Familie, Großprojekt.
Thema: Tschernobyl- und was nun!
In Mogilev (Weißrußland) haben wir uns die dämlichen
Vorträge der deutschen "Atomkomiker" aus Karlsruhe
anhören müssen, die über Becquerel referierten.
(Keinerlei Tabellen, keine exakten Aussagen über
Grenzwerte! Sie hatten keine schriftliche Unterlagen!
Ihre Aussagen waren schwammig, kein Meßgerät dabei!)
Sachverhalt: Unsichere Karlsruher Spezialisten,
unvorbereitet
Was man uns nicht geben konnte, oder man hatte einfach
nichts!
------------------------------------------------------
Urheber des Textes: (Umweltinstitut München e.V.)
Zitat: "Gesetzlicher Grenzwert" In der EG-Verordnung
Nr. 737/90 (verlängert durch Verordnung (EG) Nr. 686/95)
festgelegte Grenzwerte für Gesamtcäsium, oberhalb deren
landwirtschaftliche Erzeugnisse (def. n. Verordnung (EG)
Nr. 3034/94) nicht aus Drittländern in die EU eingeführt
werden dürfen (370 Bq/kg für verzehrsfertige
Kleinkindernahrung, Milch und Milchprodukte;
600 Bq/kg für alle übrigen Lebensmittel). Zitat Ende.
Hinweis: Langlebigkeit von Cäsium-137
(Halbwertszeit 30 Jahre)
--------------------------------------------------------
Beleidigt sind sie abgezogen und haben meiner Forderung,
entweder redundante Meßgeräte ( Kontrollmessungen )
bereitzustellen, oder die sofortige Abreise sei fällig,
nur deshalb nachgegeben. Meine damalige Forderung:
"Ich will messen, nicht glauben! Frau und Kind wollen
leben und essen und keinen Vortrag über Becquerel hören!"
Kollegen haben mich beschimpft und wurden nach den ersten
Messungen sehr still und brachten brav ihre Lebensmittel
und legten jede Krume unter das "Bügeleisen!"
(Spitzname für ein Meßgerät)
(Man hatte uns umgehend gammaspektroskopische Meßgeräte
geschickt.)
Selbst in russischen Teebeutelpackungen maßen wir
>10.000 Becarel und waren völlig perplex weil diese
Messung nur durch einen dummen Zufall, aus reinem Spaß
heraus, enstanden war.
-------------------------------------------------------
Zitat:
- Auszug Elektrosmog-Report Stx27.1988.6.1 (1 Seite)
Ankara: Endlager für Tee gesucht. Rund 45.000 Tonnen
radioaktiv verseuchten Tees bereiteten den türkischen
Behörden Kopfzerbrechen. Etwa ein Drittel der Ernte
von 1986 war abgeschrieben worden, nachdem die türkische
Regierung in Ankara zunächst versucht hatte, die Gefahr
nach Tschernobyl herunterzuspielen.
- Auszug Elektrosmog-Report Stx1.1987.6.1 (1 Seite)
"Tee in der Türkei hoch belastet. Von Meldungen in der
Presse beunruhigt, brachten türkische Familien Tee in
die Unabhängige Strahlenmeßstelle Berlin, den sie als
Vorrat für das ganze Jahr aus ihrer Heimat mitgebracht
hatten.
Diese Proben wiesen zu 60 Prozent eine extrem hohe
radioaktive Verseuchung mit Cäsium-Werten bis 40.000
Becquerel pro Kilogramm auf." Zitat Ende.
------------------------------------------------------
Dieser Tee wurde nach Rußland verkauft, trug keinen
Hinweis auf das Ursprungsland. Kyrillisch geschriebene
Lebensittelbeschreibung. Ende.
Russische Menschen sind an das Sammeln von Beeren und
Pilzen gewöhnt. Die Messungen zeigten verheerende Werte.
Tee gehört zum Alltag.
Und auch die überraschenden Meßergebnisse! Es ließ sich
überhaupt keine Regel finden, weder beim Produkt, noch
bei der Menge. Mal < 600Bq, dann wieder >10000Bq.
Es war bedrückend, wenn man einfach alles Gekaufte,
jahrelang (!) prüfen mußte, ob auf dem lokalen Markt
oder im lokalen Supermarkt erworben. Die Beuteltee-
Messung führte zu absoluter Verunsicherung.
Sachverhalt: Wir waren überraschte Konsumenten
Erst 1988 (!) wurde unsere Tee-Messung bestätigt.
Diese Angaben basieren auf persönlichen Erfahrungen.
Von September 1986- Juli 1988 haben wir diese Messungen,
mit deutschen, (geeichten) Meßinstrumenten durchgeführt.
Sachverhalt: Deutschland und die AKW's
Nun haben wir in Deutschland ein recht gutes
Umweltbewußtsein entstehen sehen. Dank allen, die da
etwas bewegt haben.
Wenn wir nun wieder in den Winterschlaf fallen wollen
werden wir endgültig verlieren. Schliemänner der
Folgegenerationen werden sich noch bedanken wenn sie
nicht nach strahlenden "Schätzen" suchen müssen.
Wer z.B. für ein Atomkraftwerk wirbt ist ein
Geschäftemacher der kein Gewissen hat - und nicht
bedenkt, daß die ach so fragwürdig sichere Technik
von dem ach so unsicheren Faktor Mensch erst einmal
im "Handbetrieb" angefahren werden muß.
Sichere Steuerungen werden später als nicht (!)
funktionsfähig eingestuft. Immer wieder unterliegen
die Inbetriebnehmer dem Druck des Fertigstellungstermins.
Abertausende Detailanlagen müssen von Hand getestet werden.
Das Zusammenwirken aller Teilanlagen - in einem
sicherheitsprägnanten Störfall - kann nicht zuverlässig
- in einer Simulation - durchgeführt werden.
Auch derselbe Störfall kann nicht reproduzierbar
simuliert werden. In der Praxis sind die Systeme unterschiedlich belastet, aber am meisten sind die
in "Stand-by" befindlichen Anlagen problematisch.
Hier kommt es zu teilweise unkontrollierbaren
Langzeitwirkungen. Und das betrifft damit besonders
die sicherheitstechnischen Anlagen.
Jeder Fachmann weiß, daß die Notsysteme oft jahrelang
nicht unter echten (!) Betriebsbedingungen geprüft
werden können, und auch nicht geprüft worden sind.
Bei jedem tatsächlichen Störfall schauen die Techniker
- mit weißer Nase - (!) auf die einlaufenden Systemmeldungen.
Betriebswirtschaftliches Denken ...
Der Faktor "Verfügbarkeit" ist zu dominant.
Gezielte Abschaltungen sind das Grauen der Kaufleute.
Die Controller siegen leichter.
Wichtiger Aspekt: AKW's sind die Lieferanten der
Grundlasten. Also greift auch der erfahrene Techniker
äußerst ungern in ein permanent laufendes System ein
und läßt den Controller siegen.
Hintergedanke: Strom verkaufen, aber das lohnt sich
nur wenn man durch aggressives Anbieten von billigem
"Nachtstrom" die atomaren Grundlastbetriebe genügend
auslasten kann.
Daß dabei die Industrie asbestverseuchte Öfen lieferte
ist schon fast vergessen. ( Asbestisolation)
Von den masseweisen eingesetzen und bekannt PCB-verseuchten
Trafos - keine Rede. Die Entsorgung hat Milliarden gekostet.
Aus der Luftfahrt kennen wir die Verkettung von Umständen
nur zu genau. Dabei sind die Luftfahrttechniker schon sehr
akribisch. Bezeichnender Weise sind die Spezialisten der
"Vorbeugenden Instandhaltung" nur ungern gesehen und in
fast allen Teilbereichen der Industrie gibt es kaum
Checklistensysteme, ähnlich der Luftfahrt.
Und was ist mit dem "Erzeugten Strom" =Energie
Fachleute sind die Probleme der Verfügbarkeit und der
gesamte veraltete Netz-Schutz bestens bekannt.
Wir überleben nur deshalb weil wir in Deutschland ein
enormes Verbundnetz haben.
Die sterbenden Masten und die fadenscheinigen Argumente
der Stromlobby sind nur die Spitze eines Eisberges.
Digitale Schutzeinrichtungen sind erst seit den 90-zigern
auf dem Markt; die Grundlage den Netzschutz über
Fernwirkanlagen überhaupt - computerunterstützt -realisieren zu können.
Dieses Wissen basiert auf persönlichen Erfahrungen aus
ca. 25 Jahren der Montage- und Inbetriebnahmetätigkeit,
sowie der Planungsarbeit in Kraftwerken und Umspannanlagen.( 10-400 kV)
Was ist mit den Energiekosten = Stromwirtschaft allgemein?
Man gibt sich mehr Mühe mit der nachträglichen
Datenverarbeitung (Statistik) statt so unnütze
Atom-Monster durch absolut im Machbaren liegende Energiesparmaßnahmen zu verhindern.
50% unserer Stromerzeugung werden verplempert.
Voran: Überdimmensionierte und regeltechnisch schlecht
bis falsch geplante elektromotorische Antriebe.
Der geregelte Antrieb ist teurer und die Lieferzeit
ist ein großes Kriterium.
Also, primitive Technik - eine Nummer größer!
Damit steigen nicht nur die Kosten für den Stromverbrauch -
größere Verlustleistung - sondern auch die Folgekosten für
Kabel, Schaltanlagen und bereitzustellende Maschinenleistung.
Über die Energieverschwendung will man nicht wirklich
nachdenken. In unzähligen Betrieben wird nicht einmal richtig kompensiert. Das ist die Praxis.
Dem verantworlichen Management fehlen die technischen
Kenntnisse und die überhangnehmenden Einflüsse der BWL
erzeugen nur noch Argumente im Datenformat. Techniker
und Kaufleute haben keine "gemeinsame Sprache" mehr.
Dank Computer, Intranet und Internet berauschen sich die
meisten nur noch mit Datenverarbeitung und leben nach dem
Motto: Wer schreibt, der bleibt!
Und was ist mit den Energiekosten = AKW-Stromerzeugung
Sämtliche Daten über die Kosten und Folgekosten der
Atomtechnik sind der Öffentlichkeit vorenthalten worden,
dafür trägt die Allgemeinheit auch das finanzielle
GAU-Risiko. ( Alle AKW's sind nicht versicherbar!)
Die Berechnungen der wahren Kosten des in AKW's
erzeugten Stromes und die Folgekosten sind nicht möglich.
Das Geflecht von Subventionen und betriebswirtschaftlichen
Winkelzügen erlauben nur grobe Schätzungen und führen zu
Preisangaben die im Bereich der politischen Spekulationen
bleiben müssen. Die Öffentlichkeit wird die wahren Kosten
nie erfahren.
Permanente Folgekosten, Nachrüstung wegen fehlerhafter
Planungen, Einsatz verbesserter Steuer-Regel- und
Überwachungseinrichtungen, Umstellungen von analoger
auf digitale Technik, machen jedes AKW zu einer
Dauerbaustelle.
Natürlich lieben die Hersteller von AKW's lieber den
Verkauf, da sind die Zahlen beeindruckender. Aber das
Folgegeschäft, mit den Nachrüstungen, besonders der
Hilfsbetriebe, sind ein einträgliches Geschäft.
Je älter das Kraftwerk umso mehr wird gebastelt.
Deshalb sind die Laufzeitverlängerungen bares Geld.
Im Grunde wollen die Verfechter der Atomtechnik nur
ihre Experimente hier in Deutschland durchführen;
das Ziel bleibt der Export.
Vielleicht haben wir die Chance, daß man mit Breitbandtechnik die Daten auch aus den fernen Kraftwerken
übermitteln kann. Dann hätte sich das deutsche Problem
erledigt.
Fazit:
Entweder macht man sich konsequent sichere Techniken
verfügbar oder man erschließt Neuland für Friedhöfe.
Atomwirtschaft darf nicht bedeuten, daß Firmen den Profit
nehmen und die Allgemeinheit ein nicht zu berechnendes
Risiko und die finanziellen Folgen übernehmen muß.
Solange nicht das Verursacherprinzip auch de jure gilt
hat die Atomwirtschaft keine logischen und wissenschaftlich
haltbaren Argumente.
Es bleibt die Frage nach der Vernunft und der Verantwortung!
Die deutsche Industrie verfügt über sämtliche bekannten
und auch wissenschaftlich anerkannten Energieeinsparungs-
techniken.
Warum werden sie nicht konsequent eingesetzt?
Wenn aber unsere alten Fachleute durch die neuen - von
oben einsteigenden - Theoretiker gänzlich ersetzt worden
sind werden wir diese letzte große Chance vertun.
Meine persönlichen Erfahrungen verstärken sich dahin,
daß die universitäre Ausbildung in den Naturwissenschaften
in einem unverhältnismäßigen Maßstab zu anderen Bereichen dahinsiecht. Teure Laboreinrichtungen soll die Industrie gefälligst finanzieren.
Jura, BWL, VWL, Soziologie, u.s.w. würde man am liebsten
per Web-basierenden Plattformen erledigen. [www.net.ethz.ch]
Bei den Naturwissenschaften ein Ding der Unmöglichkeit;
entstehen dann doch nur Theoretiker mit zwei linken Händen?
Fazit:
Auf Öl, Gas und Uran kann man graduell verzichten.
Aber auf unser technisch richtig angewandtes Wissen
sollten wir uns schnell besinnen.
Als regelmäßiger Leser 'Der Zeit' muss ich ehrlich sagen dass, ich selten von einem Artikel so enttäuscht war wie von diesem. Anstatt sinnvoll und mit gewichteter Meinung über die Probleme der deutschen Energiepolitik informiert zu werden wird dem Leser wieder einmal die Gefährlichkeit der Atomkraft unter die Nase gerieben.
Das die Nutzung der Atomkraft trotz aller Vorsicht und Sicherheitsmaßnahmen IMMER mit einem Risiko behaftet ist und das fast ein jeder von uns die Meiler am liebesten abgeschaltet sehen möchte halte ich für unumstritten. Diese Frage steht jedoch in der Diskussion über die Energiepolitik überhaupt nicht zur Debatte.
Es geht viel mehr um eine andere Frage: Können wir es uns angesichts der momentanen Versorgungslage, die langfristig sich noch problematischer gestalten wird, überhaupt leisten auf einen Energieträger wie die Atomkraft zu verzichten?
Diese Frage ist durchaus nicht einfach zu beantworten, da sich Atomkraftgegner und -befürworter speziell in Deutschland nahezu dogmatisch bekämpfen. Beide Seiten bewerfen sich hier mit Zahlen und Statistiken die von der anderen wiederum in Frage gestellt werden.
Unabhängig dieser Lagerkämpfe gibt es jedoch einige Trends die sich klar darstellen lassen.
1. Die fossilen Brennstoffe werden in den nächsten Jahrzehnten zur Neige gehen, allen voran das Erdöl dessen Massenförderung gemäß der IEA nur noch bis 2030 sicherzustellen sein wird.
2. Zugleich sind wir bei der Versorgung auf teilweise autokratische bzw. diktatorische (siehe Gas aus Russland) oder auch politisch instabile (siehe Öl aus Nahost) Staaten angewiesen.
3. Schlussendlich ist es nach dem Stand der heutigen Technik absolut illusorisch zu glauben, dass erneuerbare Energien die Energieerzeugung durch Öl, Gas und Kohle mittelfristig ersetzen können.
Das wird allein schon beim Öl deutlich: Derzeit wird über ein Drittel des Energieverbrauchs bei uns durch Öl gedeckt. Momentan beträgt der Anteil erneuerbarer Energien jedoch nur 3%. Dieser Anteil wird sich gemäß der meisten Prognosen bis 2030 nur auf 12-15% ausbauen lassen.
Auch ich glaube das langfristig erneuerbaren Energien, wie Solar und Wind, die Zukunft gehört. Da sie aber nicht so schnell auszubauen sind wie uns traditionelle Energieträger verloren gehen stehen wir bereits jetzt vor verschiedenen Dilemmata: Können wir Öl zunächst durch Gas (Abhängigkeit von Moskau) und Kohle (CO2-Emmissionen) ersetzen? Können wir genug Energie einsparen um diese massiven Ausfälle zu kompensieren? Können wir es uns angesichts dieser Aussichten überhaut leisten auf Atomenergie zu verzichten? Leider ist in diesem Artikel der 'Zeit' zu den angerissenen Problempunkten nichts zu finden!
Andere Länder rund um den Globus scheinen hierauf jedoch eine vollkommen andere Antwort zu finden als wir Deutschen, was durch die rege Bautätigkeit neuer Reaktoren deutlich wird.
Abschließend möchte ich noch auf eines klarstellen:
Der Hinweis, dass der globale Anteil der atomar erzeugten Energie um ca. 1% abnimmt, bedeutet angesichts der ebenfalls prognostizierten Verdoppelung der weltweiten Stromerzeugung nämlich auch etwas anderes: auch die weltweiten Kapazitäten der Atomkraft werden sich nahezu verdoppeln. Auch das sollte uns zu denken geben!
der Artikel wurde abgeschnitten. Das System scheint die
'größer' 'kleiner' Zeichen nicht zu verkraften.
Hier geht's weiter.
Mal kleiner 600Bq, dann wieder größer 10000Bq.
Es war bedrückend, wenn man einfach alles Gekaufte,
jahrelang (!) prüfen mußte, ob auf dem lokalen Markt
oder im lokalen Supermarkt erworben. Die Beuteltee-
Messung führte zu absoluter Verunsicherung.
Sachverhalt: Wir waren überraschte Konsumenten
Erst 1988 (!) wurde unsere Tee-Messung bestätigt.
Diese Angaben basieren auf persönlichen Erfahrungen.
Von September 1986- Juli 1988 haben wir diese Messungen,
mit deutschen, (geeichten) Meßinstrumenten durchgeführt.
Sachverhalt: Deutschland und die AKW's
Nun haben wir in Deutschland ein recht gutes
Umweltbewußtsein entstehen sehen. Dank allen, die da
etwas bewegt haben.
Wenn wir nun wieder in den Winterschlaf fallen wollen
werden wir endgültig verlieren. Schliemänner der
Folgegenerationen werden sich noch bedanken wenn sie
nicht nach strahlenden "Schätzen" suchen müssen.
Wer z.B. für ein Atomkraftwerk wirbt ein Geschäftemacher
der kein Gewissen hat - und nicht bedenkt, daß die ach
so fragwürdig sichere Technik von dem ach so unsicheren
Faktor Mensch erst einmal im "Handbetrieb" angefahren
werden muß.
Sichere Steuerungen werden später als nicht(!)funktionsfähig
eingestuft. Immer wieder unterliegen die Inbetriebnehmer dem
Druck des Fertigstellungstermins. Abertausende Detailanlagen
müssen von Hand getestet werden. Das Zusammenwirken aller
Teilanlagen - in einem sicherheitsprägnanten Störfall - kann nicht zuverlässig - in einer Simulation - durchgeführt
werden.
Auch derselbe Störfall kann nicht reproduzierbar simuliert
werden. In der Praxis sind die Systeme unterschiedlich
belastet, aber am meisten sind die in "Stand-by"
befindlichen Anlagen problematisch. Hier kommt es zu
teilweise unkontrollierbaren Langzeitwirkungen.
Und das betrifft damit besonders die sicherheitstechnischen
Anlagen.
Jeder Fachmann weiß, daß die Notsysteme oft jahrelang nicht
unter echten (!) Betriebsbedingungen geprüft werden können,
und auch nicht geprüft worden sind. Bei jedem tatsächlichen
Störfall schauen die Wartentechniker - mit weißer Nase -(!)
auf die einlaufenden Systemmeldungen.
Betriebswirtschaftliches Denken ...
Der Faktor "Verfügbarkeit" ist zu dominant.
Gezielte Abschaltungen sind das Grauen der Kaufleute.
Die Controller siegen leichter.
Wichtiger Aspekt: AKW's sind die Lieferanten der Grundlasten.
Also greift auch der erfahrene Techniker äußerst ungern
in ein permanent laufendes System ein und läßt den
Controller siegen.
Hintergedanke: Strom verkaufen, aber das lohnt sich nur
wenn man durch aggressives Anbieten von billigem "Nachtstrom"
die atomaren Grundlastbetriebe genügend auslasten kann.
Daß dabei die Industrie asbestverseuchte Öfen lieferte
ist schon fast vergessen. ( Asbestisolation)
Von den masseweisen eingesetzen und bekannt PCB-verseuchten
Trafos - keine Rede. Die Entsorgung hat Milliarden gekostet.
Aus der Luftfahrt kennen wir die Verkettung von Umständen
nur zu genau. Dabei sind die Luftfahrttechniker schon sehr
akribisch.
Bezeichnender Weise sind die Spezialisten der "Vorbeugenden
Instandhaltung" nur ungern gesehen und in fast allen
Teilbereichen der Industrie gibt es kaum Checklistensysteme,
ähnlich der Luftfahrt.
Und was ist mit dem "Erzeugten Strom" =Energie
Fachleute sind die Probleme der Verfügbarkeit und der
gesamte veraltete Netz-Schutz bestens bekannt.
Wir überleben nur deshalb weil wir in Deutschland ein
enormes Verbundnetz haben.
Die sterbenden Masten und die fadenscheinigen Argumente
der Stromlobby sind nur die Spitze eines Eisberges.
Digitale Schutzeinrichtungen sind erst seit den 90-zigern
auf dem Markt; die Grundlage den Netzschutz über
Fernwirkanlagen überhaupt - computerunterstützt -
realisieren zu können.
Dieses Wissen basiert auf persönlichen Erfahrungen aus
ca. 25 Jahren der Montage- und Inbetriebnahmetätigkeit,
sowie der Planungsarbeit in Kraftwerken und Umspannanlagen.
(10-400 kV)
Was ist mit den Energiekosten = Stromwirtschaft allgemein?
Man gibt sich mehr Mühe mit der nachträglichen
Datenverarbeitung(Statistik) statt so unnütze Atom-Monster
durch absolut im Machbaren liegende Energiesparmaßnahmen
zu verhindern.
50% unserer Stromerzeugung werden verplempert. Voran: Überdimmensionierte und regeltechnisch schlecht bis falsch
geplante elektromotorische Antriebe. Der geregelte Antrieb
ist teurer und die Lieferzeit ist ein großes Kriterium.
Also, primitive Technik - eine Nummer größer! Damit steigen
nicht nur die Kosten für den Stromverbrauch - größere
Verlustleistung - sondern auch die Folgekosten für Kabel,
Schaltanlagen und bereitzustellende Maschinenleistung.
Über die Energieverschwendung will man nicht wirklich
nachdenken. In unzähligen Betrieben wird nicht einmal
richtig kompensiert. Das ist die Praxis.
Dem verantworlichen Management fehlen die technischen
Kenntnisse und die überhangnehmenden Einflüsse der BWL
erzeugen nur noch Argumente im Datenformat. Techniker
und Kaufleute haben keine "gemeinsame Sprache" mehr.
Dank Computer, Intranet und Internet berauschen sich die meisten nur noch mit Datenverarbeitung und leben nach dem
Motto: Wer schreibt, der bleibt!
Und was ist mit den Energiekosten = AKW-Stromerzeugung
Sämtliche Daten über die Kosten und Folgekosten der
Atomtechnik sind der Öffentlichkeit vorenthalten worden,
dafür trägt die Allgemeinheit auch das finanzielle GAU-Risiko. ( Alle AKW's sind nicht versicherbar!)
Die Berechnungen der wahren Kosten des in AKW's erzeugten
Stromes und die Folgekosten sind nicht möglich.
Das Geflecht von Subventionen und betriebswirtschaftlichen
Winkelzügen erlauben nur grobe Schätzungen und führen zu
Preisangaben die im Bereich der politischen Spekulationen
bleiben müssen. Die Öffentlichkeit wird die wahren Kosten
nie erfahren.
Permanente Folgekosten, Nachrüstung wegen fehlerhafter
Planungen, Einsatz verbesserter Steuer-Regel- und
Überwachungseinrichtungen, Umstellungen von analoger
auf digitale Technik, machen jedes AKW zu einer Dauerbaustelle.
Natürlich lieben die Hersteller von AKW's lieber den
Verkauf, da sind die Zahlen beeindruckender. Aber das
Folgegeschäft, mit den Nachrüstungen, besonders der
Hilfsbetriebe, sind ein einträgliches Geschäft.
Je älter das Kraftwerk umso mehr wird gebastelt.
Deshalb sind die Laufzeitverlängerungen bares Geld.
Im Grunde wollen die Verfechter der Atomtechnik nur ihre
Experimente in Deutschland durchführen; das Ziel bleibt
der Export. Vielleicht haben wir die Chance, daß man mit
Breitbandtechnik die Daten auch aus den fernen Kraftwerken
übermitteln kann. Dann hätte sich das deutsche Problem
erledigt.
Fazit:
Entweder macht man sich konsequent sichere Techniken
verfügbar oder man erschließt Neuland für Friedhöfe.
Atomwirtschaft darf nicht bedeuten, daß Firmen den Profit
nehmen und die Allgemeinheit ein nicht zu berechnendes
Risiko und die finanziellen Folgen übernehmen muß.
Solange nicht das Verursacherprinzip auch de jure gilt
hat die Atomwirtschaft keine logischen und wissenschaftlich
haltbaren Argumente.
Es bleibt die Frage nach der Vernunft und der Verantwortung!
Die deutsche Industrie verfügt über sämtliche bekannten
und auch wissenschaftlich anerkannten Energieeinsparungs-techniken. Warum werden sie nicht konsequent eingesetzt?
Wenn aber unsere alten Fachleute durch die neuen - von
oben einsteigenden - Theoretiker gänzlich ersetzt worden
sind werden wir diese letzte große Chance vertun.
Meine persönlichen Erfahrungen verstärken sich dahin,
daß die universitäre Ausbildung in den Naturwissenschaften
in einem unverhältnismäßigen Maßstab zu anderen Bereichen
dahinsiecht.
Teure Laboreinrichtungen soll die Industrie gefälligst
finanzieren.
Jura, BWL, VWL, Soziologie, u.s.w. würde man am liebsten
per Web-basierenden Plattformen erledigen. [www.net.ethz.ch]
Bei den Naturwissenschaften ein Ding der Unmöglichkeit;
entstehen dann doch nur Theoretiker mit zwei linken Händen.
Fazit:
Auf Öl, Gas und Uran kann man graduell verzichten.
Aber auf unser technisch richtig angewandtes Wissen sollten
wir uns schnell besinnen.
Bei ihrem Versuch, die zukünftige Rolle der Atomkraft in Deutschland zu beleuchten, begeben Cerstin Gammelin und Fritz Vorholz sich auf das Gebiet der Sicherheitsbewertung von Kernkraftwerken. Um es dem Leser zu ermöglichen, dort zu gut fundierten Schlussfolgerungen zu gelangen, ist Genauigkeit von Nöten. Zeitungsartikel, in denen jede Betriebsstörung zum potentiellen Kernschmalzstörfall hochstilisiert werden, gibt es genug, das sollte sich ausgerechnet die ZEIT nicht auch noch antun.
Im einzelnen: Bei der Knallgasexplosion in Brunsbüttelbestand die Gefahr einer Kernschmelze nicht. Hätte sich die Störung ausgeweitet, wäre es zunächst zu einem Kühlmittelverluststörfall gekommen, der durch die Notsysteme der Anlage abgefangen wird. Soweit ist es jedoch gar nicht gekommen. Ich hätte viel dafür übrig gehabt, wenn man in Brunsbüttel erst mal nachgesehen hätte, was passiert war, bevor der Betrieb fortgesetzt wird. Dennoch, es war nicht ein "Sprühsystem des Reaktorkerns" ausgefallen, wie die Autoren schreiben, sondern nur die Leitung zum Beschleunigen der Abkühlung des Reaktordeckels vor einer Brennstoffumladung - ein System ohne jede sicherheitstechnische Bedeutung. Ich kann der Betriebsmannschaft nichts vorwerfen, wenn sie entschied, den Reaktor weiter zu betreiben, nachdem klar war, dass das Leck gestoppt wurde und alle sicherheitsrelevanten Systeme weiter einwandfrei funktionierten. Hätten Splitter wichtige Sensoren getroffen, dann wären Messwerte ausgefallen, auch das war nicht der Fall. All das hätten die Autoren ganz leicht herausbekommen und auch so darstellen können, wenn sie gewollt hätten. Wenn es ihre eigene Überzeugung besser bedient, hätten sie dann gern immer noch behaupten dürfen, dass dies letzten Endes im Extremfall zur Kernschmelze hätte führen können, nur geglaubt hätten es weit weniger Leute. Das ist ganz wichtig in einer Demokratie, denn durch das Aufbauschen des Störfalls wurde - gewollt oder ungewollt - die öffentliche Meinung manipuliert.
Ähnliches gilt für den Störfall in Biblis A im Jahre 1987, wo 107 Liter radioaktives Kühlmittel aus dem Primärkreis austrat. Im Reaktorkreislauf sind über 300000 Liter Kühlwasser - man muss zugeben, dass bei diesen Mengenverhältnissen der Reaktorkern nicht ernsthaft gefährdet war. In der Realität gab es ein kleineres Problem mit der Freisetzung radioaktiven Wassers aus dem Containmentbereich, das keine Konsequenzen für die Umgebung des Werks hatte und problemlos beseitigt wurde. Hätte das Leck fortbestanden, so wäre die erste Stufe des Notkühlsystems mehr als ausreichend gewesen, um den Reaktorkern dauerhaft zu kühlen. Dies ist jedoch nicht eingetreten. Es ist ein Bestandteil einer guten Sicherheitskultur, dass solche Vorkommnisse gründlich und öffentlich ausgewertet werden, aber ein Argument gegen die Kernenergienutzung daraus zu dengeln, ist unverhältnismäßig.
Außerdem ist es erforderlich, die Sicherheit deutscher Kernkraftwerke am aktuellen Stand zu messen, und nicht aus Mangel an ausreichend beängstigenden Szenarien auf Uralt-Anlagen zurückzugreifen, die schon abgerissen sind. Es ist bedauerlich, wenn Herrn Traube in diesem Zusammenhang dokumentiert, dass er augenscheinlich mehrere Jahrzehnte der Entwicklung verschlafen hat. Auch der Verweis auf Tschernobyl ist problematisch, wenn es darum geht, über den Neubau von Kernkraftwerken zu diskutieren. Dieser Reaktor hatte bereits zum Zeitpunkt seiner Errichtung gravierende Mängel gegenüber dem damals international akzeptierten Stand der Technik. Niemand will einen Ausbau der Kernenergie durch Errichtung solcher RBMK-Anlagen. Wenn es um zukünftige Projekte geht, muss man auf das Reißbrett der Entwickler blicken und nicht in die Ruine von Tschernobyl.
Nun zum Gas: Wenn man sich die Energieszenarien, die von der ehemaligen Rot-Grünen Regierung favorisiert wurden, genauer ansieht, so wird man feststellen, dass dort auch bei der Stromerzeugung auf einen deutlich verstärkten Einsatz von Erdgas zur Substitution von Kohle setzt, um die CO2-Emissionen in erforderlichem Maße senken zu können. Stoiber hat somit doch recht, wenn er behauptet, Kernkraft könne unabhängiger machen von Erdgasimporten. Zur Zeit läuft jedoch ein Umsteuern von Kernkraft auf Kohle, und das ist schlimm. Wo bleiben denn die Regenerativen und die "Effizienz" als "unsere ergiebigste Energiequelle"? Sieben Jahre lang hat Rot-Grün unter diesem Slogan an der Energiewirtschaft herumgebastelt. Was ist herausgekommen? Nicht einmal die selbstgestellte Verpflichtung, bis 2005 den CO2-Ausstoß um 25 % gegenüber 1990 zu senken wurde erreicht (dieses Ziel wurde 2003 von Trittin stillschweigend aus dem Programm genommen), verfehlt um knappe 100 Millionen Tonnen CO2 jährlich. Wenn durch Erhöhung der Effizienz, wie Stephan Köhler behauptet, "rund ein Viertel der bisher verbrauchten Elektrizität" eingespart werden könnte, dann sollte man damit den Kohleverbrauch auf die Hälfte zurückfahren und die CO2-Ziele endlich mal erfüllen, oder wie es einer hochentwickelten Industrienation gut zu Gesicht stünde, auch übererfüllen. Ob's klappen würde, sei dahingestellt. Der suggestive Vergleich mit dem Anteil der Kernenergie jedoch, die durch die Einsparung beinahe ersetzt werden könnte, zeigt nur, welche Prioritäten Köhler und die Autoren setzen.
Abschließend der Mega-Gag: "Nur dort, wo der Markt noch nicht vollständig liberalisiert sei und wo der Staat ins Geschäft mit dem Strom hineinregiere, wachsen neue Meiler gen Himmel", zitieren Sie Manuel Frondel vom RWI. Was bitte sind der deutsche Atomausstieg, das Energieeinspeisegesetz und die Steinkohlensubventionen anderes, als ein Hineinregieren des Staats in das Geschäft mit dem Strom? Wenn in Deutschland heute keine Kernkraftwerke gebaut werden, dann doch nicht deswegen, weil wir einen so sagenhaft liberalen Energiemarkt haben....
Horst-Michael Prasser
...Erpressung mit der (vorgeblich) einzigen Alternative: Entweder Atomkraft oder das Klima muss durch verstaerkten Einsatz von Kohle ruiniert werden.
Im Artikel wurde immerhin auf effizientere Energienutzung hingewiesen. Meist geht aber in der Diskussion voellig unter, *ob* denn ueberhaupt unser Energie*bedarf* so gross ist bzw. sein wird, wie er seitens der Atomenergiebefuerworter dargestellt wird.
Solange sich SUVs wie bloede verkaufen, der Stand-by-Betrieb von Haushaltsgeraeten und Unterhaltungselektronik einen ganzen Kraftwerksblock a la Biblis erfordert und in der Industrie Energieverschwendung, wie im Artikel beschrieben, nicht ernsthaft angegangen werden, halte ich den Bau von zusaetzlichen Kraftwerken allgemein fuer zweifelhaft.
Und insbesondere Kernkraftwerke halte ich fuer die unintelligenteste aller derzeit diskutierten Varianten.
Aber vermutlich werden diejenigen, die heute beklagen, dass Deutschland "wieder mal" einen Sonderweg geht, morgen darueber jammern, dass Deutschland "wieder mal" eine Zukunftstechnologie verschlafen hat und andere mit der Technik zur Nutzung regenerativer Energiequellen richtig Geld verdienen.
Die Energie, die sich demnächst entladen könnte, weil jetzt versucht wird, mit allen Regeln der Kunst, eine neue Atomkraft-Diskussion zu entfachen, sollte nicht unterschätzt werden. Das Thema besitzt zwanzig Jahre nach Tschernobyl genügend Sprengkraft, um mittlerweile etwas altersschwach erscheinende Menschen noch einmal auf die Strasse zu bringen.
Wer also im WM Jahr 2006 mutwillig die Menschen, die gerade Freunde aus aller Welt empfangen wollen, in Raserei versetzen möchte und meint, sich dabei auf die neuesten Umfragetricks stützen zu können, die auf eine Zustimmung zur Atomkraft im Energie-Mix abzielen, der könnte sich total verrechnen.
Deutschland, dass im Umwelttechnikbereich eben immer noch Weltspitze ist, kann sich bei diesem Thema keine falsche Beflissenheit erlauben. Spitzenpolitiker, die nur Kompensation für ihre 2005 erlittenenen narzisstischen Kränkungen suchen, haben kein Recht darauf, das Volk neuerlich zu verdummen.
Die neue Sezession derer von Oettinger, Koch, Glos und Stoiber, die die Menschheit wieder unter das Joch der Atom-Energie treiben wollen, macht schon ganz schön betroffen.
Von gesamtstaatlicher Verantwortung kann da doch keine Rede mehr sein.
Es bleib zu hoffen, dass in Baden-Würtemberg die GRÜNEN ein Rekordergebnis einfahren, um gegebenenfalls in der ersten Schwarz-Gelben Koalition Deutschlands die Sezession im Keim zu ersticken.
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