Hundeblick und Muskelerotik: Wann immer er von Sowjets, Bürokraten oder Sheriffs, die einen Vietnam-Veteranen nicht achten, harsch angesprochen wird, schaut Rambo, als würde er gleich leise fiepen. Doch wenn die Geduld des wortkargen Mannes am Ende ist, nimmt er es stechend, schießend, turnend mit einem Dutzend auf. Meist endet das in seiner Gefangennahme , und diese wiederum wird in allen drei Rambo- Filmen durch eine Kreuzigungsszene gekrönt. Immer hängt sein leckeres und oft frisch geschundenes Fleisch an Gefängnisgittern, vietnamesischem Wasserbüffelgeschirr oder in afghanischen Folterverliesen, als wäre er Gottes Sohn. Obwohl Colonel Trautmann schon in der ersten Folge informiert: "Nicht Gott hat Rambo geschaffen, sondern ich." Das müssen feine Jahre mit furiosem Flagellanten-Sex gewesen sein, damals in Trautmanns Elite-Einheit in Vietnam. Noch Jahre später bewundern verdutzte Polizisten diese einzigartigen Schnittnarben auf dem glänzenden, von pulsierenden Adern durchzogenen Bronzekörper. BILD

Spiritualität und Staatsfeindschaft: Wenn Rambo nicht metzelt, geht sein Dackelblick nach innen. Er sucht sein Selbst, wird Buddhist und versteckt sich in einer Mönchskutte in den Wäldern von Oregon. In seiner ersten Inkarnation, dem noch vage an normales Spät-New-Hollywood gemahnenden Rambo-Film First Blood (1982), wird er uns als drifter vorgestellt. Ein ausgeschlossener, rechtloser Staatsfeind, ein Homo sacer, würde Giorgio Agamben sagen: ein von allen Seiten verlassener Vogelfreier. Die zentrale Erfindung der letzten New-Hollywood-Jahre war der Outlaw von rechts. Vom alten gegenkulturellen Modell zu Beginn der New-Hollywood-Phase (Easy Rider) hat er noch die Liebe zur Natur und die Spiritualität. Seine neue Version ist seit Taxi Driver der rechte Rächer von Jungfräulichkeit und verkanntem Soldatentum, der vor allem sein Fleisch und die Feuerwaffe unter Kontrolle hat. Er liefert damit das bis heute beliebte Vorbild für Loser und Arbeitslose, die aus der Welt fallen und für ihr Elend keine politischen Gründe mehr kennen, nur noch persönliche: heldisch gewaltbereite Einsamkeit, Arbeit an sich selbst, an Reaktionsgeschwindigkeit und Zen als Antwort auf die als individuelle Kränkung empfundene strukturelle Überflüssigkeit. Dieser in Europa wenig beachtete Strang führt von Hippies und Aussteigern zu neofaschistischen Milizen. Rambo ist ein Sohn deutscher und indianischer Eltern: Das ist in den USA als die hippiefaschistische Chiffre für eine Mischung aus legitimer präzivilisatorischer Alteingesessenheit und den "guten Seiten" der Nazis lesbar.

Auch das in Rambo II (1985) von ihm verwüstete Südostasien hinterlässt geistige Spuren (Buddhismus), und sein letzter Auftrag in Rambo III (1988) hat bis heute weitreichende Folgen. Die noch etwas verschüchtert gegen diabolische Sowjets streitenden afghanischen Mudschahedin werden von Rambo zu echten Guerillas aufgebaut. Heute hat man von dem Mann, dessen Look sich immer am trotzig proletarischen Rock der Achtziger (Springsteen, Little Steven) orientierte, lange nichts mehr gehört. Vermutlich ist er auch nach dieser Episode an den Einsatzort zurückgekehrt und lenkt Al-Qaida-Brigaden gegen das Land, das seine Vietnam-Kämpfer nie richtig geehrt hat.

Kinowelt Home Entertainment: "Rambo II und III" als Neuerscheinung, 3 DVDs, 348 Min.