Bewusstsein Im psychedelischen Rausch

Von Spionen, Hippies und Pilzfreunden – eine kleine Geschichte der Bewusstseinserweiterung

1938 synthetisiert Albert Hofmann in den Labors des Basler Pharmakonzerns Sandoz erstmals Lysergsäurediäthylamid (LSD). Basis ist ein Inhaltsstoff des Mutterkorns. Die Verbindung wird im Tierversuch getestet, wo sie keine besondere Wirkung zeigt.

1943, am 16. April, stellt der Chemiker die Substanz erneut her – aus dem unbestimmten Gefühl heraus, der Stoff müsse doch irgendetwas bewirken. Offenbar gelangt er damit unabsichtlich in Berührung. Hofmann verspürt plötzlich »ungewöhnliche Empfindungen«, fährt mit dem Fahrrad nach Hause und versinkt in einen rauschartigen Zustand, »der sich durch eine äußerst angeregte Fantasie kennzeichnete«. Drei Tage später unternimmt der Chemiker einen Selbstversuch mit der, wie er meint, »kleinsten Menge, von der noch irgendein feststellbarer Effekt erwartet werden konnte« – 0,25 Milligramm LSD, aus heutiger Sicht eine gewaltige Überdosierung. Hofmann hat das Gefühl, wahnsinnig zu werden. »Die Substanz, mit der ich hatte experimentieren wollen, hatte mich besiegt. Sie war der Dämon, der höhnisch über meinen Willen triumphierte. (…) Ich war in eine andere Welt geraten, in andere Räume, mit anderer Zeit.« Eilig wird ein Arzt gerufen, der allerdings keine abnormen Symptome feststellt. Hofmann glaubt an eine Vergiftung, trinkt in der Nacht »alle irgendwie beschaffbare Milch« und bleibt einen ganzen Tag lang im Bett. »Tags darauf konnte ich vollkommen normal und frisch die Arbeit im Laboratorium wieder aufnehmen«, notiert er im Bericht für seine Vorgesetzten.

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1947 bietet Sandoz den neuen Wirkstoff (Markenname Delysid) einigen Wissenschaftlern »zur seelischen Auflockerung bei analytischer Psychotherapie und für experimentelle Untersuchungen über das Wesen der Psychosen« an.

1951 lädt Hofmann den befreundeten Schriftsteller Ernst Jünger zu einem Selbstversuch ein, dem ein intensiver Briefwechsel über die Wirkung von Drogen folgt. Jünger schreibt: »Der Wein hat bereits viel verändert, hat neue Götter und eine neue Humanität mit sich gebracht. Aber der Wein verhält sich zu (…) LSD, wie die klassische zu der modernen Physik. Erprobt sollten diese Stoffe nur in kleinen Gremien werden.«

1953 will die CIA den gesamten LSD-Bestand von Sandoz aufkaufen. Man einigt sich auf Lieferungen von 100 Gramm pro Woche.

1954 veröffentlicht Aldous Huxley das Buch The Doors of Perception (Die Pforten der Wahrnehmung), in dem er seine Drogenerfahrungen verarbeitet. Dem amerikanischen Pharmakonzern Eli Lilly gelingt die rein chemische Synthese von LSD. Mutterkorn als Grundsubstanz hat ausgedient.

Leser-Kommentare
  1. Wie starb Aldous Huxley? Darüber berichtet Albert Hofmann folgendes: Am 22. Nov. war Huxley vormittags schon so schwach, dass er nicht mehr sprechen konnte. Da notierte er für seine Frau Laura auf einem Papier: "LSD - try it - intramuscular - 100 mmg". Laura Huxley erfüllte ihrem Mann diesen letzten Wunsch und schrieb später dem befreundeten Hofmann einen Brief, in dem sie ihm eine Kopie des Blattes mit Huxleys letzten Schriftzügen übersandte.
    Ulrich Schnabel, Die ZEIT

    • wsky
    • 15.01.2006 um 1:32 Uhr

    Es ist höchste Zeit, dass der Umgang mit Drogen in unserer Gesellschaft grundlegend verändert wird. Als allererstes muss die Cannabis-Prohibition beendet werden, die wissenschaftlich nicht vertretbar ist und nur Probleme und Kosten verursacht (- für die Nutzer - und alle Staaten außer den Niederlanden). Cannabis sollte wie Schnaps gehandelt und konsumiert werden dürfen.
    Das Cannabis-Verbot ging von den USA aus und war damals gegen die schwarze Bevölkerung der USA und gegen die Hanffaser-Industrie gerichtet, um der Baumwolle zum Siegeszug zu verhelfen. Rassistische und wirtschaftliche Interessen stehen dahinter, und bis heute hat die Vernunft nicht gesiegt!

    Cannabis ist eine leichte Droge, daher wäre eine Freigabe ohne Rezept, "Drogenführerschein" oder dergleichen der sinnvollste Weg. Anders bei starken Halluzinogenen wie LSD. Ich denke, es sollte etwas wie einen Drogenführerschein geben, der anfangs z.B. 1 Jahr gültig ist und nach einer medizinischen und psychologischen Untersuchung erteilt bzw. später verlängert wird. Die Drogen selbst sollte man in der Apotheke kaufen können - dann nämlich endlich mit der Garantie, auch wirklich das zu bekommen, was man will, und in der richtigen Dosierung. Denn dies ist ein ganz großes Problem bei Drogen vom Schwarzmarkt, dass sie oft unrein und mal stärker, mal schwächer sind. Eigentlich eine unzumutbare Gesundheitsgefährung für die Konsumenten, deren Ursache, wenn man es genau nimmt, das Verbot dieser Substanzen ist.

    Außerdem müssen Drogen (von Alkohol über Fernsehen, Kaffee und Tabak bis zu Psychedelika) einen gewichtigen Platz in den Lehrplänen in den Schulen bekommen - die Jugendlichen müssen wissen, wie die Drogen wirken, wie sie aussehen, was ihre Gefahren sind und warum sie so attraktiv sind. Diese Unterrichtung ist genauso wichtig wie die Sexualaufklärung, damit die Kids über die Sachen bescheid wissen, BEVOR sie damit in Kontakt kommen.

    Ich verspreche euch, wenn diese Drogen legal sind: Der Drogenkonsum wird NICHT sprunghaft ansteigen. Der Reiz des Verbotenen entfällt. Der Schwarzmarkt wird aufhören, zu existieren. Drogenkriminalität wird nicht mehr existieren. Polizei und Kripo können ganze Abteilungen entlassen bzw. mit sinnvolleren Aufgaben wie der Verfolgung von Parksündern oder richtigen Verbrechern beschäftigen.

    Und die Veränderungen für die Gesellschaft? Minimal! Aber viele Menschen werden sich freuen und endlich frei fühlen, und den Staat wieder lieben können. Das Volk wird nicht zu einem Volk aus Zombies und Junkies - jedenfalls nicht mehr, als es jetzt schon ist.

  2. In der Aufstellung fehlt wohl die Internet-Pornografie. Zumindest ist es das, was unsere Zeit im wesentlichen ausmacht, so wie Drogen die 60/70er ausgemacht haben. Drogen sind heutzutage längst out, bzw. haben nicht mehr die Bedeutung. Pornografie steht dagegen dank des Internet am Neuanfang und ihr Potential ist noch weitgehend unerschöpft.

    Das ist mir spätestens dann aufgefallen, als es bei einem Radiosender die Teilnahme an einem Pornodreh zu gewinnen gab. In einem Porno mitzuspielen sei natürlich in unserer Zeit etwas ganz besonderes. Ich dachte wirklich der Sender hatte zu Marketingzwecken einfach die Realität etwas verdreht, aber nein, die stolze Gewinnerin nahm an dem Dreh teil und fand es selbstverständlich "geil".

    Wer bis hierher gelesen hat und Pornografie weiterhin unterschätzt, dem sei vor Augen geführt, das diese schmuddeligen westlichen VHS-Kassetten einen wichtigen Anteil daran hatten, daß totalitäre Staaten unterwandert wurden und niedergingen. Hört sich wie ein Scherz an und ist sicher erheiternd. Man versteht die Sacher erst richtig, wenn man sich den viralen Effekt von VHS-Kopien vorstellt und die unterschwelige Botschaft begreift, wie in den Pornos der Westen dargestellt wurde.

    slawek

  3. "1963 ... Am 22. November ... stirbt Aldous Huxley an Kehlkopfkrebs. Vor dem Tod lässt er sich von seiner Frau Laura intramuskulär LSD verabreichen."
    Laut dem O-Ton von Laura Huxley in der Sendung 'Der ultimative Trip "Kulturzeit extra"' (3sat, heute 19.20 Uhr) hat sie das LSD intravenös verabreicht.

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