Derzeit sieht es jedenfalls nicht nach einem Revival der Psychedelika aus. Dafür drängen andere Substanzen auf den Markt: Der Konsum von Kokain ist kräftig gestiegen; neue Designerdrogen werden herumgereicht; und die Pharmaindustrie spekuliert auf das künftige Geschäft mit brain enhancers, die Konzentration, Gedächtnis oder Stimmung verbessern sollen.

Angesichts dieser kommenden Herausforderungen plädiert der Bewusstseinsphilosoph Thomas Metzinger für einen neuen Umgang mit psychoaktiven Substanzen. Statt diese in die Illegalität abzudrängen (wo sie ihre unheilvolle Wirkung erst recht entfalten), sei es wichtig, eine neue »Bewusstseinsethik« zu schaffen. »Die Forschung hat gezeigt, dass sich das Kosumentenverhalten durch soziale Kontexte effektiver steuern lässt als durch neue Gesetze.«

Der Philosoph, der sich schon von Berufs wegen mit Bewusstseinserweiterung befasst, kann sich etwa in einem Pilotprojekt die Einführung eines »LSD-Führerscheins« vorstellen: Wer ihn erwerben wolle, müsse in einem Eignungstest seine psychische Stabilität nachweisen und eine private Pflegeversicherung abschließen. Außerdem müsse jeder Kandidat eine Prüfung in Theorie und fünf »psychedelische Fahrstunden« unter fachkundiger Begleitung absolvieren. Danach solle ihm der Erwerb von maximal zwei Einzeldosen pro Jahr in der Apotheke erlaubt werden.

Auch Albert Hofmann hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die psychische Atombombe doch noch gezähmt und – ähnlich wie die Kernenergie – einer zivilen Nutzung zugeführt wird. Von Meditationszentren etwa träumt der Chemiker, in denen LSD als »chemische Hilfe« zu anderen Erleuchtungstechniken hinzutreten könnte. Vielleicht entstehe ja mit der Zeit »so etwas Ähnliches wie Eleusis«.

Allerdings hält der LSD-Entdecker sein »Sorgenkind« längst nicht mehr für jeden geeignet. »Ich verstehe überhaupt nicht, wenn junge Leute das wollen. Sie haben ja noch so viel vor sich, sie haben noch die ganze normale Wirklichkeit aufzubauen.« Allenfalls »im vorgerückten Alter« sei die Bewusstseinserweiterung mit »pharmakologischer Hilfe« sinnvoll. Und auch dann, bilanziert der LSD-Entdecker, bleibe dies so gefahrvoll wie eine Weltraumreise: »Auf die muss man sich vorbereiten, man muss ein Bordbuch führen, seine Erlebnisse verarbeiten und wieder zurückkommen auf die Erde. Wir sind nicht geboren, um im Weltraum zu leben.«