Bewusstsein Die Kernkraft der SeeleSeite 3/3
Derzeit sieht es jedenfalls nicht nach einem Revival der Psychedelika aus. Dafür drängen andere Substanzen auf den Markt: Der Konsum von Kokain ist kräftig gestiegen; neue Designerdrogen werden herumgereicht; und die Pharmaindustrie spekuliert auf das künftige Geschäft mit brain enhancers, die Konzentration, Gedächtnis oder Stimmung verbessern sollen.
Angesichts dieser kommenden Herausforderungen plädiert der Bewusstseinsphilosoph Thomas Metzinger für einen neuen Umgang mit psychoaktiven Substanzen. Statt diese in die Illegalität abzudrängen (wo sie ihre unheilvolle Wirkung erst recht entfalten), sei es wichtig, eine neue »Bewusstseinsethik« zu schaffen. »Die Forschung hat gezeigt, dass sich das Kosumentenverhalten durch soziale Kontexte effektiver steuern lässt als durch neue Gesetze.«
Der Philosoph, der sich schon von Berufs wegen mit Bewusstseinserweiterung befasst, kann sich etwa in einem Pilotprojekt die Einführung eines »LSD-Führerscheins« vorstellen: Wer ihn erwerben wolle, müsse in einem Eignungstest seine psychische Stabilität nachweisen und eine private Pflegeversicherung abschließen. Außerdem müsse jeder Kandidat eine Prüfung in Theorie und fünf »psychedelische Fahrstunden« unter fachkundiger Begleitung absolvieren. Danach solle ihm der Erwerb von maximal zwei Einzeldosen pro Jahr in der Apotheke erlaubt werden.
Auch Albert Hofmann hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die psychische Atombombe doch noch gezähmt und – ähnlich wie die Kernenergie – einer zivilen Nutzung zugeführt wird. Von Meditationszentren etwa träumt der Chemiker, in denen LSD als »chemische Hilfe« zu anderen Erleuchtungstechniken hinzutreten könnte. Vielleicht entstehe ja mit der Zeit »so etwas Ähnliches wie Eleusis«.
Allerdings hält der LSD-Entdecker sein »Sorgenkind« längst nicht mehr für jeden geeignet. »Ich verstehe überhaupt nicht, wenn junge Leute das wollen. Sie haben ja noch so viel vor sich, sie haben noch die ganze normale Wirklichkeit aufzubauen.« Allenfalls »im vorgerückten Alter« sei die Bewusstseinserweiterung mit »pharmakologischer Hilfe« sinnvoll. Und auch dann, bilanziert der LSD-Entdecker, bleibe dies so gefahrvoll wie eine Weltraumreise: »Auf die muss man sich vorbereiten, man muss ein Bordbuch führen, seine Erlebnisse verarbeiten und wieder zurückkommen auf die Erde. Wir sind nicht geboren, um im Weltraum zu leben.«
- Datum 30.04.2008 - 03:48 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 12.01.2006 Nr.3
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Als "Betroffene" gratuliere ich dem Autor zu dem Artikel...das ist eine wahre Würdigung unserer Zeit. Lang leben die Hippie und die 68iger!
Danke
KMM
Ich kann nur bestätigen, dass es nicht einen positiven Nutzen der Droge gibt. Die Erfahrung des Seins im eleusischen Zustand ermöglicht es der Existenz durch alle Scheinheiligkeiten und Verlogenheiten, mit der uns die sogenannte Realität zupflastert und zubrettert endlich und erlöst zu sich zu kommen.
Ein Hoch dem hochverehrten Albert Hofmann, ein dreifaches Hoch dem hundertjährigen, möge er noch dreimal hundert Jahre alt werden!
Jetzt lebt der Mann noch immer und anscheinend geistig rege und körperlich auch noch...
Es stimmt schon: LSD und andere hall. Drogen reflektieren doch nur die Person selbst mit all deren Facetten und sich ergebenden Möglichkeiten. Das zeigt sich doch auch beim Alkohol. Der eine wird feinsinnig und still, der andere agressiv und blöckend.
Aber was noch wichtiger ist, ist eben die Innenwirkung. Das was erlebt wird, bin ich, sind meine Möglichkeiten. Ob damit eine Entwicklung eines Wesens möglich ist, das stumpf und dröge ist? Ich vermute: nein. Da die Droge nur spiegelt, dient sie der Selbsterkenntnis. Und eben nicht der Selbstentwicklung. Das gilt es zu betrachten.
Und damit sind wir auch schon bei dem gesellschaftlichen Bild. Hofmann hatte Erfurcht vor den Drogen. Genau das ist der richtige Ansatz für den Umgang. Eine auf Konsum entwickelte Gesellschaft refelktiert ihre Wesen. Für diese wirken die Droge ganz sicher verheerend. Oder besser zu sagen: ich bin doch nicht blöd - also richtig verblödend.
Diese Droge speziell hat wirklich kernkraftrelevante Dimensionen und sollte regressiv den Konsumenten entzogen bleiben.
Wolf
Hofmann spricht von Wissen, HMRothe stellt eine Vermutung an. Kein Mensch kennt sich so gut mit LSD aus wie Hofmann, daher wird man ihm vertrauen können - wenn er sagt, dass die eleusischen Priester das so machen konnten, dann wird es stimmen! Vielleicht ist das Mutterkorn bei dem Paspalum-Gras ganz anders als beim Weizen, vielleicht entstehen dabei gar keine giftigen Alkaloide. Vielleicht musste man auch wirklich noch etwas beimengen, aber unterschätze die Menschen von damals nicht. Die Indios in Südamerika bspw. hatten auch herausgefunden, dass die Kokablätter nur dann ihre Wirkung voll entfalten, wenn man sie zusammen mit Kalk kaut. Um sowas zu entdecken, braucht es keine Labors.
Gegen die These, die eleusinischen Priester hätten einfach nur Mutterkorn gesammelt und einem Trank zugesetzt, muss Folgendes eingewendet werden: im Mittelalter kam es immer wieder zu massenhaften Vergiftungen durch Mutterkornbefall des Getreides, die dadurch aufgenommenen Alkaloide führten jedoch zum Krankheitsbild des Heiligen Feuers Verlust von Händen, Armen oder Beinen durch Gefäßspasmen der Extremitätenarterien. Von Halluzinationen scheint bei den Betroffenen jedoch nichts berichtet worden zu sein. Demnach müssten die Priester den Mutterkornextrakt noch gezielt behandelt haben, um die halluzinogenen Alkaloide anzureichern.
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