Wir schreiben das Jahr 2006. Langsam gewöhnt sich der Kontinent an den Euro, immer mehr Länder wollen damit bezahlen, immer mehr Menschen rechnen in der neuen Währung. Nur ein kleines Land im Norden widersteht noch: Lettland. Weil die Letten den Zwielaut eu nicht kennen, wollen sie künftig zwar den Euro haben, aber mit Eiro bezahlen.

Kinkerlitzchen? Auch Litauer oder Malteser ärgern sich über den Euro. Den gibt es in ihrer Sprache einfach nicht. Wenigstens in offiziellen Dokumenten würden sie deshalb gern eine wohlklingendere Form verwenden. Nichts anderes nämlich haben die alten EU-Mitglieder einst für sich durchgesetzt - und deswegen den Ecu ablehnten. Der klang manchen zu merkwürdig.

Doch wir schreiben das Jahr 2006, und in Brüssel herrschen die Bürokraten und in Frankfurt die Notenbanker der EZB. Wo Euro drin ist, soll auch Euro draufstehen - und deshalb müssen alle Regierungen ausschließlich Euro schreiben. Notfalls sollen Gerichte dafür sorgen. Wo kämen wir sonst hin? Die Sowjetunion, die mit dem Rubel mehr Vielfalt zuließ, ist schließlich zerbrochen.

Wenn die Letten übrigens Sätze sagen wie Unser Schicksal liegt im Euro, dann deklinieren sie das Währungswort - und verwenden statt Euro die schöne Form Euruose. Klingt wie Neurose. Oder?