Schimpansen sind knallharte Egoisten. Solange sie sich ihr Futter beschaffen können, ist die Welt für sie in Ordnung. Ob Artgenossen dabei besser wegkommen oder leer ausgehen, scheint sie noch nicht einmal zu interessieren. Das haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie festgestellt, als sie folgende Fragen prüften: Würden Schimpansen ihren Artgenossen mutwillig Futter vorenthalten, nur weil sie es selbst nicht haben können? Beschaffen sie Futter für andere, ohne selbst davon zu profitieren? Haben Schimpansen einen Sinn für Fairness beim Fressen?

In drei Experimenten erforschte das Team um Keith Jensen und Michael Tomasello, ob Affen kooperativ, egoistisch, altruistisch oder boshaft handeln können. Wie sie in den Proceedings der Royal Society (online) schreiben, dienten Bananen als Lockmittel für die Schimpansen. Im ersten Test sollten die Tiere ihre Kooperationsfähigkeit unter Beweis stellen. Je nachdem in welche Richtung der Testschimpanse ein Seil zog, bekam er entweder allein Bananenscheiben, oder er erhielt sie zusammen mit seinem Artgenossen im Nachbarraum. Im zweiten Experiment gab es für den Strippenzieher selbst keine Bananen, aber durch Bewegen der Leine konnte er seinem haarigen Bruder eine Portion verschaffen, er handelte dann aus reiner Nächstenliebe. Oder er ließ den Altruismus bleiben. Zuletzt wurden die Schimpansen auf ihre Hinterlist geprüft: Taten sie nichts, bekam der Affe im Nachbarraum nach einiger Zeit eine Bananenportion. Das konnten die Tiere jedoch aktiv verhindern, indem sie an einem Tisch zogen.

Die Ergebnisse der drei Experimente fielen ähnlich aus: Die Affen handelten stets ohne Rücksicht darauf, was dabei für ihre Artgenossen heraussprang. Sie wollten ihnen weder etwas Gutes tun noch mutwillig schaden. Hinterlistiges Ziehen am Tisch fand nicht statt.

Die Forscher vermuten, dass Schimpansen nur auf ihren eigenen Vorteil fixiert sind und sich nicht die Mühe machen, sich mit ihren Artgenossen zu messen, gleichgültig ob es sich um Gewinne oder Verluste handelt.

Ganz anders der Mensch. Er steht zwar den Schimpansen in Sachen Egoismus in nichts nach, aber er vergleicht sich ständig mit seinen Konkurrenten und kann sich in ihre Lage versetzen. Wer hat wovon wie viel, und was habe ich? Diese Fragen scheinen typisch menschlich zu sein - genauso wie boshaftes oder altruistisches Handeln. Der Sinn für Gerechtigkeit, Kooperation und Moral hat sich nach Ansicht der Forscher wohl erst im Lauf der letzten sechs Millionen Jahre der menschlichen Evolution entwickelt.