Sagt der Professor zum Universitätsrektor: "Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für unsere Hochschule. Die gute lautet: Ich habe neue Forschungsgelder bewilligt bekommen." – "Und die schlechte?" – "Ich habe neue Forschungsgelder bewilligt bekommen."

Tatsächlich ist der Erfolg beim Einwerben so genannter Drittmittel zwiespältig. Was einzelne Wissenschaftler freut, verursacht bei deutschen Hochschulleitungen nicht selten einen bitteren Nachgeschmack. Zwar schmücken sich alle Universitäten gern mit den Millionen, die staatliche Geldgeber oder Stiftungen für den Haushalt beisteuern. Hohe Drittmittel gelten als Gütesiegel und werden in allen Rankings hoch bewertet. "Rein rechnerisch jedoch ist jedes Drittmittelprojekt für die Universität ein Zuschussgeschäft", sagt Burkhard Rauhut, Rektor der RWTH Aachen.

Das begehrte Fremdgeld deckt nämlich nur die direkten Kosten ab, die im Forschungsprojekt entstehen: durch wissenschaftliche Mitarbeiter, Bücher oder technische Apparaturen. Doch die Bücher stehen in Bibliotheken, die Gerätschaften wollen gewartet werden, und die Mitarbeiter benötigen Computer oder ein Dach über dem Kopf. Diese indirekten Kosten muss – anders als etwa in den USA – die jeweilige Hochschule tragen. Rektor Rauhuts Rechnung sieht demnach so aus: Für jeden Euro, den einer seiner Professoren von einem Forschungssponsor erhält, muss die Universität 50 Cent für die Nebenkosten drauflegen – Geld, das der Hochschule anderswo fehlt. "Erfolgreiche Universitäten drohen sich bei diesem System zu Tode zu siegen", kritisiert Rauhut. Nicht nur in Aachen müsse sich die Unileitung bei mancher guten Forschungsidee deshalb fragen: Können wir es uns leisten, dafür Drittmittel zu beantragen?

Die Fallen dieser Finanzierungspraxis sind seit langem bekannt. Nun endlich gibt es eine Chance, sie mit frischem Geld zuzuschütten. Sechs Milliarden Euro zusätzlich verspricht die neue Bundesregierung für Forschung und Entwicklung bis 2010 auszugeben. Ein ansehnlicher Teil des Zuschlags soll, so die Pläne von Ministerin Annette Schavan, in eine Forschungsprämie für die Universität fließen, um zumindest einen Teil der versteckten Ausgaben zu decken. Ziel des akademischen Kombilohns: Kein Forscher soll mehr auf Kosten der akademischen Gemeinschaft leben müssen.

Den Anfang wird die Exzellenzinitiative machen, das knapp zwei Milliarden schwere Förderprogramm von Bund und Ländern für die Universitäten. An diesem Freitag verkünden die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Wissenschaftsrat, welche Hochschulen und Wissenschaftler sich für die zweite Runde des Elitewettbewerbs qualifiziert haben. Die Sieger der Endausscheidung – entschieden wird im Herbst – dürfen sich nicht nur über Geld für neue Graduiertenschulen und Forschungsverbünde freuen. Gleichzeitig erhalten sie für jedes von der Jury auserkorene Projekt einen Bonus von 20 Prozent obendrauf, insgesamt immerhin knapp 400 Millionen Euro.

Glaubt man dem Koalitionsvertrag, soll dies nur der "Einstieg in die Vollkostenfinanzierung sein". Dass Ministerin Schavan entschlossen ist, diese Vereinbarung ernst zu nehmen, machte sie kurz vor Weihnachten in einem Gespräch mit DFG-Präsident Ernst-Ludwig Winnacker deutlich. In Zukunft, so der Plan der CDU-Politikerin, soll die DFG alle Projektgelder mit dem begehrten Bonus versehen. Beginn der neuen Großzügigkeit: Anfang nächsten Jahres.