Wie entmutigt man deutsche Hochschulrektoren, die von Elite-Unis träumen? Indem man ihnen diese Geschichte erzählt: Es war einmal ein Harvard-Präsident, und es war einmal ein Ölmagnat namens Rockefeller. Rockefeller fragte, wie man das nun anstelle, eine Spitzen-Universität zu schaffen. Der Präsident antwortete sofort: Man brauche 50 Millionen Dollar – und 200 Jahre Zeit.

Keine Geschichte wurde in der Diskussion um die Exzellenzinitiative für deutsche Hochschulen häufiger erzählt. Und die Moral von der Geschicht’: Elite-Unis kriegen wir nicht. Denn selbst wenn die deutschen Hochschulen genug Geld hätten – 200 Jahre haben sie nicht. Ende der Geschichte.

Dabei stimmt die Behauptung gar nicht. Denn allem Selbstbewusstsein von Harvard zum Trotz, in den USA haben es auch Hochschulen geschafft, in deutlich weniger als 200 Jahren an die Spitze zu kommen. Zwei stechen dabei besonders hervor: die Privathochschule Stanford unweit von San Francisco und die staatliche University of California in San Diego. Stanford existiert seit 1891, war aber bis in die fünfziger Jahre hinein eine Universität mit bloß regionaler Ausstrahlung. San Diego wiederum ist nur wenige Jahre älter als einige deutsche Gesamthochschulen.

In 50 Jahren auf Platz 3 der Weltrangliste

Besuch in Stanford, Besuch bei Gerhard Casper, dem wohl bekanntesten Kenner des deutschen wie des amerikanischen Hochschulsystems. Casper, Doktor beider Rechte, stammt aus Hamburg, lehrt und forscht seit 1964 in den USA, amtierte bis 2000 als Präsident von Stanford. Auf dem Campus hat er ein kleines Büro, das von dem riesigen Bildschirm seines Apple-Computers dominiert wird.

Als Casper 1992 Präsident wurde, war Stanford schon eine Adresse von Weltruf. Ihr Aufstieg begann in den fünfziger Jahren. Die amerikanische Regierung machte große Geldtöpfe auf, um Forschung zu fördern, wer Geld haben wollte, musste sich bewerben. Es entstand ein Wettbewerb unter den Professoren und um neue Stellen. Zugleich bekamen Weltkriegsveteranen ihr Studium vom Staat bezahlt, die Studenten wurden immer mobiler, und die Universitäten kämpften um die besten unter ihnen. "Höchstens zwanzig Jahre", sagt Casper, habe es gedauert, bis Stanford in der Forschung und der Graduiertenausbildung mit den großen Gegenbildern an der Ostküste habe mithalten können; bei den Undergraduates, den Studenten im Grundstudium, habe Stanford in den achtziger Jahren gleichgezogen. Im von der Jiao-Tong-Universität in Shanghai herausgegebenen Welt-Ranking der Universitäten rangiert Stanford heute auf Platz 3.

"Warum soll das in Deutschland nicht auch funktionieren?", fragt Casper und gibt gleich die Antwort: "Ich bin viel optimistischer als noch vor einigen Jahren." Bei einer "aggressiven finanziellen Förderung" könne es auch in Deutschland in "zehn bis zwanzig Jahren" Elite-Universitäten geben. Ein bis zwei Hochschulen, schätzt Casper, könnten es unter die besten zwanzig der Welt schaffen, vier bis fünf unter die besten vierzig.