Für Franz-Hermann Brüner geht es diese Woche um alles oder nichts. Die EU-Kommission will am Donnerstag - ein Jahr später als geplant - endlich entscheiden, wer künftig das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (Olaf) leiten soll. Weiterhin der durch seine sechsjährige Erfahrung konfirmierte, bayerische Oberstaatsanwalt Brüner, der zuvor in München und in Bosnien-Herzegowina Wirtschaftskriminelle jagte? Oder einer der Konkurrenten Björn Eriksson oder Alain Gillette? Der Franzose arbeitet bislang als Rechnungsprüfer bei den Vereinten Nationen (und ist Topkandidat der 25 EU-Regierungen). Der Schwede ist daheim Provinzgouverneur und in Brüssel Liebling der EU-Parlamentarier. Ausgewiesene Fahnder freilich sind beide nicht.

Was hat Brüner also falsch gemacht, um im zusehends würdelosen Postengeschacher plötzlich nur der Außenseiter zu sein? Den einen wurde Olaf unter seiner Ägide zu mächtig und Brüner selbst zum Quälgeist. Andere träumen, besonders im Europäischen Parlament, noch immer von einer wahrhaft unabhängigen Instanz, die nicht länger einem EU-Kommissar untergeordnet wäre.

Sollten beide Ansichten in trauter Gemeinsamkeit siegen, so wäre die Brüsseler Betrugsbehörde erst einmal mit dem Einarbeiten des Neuen beschäftigt.