Mit schöner Regelmäßigkeit haben die Finanzminister in den vergangenen Jahren an Steuersparmodellen herumgeschnippelt, die steuerlichen Vorteile für die Inves-toren wurden immer weiter reduziert. Mit der rückwirkend seit dem 11. November geltenden Neufassung des Paragrafen 15 b im Einkommensteuergesetz hat die Große Koalition nun den großen Schritt gewagt: Infolge dieser Änderung ist der Möglichkeit, durch Beteiligungen an geschlossenen Fonds in erster Linie die Einkommensteuer zu senken, ein Riegel vorgeschoben.

Bislang galt – wenn auch mit immer mehr Einschränkungen – der Grundsatz: Wer aus der Beteiligung an einem geschlossenen Fonds einen steuerlichen Verlust erwirtschaftet, kann diesen mit Einkünften aus dem selben Jahr verrechnen. Für einen Investor, dessen Steuerspar-Beteiligung im ersten Jahr bei einer Beteiligungssumme von 50.000 Euro einen Verlust von 20.000 Euro erwirtschaftete, war dies vor allem bei hohem Einkommen und entsprechendem Steuersatz ein lukratives Geschäft. Bei einem Steuersatz von 45 Prozent flossen dann 9.000 Euro in Form einer verminderten Einkommensteuer zurück, und damit reduzierte sich der Anlagebetrag unterm Strich auf 41.000 Euro.

Die steuerlichen Verluste wurden bei solchen Beteiligungsmodellen vor allem durch Abschreibungen generiert. Besonders beliebte Investitionsobjekte waren folgerichtig diejenigen, die vom Staat mit hohen Sonderabschreibungen subventioniert wurden – wie beispielsweise denkmalgeschützte Immobilien oder Filmprojekte. Nun lautet die neue Regel: Abschreibungsverluste sind zwar noch erlaubt, aber sie können in der Steuererklärung nicht mehr nach Belieben mit Einkünften aus anderen Quellen wie beispielsweise dem Arbeitseinkommen verrechnet werden. Sobald der steuerliche Anfangsverlust mehr als zehn Prozent der Beteiligungssumme beträgt, darf er nur noch auf die künftigen Gewinne aus genau derselben Beteiligung angerechnet werden.

"Damit wurde das Verlustrisiko aus Beteiligungsmodellen konsequent entstaatlicht", konstatiert Dietmar Vogelsang, gerichtlich zugelassener Sachverständiger für Kapitalanlagen in Bad Homburg. Denn nach altem Recht beteiligte sich der Fiskus in Höhe des Steuersatzes am Verlust des Anlegers. Das neue Recht sieht hingegen vor, dass die steuerlichen Verluste verfallen, wenn die Beteiligung keinen Gewinn erwirtschaftet – und damit trägt der Anleger das unternehmerische Risiko allein. Eine Ausnahme bilden Fonds, die sich als Private-Equity-Fonds oder Venture-Capital-Fonds an Unternehmen beteiligen, weil hier keine von vornherein geplanten Abschreibungen vorgesehen sind, sondern die Wertentwicklung vom wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen im Portfolio abhängt.

Der lauteste Aufschrei gegen die Änderung ist aus der Filmbranche zu hören, deren Fondskonstruktionen dank immenser Abschreibungen bislang als Steuersparmodell par excellence galten. Unverblümt fordert der Verband deutscher Medienfonds eine Fortsetzung der staatlichen Alimentation über das Abschreibungsmodell. "Es wird endlich Zeit, dass die Regierung erkennt, dass Investitionen im Medienmarkt nur durch vernünftige Steueranreize mit Deutschlandeffekt gefördert werden können", fordert Verbandsvorstand Michael Oehme. Kein Staat in Europa lasse die Filmwirtschaft so im Stich wie Deutschland. Dieses Argument kann Frank Heimsaat, Geschäftsführer bei der Fondsratingagentur Scope, nicht nachvollziehen: "Der Löwenanteil der Filmfondsgelder wurde ohnehin im Ausland investiert." Immerhin seien mit den deutschen Filmfonds-Abschreibungsmodellen oftmals Hollywood-Produktionen finanziert worden.

Recht neutral fällt der Kommentar beim Immobilienverband Deutschland aus, der an den Inhalten des neugefassten Paragrafen nichts auszusetzen hat. Verbandsvize Michael Schick sieht darin eine "konsequente Vollendung des Trends von steuersparenden zu renditeorientierten Anlagen" und nutzt die Vorlage gleich zu einem Seitenhieb gegen die ungeliebte Konkurrenz abseits der Immobilienfonds: "Mit Medien- und Windkraftfonds haben Anleger ohnehin bisher überwiegend Geld verloren." Dass die Fokussierung auf das Steuersparen den Anlegern unterm Strich oft auch reale Verluste gebracht hat, bestätigt Peter Kastell, Geschäftsführer beim Fondsanalysehaus FondsMedia in Hamburg: "Die Vergangenheit hat gezeigt, dass bei den rein steuerorientierten Fonds die Zahl der Anlageflops deutlich höher war als bei renditeorientierten Beteiligungsmodellen."

Dass nach dem Wegfall der Abschreibungsanreize nun die betriebswirtschaftlichen Aspekte in den Vordergrund rücken, sehen Fondsexperten als Katalysator für eine Selbstreinigung der Branche, die bis heute unter dem Schmuddelimage des grauen Kapitalmarkts leidet. Betriebswirtschaftliche Mängel könnten nun nicht mehr mit Steuervorteilen verbrämt werden, sagt Heimsaat. Und Kastell prognostiziert: "Schwarze Schafe werden nun schneller vom Markt verschwinden." Weniger optimistisch zeigt sich Vogelsang. "Die Planungsansätze bei den Ertragsprognosen sind bei vielen Anbietern immer noch zu optimistisch", fürchtet der Sachverständige. Statt eine kaufmännisch vorsichtige Prognoserechnung zu erstellen, gehe man häufig vom bestmöglichen Szenario aus, um Vertriebspartner und Anleger mit attraktiven Renditeaussichten zu locken. Dies treffe vor allem auf Schiffsfonds zu, die derzeit aufgrund der günstigen Tonnagebesteuerung und des florierenden Welthandels von Finanzmaklern wie warme Semmeln verkauft werden.