Steuersparmodelle sind tot – es lebe das Steuersparmodell: Weil der Fiskus die Abschreibungsmöglichkeiten gekappt hat, aber die Möglichkeiten zur steuerschonenden Gewinnerzielung zumindest vorerst nicht antastet, bleiben für Steuersparer Schlupflöcher offen. Der große Unterschied zu den früheren Regelungen besteht jedoch darin, dass die übrig gebliebenen Steuersparmodelle nur funktionieren, wenn die Beteiligung auch wirklich Gewinn abwirft.

So bleibt nicht zuletzt dank eifriger Lobbyarbeit durch die Schiffbaubranche die Tonnagebesteuerung für Schiffsfonds-Investoren erhalten. Wenn die Bereederung des Schiffs von Deutschland aus erfolgt und das Schiff überwiegend in das inländische Schiffsregister eingetragen ist, kann anstelle des tatsächlich angefallenen Gewinns eine Pauschale für die Ermittlung des steuerpflichtigen Einkommens aus der Beteiligung zugrunde gelegt werden.

Die Tonnagesteuer basiert auf einem steuerlichen Pauschalgewinn, der in Abhängigkeit von den Nettotonnen des Schiffs ermittelt wird. Für die ersten 1.000 Nettotonnen wird ein Tagesgewinn von 0,92 Euro je 100 Tonnen unterstellt, für den 25.000 Tonnen übersteigenden Anteil gelten 23 Cent pro 100 Tonnen. Dazwischen gibt es noch weitere Staffelungen. Bei einem 30.000-Tonnen-Schiff, das pro Jahr 365 Tage in Betrieb ist, errechnet sich daraus für die Betreibergesellschaft eine jährliche Gewinnpauschale von rund 55.400 Euro. Fährt das Schiff mehr Gewinn ein, bleibt der darüber liegende Ertrag steuerfrei. Allerdings gilt die Pauschale auch in umgekehrter Richtung: Wenn das Schiff Verluste produziert, muss dennoch der fiktive Gewinn über die Tonnagesteuer als Einkommen angerechnet werden. Branchenüblich ist, dass pro Jahr etwa 0,3 Prozent des investierten Anlegerkapitals als Gewinn versteuert werden müssen.

Ein weiteres Steuerschlupfloch, das in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden ist, besteht in der legalen Verlagerung von Erträgen ins Ausland. Zwar gilt für die meisten Anlageformen der Grundsatz, dass auch die mit ausländischen Investments erzielten Gewinne in Deutschland versteuert werden müssen. Eine Ausnahme hierbei bilden jedoch Erträge aus vermieteten Immobilien: Hier erfolgt in aller Regel die Besteuerung in dem Land, in dem die Immobilie steht. Das bedeutet, dass beispielsweise der Miteigentümer einer Büroimmobilie in den USA die anfallenden Gewinne nach amerikanischem Recht versteuern muss. Für Anleger mit hohem Einkommen ist dieses Modell interessant, weil den US-Fiskus die Einnahmen in Deutschland nicht interessieren. Der Anleger kommt wie ein amerikanischer Bürger zunächst in den Genuss der steuerlichen Freibeträge und zahlt nur geringe Steuern, weil sein US-Einkommen nur aus den meist recht niedrigen Einkünften aus der Vermietung besteht.

Wichtig bei dieser Konstruktion ist allerdings, dass das Finanzamt in Deutschland die im Ausland gezahlten Steuern auf die in Deutschland fällige Einkommensteuer anrechnet. Dies ist der Fall, wenn der deutsche Staat mit dem jeweiligen Land ein Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen hat. Zu solchen Ländern zählen unter anderem die bei Immobilienanlegern beliebten Länder Niederlande, Österreich und USA. Trotz der Zahlung von Einkommensteuer im Ausland steigt bei solchen Kapitalanlagen die in Deutschland zu zahlende Steuer leicht an. Grund dafür ist der so genannte Progressionsvorbehalt: Wer beispielsweise 10.0000 Euro Einkommen in Deutschland und 5.000 Euro Einkommen aus einem US-Immobilienfonds hat, muss dann die 100.000 Euro Inlandseinkommen zu dem Prozentsatz versteuern, der bei 105.000 Euro anzusetzen wäre.

Trotz der attraktiven Steuergestaltung sollten Anleger weder bei Schiffsfonds noch bei ausländischen Immobilieninvestments blindlings zugreifen. Die weitgehende Steuerfreiheit der Gewinne nützt dem Anleger nur dann, wenn das Beteiligungsmodell Jahr für Jahr reale Erträge erwirtschaftet. (Ham)