Kaum ist die Stardust -Kapsel mit ihrem Kometenstaub an Bord in der Wüste von Utah aufgeschlagen, da startet die Nasa schon die nächste Mission zur fernen Planetenerkundung: Das Raumschiff New Horizons soll zunächst Pluto ausspähen und danach am äußeren Rand unseres Sonnensystems den Kuiper-Gürtel. Dieses Trümmerfeld aus Millionen kilometergroßen eisigen Brocken erstreckt sich bis weit hinaus in das All.

Die Trümmer dort draußen stammen aus der Jugendzeit des Sonnensystems und haben sich seither vermutlich kaum verändert. Tiefgefroren und dunkel, archivieren sie dort die Geschichte des Weltalls, darum suchen Planetenkundler gern in großer Ferne nach unseren Ursprüngen.

Das war auch das hehre Ziel der Stardust-Mission: Der auf einer 4,6 Milliarden Kilometer langen Reise gesammelte Staub vom Kometen Wild 2 wird bald in Top-Labors nach chemischen Urbausteinen durchsucht. Beginnt damit nun ein "zweites Goldenes Zeitalter der Planetenforschung", werden Lehrbücher neu geschrieben, wie die Nasa vollmundig tönte?

Leider nein. So bewundernswert die technischen Leistungen der Stardust- Mission sind, der Erkenntnisgewinn der Staubuntersuchungen, an denen sich auch mehrere deutsche Institute mit hervorragender Analytik beteiligen, dürfte recht begrenzt bleiben. Denn wichtige Bestandteile der Urmaterie wie Wasser und viele flüchtige organische Substanzen werden darin fehlen. Sie mögen auf Kuiper-Objekten und Kometen gefroren schlummern, der Stardust-Staub hingegen wurde durchgeglüht.

Als die Sonde an Wild 2 vorbeijagte, hagelten die winzigen Kometenkörnchen sechsmal schneller als Gewehrkugeln in die Sammelvorrichtung. Dort schlugen sie Einschusskanäle in ein luftig-leichtes Spezialglas, ein Aerogel. Dabei erhitzten sie sich weit über tausend Grad und wurden im Glas eingeschmolzen.

Nun gilt es, die Winzlinge – hundertmal kleiner als der Punkt am Ende des Satzes – im Aerogel zu entdecken und herauszulösen. Wer daraus grundlegend Neues über die Planeten- oder gar Lebensentstehung lesen will, steht vor einem ähnlichen Problem wie ein Kriminalist, der das Täterprofil eines verbrannten Mörders in den Spuren seiner Asche sucht. Stardust hatte ein gutes Analysegerät an Bord, das beim Vorbeiflug am Kometen den Staub sofort prüfte. Schon vor Ort war kein Wasser mehr nachweisbar, flüchtige Substanzen fehlten ebenso wie Aminosäuren. Auf der Erde wurden ausgeglühte Meteoriten bereits tonnenweise gefunden; große Erkenntnis verspricht der Kometenstaub nicht.

Echte Einsichten könnte im Jahr 2014 die Landung der europäischen Sonde Rosetta auf dem Kometen Churyumov-Gerasimenko bringen: Sie analysiert das eisige Archiv vor Ort. Frühestens 2015 wäre New Horizons beim Pluto. Vielleicht erweitert ja auch das unseren Horizont.