Kino »Angst ist das tiefste Gefühl«Seite 6/6
Haneke: Weil die Begabung nicht gereicht hat. Mein Stiefvater war Komponist und Dirigent, und der hat das natürlich gesehen: »Es ist nett, dass du dich so begeistert, aber Pianist wirst keiner werden.« Gott sei Dank habe ich ihm das geglaubt und bin eigentlich sehr froh darüber. Denn nichts ist schlimmer, als ein untalentierter Musiker zu sein. Davon gibt es ja genügend.
ZEIT: Wenn Sie sich entscheiden könnten, was wären Sie heute lieber: ein Regisseur auf der Höhe seines Schaffens oder ein Musiker auf der Höhe seines Schaffens?
Haneke: Wenn ich es mir aussuchen dürfte – da oben, wo die Geschenke verteilt werden –, wäre ich schon lieber Komponist und Dirigent. Die Musik ist für mich schon die Königin der Künste.
ZEIT: Weil wahre Schönheit unsichtbar ist?
Haneke: Ja, sie ist unsichtbar. Durch Aussparen wird sie sichtbar, nur so geht es.
Michael Haneke wurde mit Filmen wie »Bennys Video« und »Die Klavierspielerin« zum großen Entfremdungs- und Kulturkritiker des europäischen Kinos. Seit fast 20 Jahren erforscht der 1942 geborene Österreicher die »Vergletscherung der Gefühle« und die Kampfzonen des Alltags. Auch in seinem neuen Film »Caché« richtet er das Objektiv auf jene sozialen Schnittstellen, an denen Wohlstand und Verdrängung, Sicherheitsstreben und Schuld kaum zu unterscheiden sind. Juliette Binoche und Daniel Auteuil spielen ein Ehepaar der französischen Kulturschickeria,das von einem anonymen Beobachter mit Videoaufzeichnungen aus dem Alltagsleben bedroht wird. Nach und nach legen die Bänder eine Spur in die Vergangenheit des Ehemannes,zum Schicksal eines algerischen Einwanderers und damit zu einer Schuld, der er sich nie gestellt hat.
Das Gespräch führten Katja Nicodemus und Thomas Assheuer
- Datum 19.01.2006 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 19.01.2006 Nr.4
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... VIELEN DANK für dieses wunderbare Interview.
Das war mal wieder vom Aller-Feinsten, genauso stark wie das Interview mit Lars von Trier letztens.
Weiter so!!!
"Leichen pflastern seinen Weg" von Bertolucci? Hm. Könnte ein simpler Versprecher sein. Oder doch ein anschauliches Beispiel für die tatsächlich gravierenden Auswirkungen des Mangels an DVD-Klassikern am österreichischen Markt. Aber da steht es nun, unwidersprochen, online und auch auf Papier, und ich finde, Herr Sergio Corbucci hätte zumindest eine kleine Entschuldigung verdient.
Lese jetzt erst dies Interview. Wenn Sie Bach mögen -die Kantate(?) "Schlummert ein ihr matten Augen" oder andere habe ich immer gehört, anstatt mich umzubringen - dann haben Sie doch bestimmt auch länger und mehr hingehört. Es gibt auch andere Texte. "Kommt ihr Töchter, helft mir klagen", "Alsdann vom Tod erwecke mich... und und und.
Mozart inszeniert auch kein Gottesgericht im Don Giovanni und Kinder haben seinen Platz in dem Duett Papageno/Papagena, als verspielte Form des sogenannten "hohen Paares".....
Wofür haben diese Leute geschuftet und zig ihrer Kinder begraben müssen? Doch nicht, damit Sie all das, was sie über die Liebe geschrieben haben - weil sie es wohl erlebt haben - zurücknehmen.
Es gibt nicht nur Männer auf Erden und deshalb vergessen Sie bitte das Gottesgericht. Vertrauen sie sich der Musik an. Ca mbreling hat doch auch schon mit Sellars zusammengearbeitet.
Im Übrigen haben die Amerikaner und alle anderen Völker Friedhöfe. Sollen wir uns jetzt alle umbringen?
Das "Böse" kann nicht siegen.Es ist überhaupt nur vom "Guten" her zu definieren und in gewissem Sinne fürchterlicher Schein.
Deshalb finde ich es auch so wichtig, den Mund aufzumachen, wenn man ein Anliegen hat und nicht aus Mitleid zu sagen, ach tat gar nicht weh. Es wäre schon ein Beginn, wenn wir unsere Schmerzen hinausschreien würden... Dann können wir uns immer noch über Schuld unterhalten.
Was sagen Sie zu diesem Film "Schmetterlingsmind" oder so, in dem ein Jugendlicher zig Leben lebt, weil er niemanden sterben lassen will. Ich habe mich immer noch nicht erholt. Meinem Sohn habe ich erklärt, er solle die Version bevorzugen, in der die Mutter stirbt, anstatt auf das Leben zu verzichten.
Das "Böse" ist kein Einspruch gegen das Leben. Hough! Ich habe gesprochen.
Wie alt bin ich?
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