Die Chilenen haben am Sonntag zum ersten Mal eine Frau in das Amt des Staatspräsidenten gewählt: die Sozialistin Michelle Bachelet. Das ist bemerkenswert und gleichzeitig wenig überraschend.

Warum?

Weil Frau Bachelet so ist, wie sie ist. Sie hatte eine überzeugende Botschaft, und als Verteidigungsministerin hat sie bewiesen, dass sie führen kann. Bachelet war schwer zu schlagen. Das ist die offensichtliche Antwort.

Die zweite Antwort ist ebenso schlicht, aber im lateinamerikanischen Kontext sensationell. Bachelet ist Bürgerin eines ziemlich normalen Landes. Seit dem Ende der Pinochet-Diktatur hat sich Chile stetig stabilisiert. Die Institutionen funktionieren, die Wirtschaft floriert - und das, obwohl es an Herausforderungen nicht fehlt. Kein Land in Lateinamerika ist so erfolgreich, keines hat auch so klar gezeigt, dass Politiker links stehen können, ohne populistisch zu sein. So kann man den Irak-Krieg ablehnen, ohne gleich gegen das Imperium zu wettern. Ricardo Lagos, ebenfalls Sozialist und Bachelets Vorgänger, hat es vorgemacht.

Es ist zu erwarten, dass Bachelet genauso mit Augenmaß regieren wird wie Lagos. Sie ist jedenfalls keine Linkspopulistin lateinamerikanischen Zuschnitts.