Jahrelang sorgte der Fall für Schlagzeilen, es war der größte Kunstraub der Nachkriegszeit. Nun wird am 27. Januar das Landgericht in Hamburg sein abschließendes Urteil fällen. Und so wie es aussieht, dürfte die Leidtragende am Ende die ehrwürdige Hamburger Kunsthalle sein.

Alles begann am 28. Juli 1994. Aus der Frankfurter Kunsthalle Schirn werden drei Gemälde im Versicherungswert von 40 Millionen Euro gestohlen. Betroffen sind die Londoner Tate Gallery, die zwei Werke von William Turner zur Ausstellung Goethe und die Kunst ausgeliehen hatte, und die Hamburger Kunsthalle, die Caspar David Friedrichs Nebelschwaden nach Frankfurt geschickt hatte.

Drei Täter der so genannten Jugo-Mafia, die damals das Frankfurter Rotlichtmilieu beherrscht haben soll, werden bald gefasst und zum Teil zu langen Haftstrafen verurteilt. Verteidiger der Gangster sind der prominente Frankfurter Strafverteidiger Edgar Liebrucks sowie seine Frau und Partnerin. Die Bilder bleiben zunächst verschollen.

Jahre später aber agiert genau dieser Anwalt, dem man gute Kontakte zur höheren Gesellschaft wie zur Unterwelt nachsagt, im Auftrag der Tate Gallery als Mittelsmann zur Wiederbeschaffung der beiden Turners. Im Jahr 2000 kehrt Turners Meisterwerk Schatten und Dunkelheit auf abenteuerlichen und undurchsichtigen Wegen für ein Lösegeld in Millionenhöhe zurück nach London. Im Jahr 2002 kann auch das zweite Gemälde in der Tate wieder seinen Platz einnehmen.

Dann, im Januar 2003, ruft Liebrucks in der Hamburger Kunsthalle an und bietet seine Dienste im Fall des Caspar David Friedrich an. Bereits im Jahr 1996 hatte die Versicherung die Summe von 1,9 Millionen Euro an die Stadt ausgezahlt, die das Geld in Neuankäufe für die Kunsthalle investierte.

Mit diesem Anruf wurde das Leben des kaufmännischen Direktors der Kunsthalle, Tim Kistenmacher, kompliziert. "Einerseits wollten wir uns nicht erpressen lassen", sagt er, "andererseits wollten wir uns die Gesprächsbereitschaft offen halten." Häufig habe man im Direktorium darüber diskutiert, ob es "überhaupt moralisch verantwortbar sei, die Verhandlungen mit dem Strafverteidiger aufrechtzuerhalten". Vor allem von dem Zeitpunkt an, wo sich Liebrucks nicht mehr nur als Mittelsmann ausgab, sondern in den Besitz des Bildes gelangt war, auf welchem Wege auch immer. Von da an fühlte sich die Kunsthalle im Recht und pochte auf Herausgabe des Werks. "Irgendwann", so erzählt Tim Kistenmacher, "wollte der Anwalt nach endlosen Verhandlungen das Bild nur noch loswerden." Er gab es in der Kunsthalle Schirn in Frankfurt, also dort, wo es gestohlen worden war, wieder ab.