Vogelgrippe Jagd auf einen Mörder

Der Erreger der Hühnerpest verändert sich ständig. Weltweit arbeiten Virologen an seinem Steckbrief

Der Erreger, von dem Virologen lange glaubten, er befalle nur Vögel, hat bis heute 148 Menschen infiziert; die Hälfte von ihnen starb. Zum Glück aber schlägt H5N1 nur vereinzelt zu. Im Jahr 1997 starben drei Menschen in China. Sechs Jahre dauerte es, bis der Erreger erneut tötete – zunächst in China, dann in Kambodscha und Thailand, in Indonesien und Vietnam. Zuletzt vier Patienten in der Türkei. »Noch rafft H5N1 vor allem Geflügel dahin. Das könnte sich aber ändern«, fürchtet Jeffery Taubenberger, der am Institut für Pathologie der US-Streitkräfte in Rockville Grippeviren analysiert. Er mahnt zu Recht. Denn nach und nach offenbart H5N1 seinen schwierigen Charakter. Das Virus versteckt sich, wandelt sich und ändert seine Vorlieben – doch es hinterlässt Spuren.

Das Virus aus dem Jahr 1918 tötete mehr als 20 Millionen Menschen

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Influenza-Experten jagen heute eine ganze Bande unterschiedlicher Viren, die die Grippe unter die Menschen bringt. Von jedem Übeltäter versuchen die Verfolger einen Steckbrief zu erstellen, um ihn dingfest zu machen, bevor er das nächste Mal zuschlägt. Sie wollen verhindern, dass ein Virus wieder so wüten kann wie im Jahr 1918.

Damals kostete die Spanische Grippe mehr Menschen das Leben als der Erste Weltkrieg, innerhalb von neun Monaten waren mindestens 20 Millionen tot. Kein anderes Virus und kein Bakterium hat je so viele Menschen binnen so kurzer Zeit ausgelöscht. Überliefert sind Berichte wie jener von vier Damen, die sich abends zum Bridge trafen. Am nächsten Morgen waren drei von ihnen tot. »Der Erreger war enorm ansteckend«, sagt Taubenberger.

Spezialisten fahnden vor allem nach Influenza-Erregern vom Typ A. Die verschiedenen Viren-Stämme unterscheiden sie anhand der Eiweiße Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N). Das erste hilft den Viren, sich an die Zellen ihrer Opfer zu heften. Das zweite löst die entstandenen Tochterviren aus der Zellhülle. Beide Eiweiße sitzen auf der Viren-Oberfläche und sehen von Stamm zu Stamm ein wenig anders aus. Die Viren des Typs A müssen heute bereits von H1 bis H16 und von N1 bis N9 durchnummeriert werden – wobei alle Stämme stetig mutieren und neue Varianten bilden.

Auch H5N1 verwandelt sein Gen-Arsenal. Dank winziger Veränderungen haftet es besser an menschlichen Zellen, kann sich schneller in ihnen vermehren oder entgeht leichter dem Immunsystem. Manche Varianten widerstehen sogar einer frühzeitigen Therapie, da sie gegen gängige Grippe-Medikamente resistent sind. »Ich fürchte, das Virus passt sich dem Menschen an«, sagt Taubenberger.

Leser-Kommentare
  1. Impfvorbereitung braucht Zeit und Geld. Man scheint daher damit warten zu wollen, bis endgueltige Sicherheit ueber den Erreger besteht. Sollte man nicht, mit dem was man bisher ueber ihn weiss, schon einmal auf Verdacht fuer verschiedene Erregerarten Impfmengen herstellen, die dann, wenn die Gefahr eines Ausbruchs der Seuche probeweise gegen sie eingesetzt werden koennten, um lokale Ausbrueche gegebenenfalls zu kontrollieren, schon einmal Erfahrungen zu sammeln fuer die Massenproduktion des besten Impfstoffs und damit die Zeit der Bereitstellung eines wirkungsvollen Impfstoffs um Wochen oder gar Monate zu verkuerzen? Angesichts der drohenden von Millionen von Toten waere ein entsprechender Aufwand wohl menschlich und selbst wirtschaftlich gerechtfertigt, auch wenn man bisher noch nicht hundertprozentig weiss, wie der Erreger aussehen wird, solange auch nur eine annaehernde Chance besteht, dass er zu den erwaehnten Ergebnissen fuehren kann. Unternehmerische Entscheidungen, zum Beispiel im Autobau, werden unter oft unter groesseren Unsicherheitsbedingungen getroffen. In diesem Zusammenhang sollte auch unternehmerisch, nicht nur wissenschaftlich gedacht werden.
    Dr. Klaus Moll

  2. Das ist genau der Punkt, wo ich meine, dass Zeit und Geld ebenso wie im Markt und im Krieg unter Unsicherheitsbedingungen "auf Verdacht" eingesetzt werden muessen und nicht erst die voellige Sicherheit abgewartet werden kann, weil dann die Zeit zu knapp ist. Kein Land kann sich leisten, Verteidigungsvorbereitungen nur dann zu treffen, wenn es weiss, dass es angegriffen wird und mit welchen Waffen. Keine Autofirma kann sich leisten, ihre Modellentwicklung drei Jahre zurueckzustellen, bis der Konsumentengeschmack des Zieljahres endgueltig festliegt.
    Klaus Moll

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