Seit über zehn Jahren wird in Deutschland über den Kombilohn diskutiert. Ist das Konzept eine Wunderwaffe? Oder sollte man eher von Kombihohn (ZEIT Nr. 2/06) sprechen, weil dieses Instrument wirkungslos ist? Tatsächlich führen beide Bewertungen in die Irre.

Worum geht es? Kombi steht für die Kombination aus einem Einkommen, das in der Privatwirtschaft erzielt wird, und staatlichen Zuschüssen, die an den Arbeitnehmer und/oder den Arbeitgeber gehen. Da es beide Zuschussarten schon in vielfältigen Varianten gibt, stellt sich vor allem eine Frage: Lassen sich die bestehenden Konzepte vereinheitlichen oder gar ausbauen?

Das Problem ist spätestens seit der Bürgergeld- und Grundeinkommensdiskussion der neunziger Jahre auch in Deutschland bekannt. Würden sämtliche niedrigen Stundenlöhne bezuschusst, wäre der Kombilohn tatsächlich ein Milliardengrab.

Das belegen zahlreiche Simulationsstudien, auch aus dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Es wäre fatal, ein solches Modell ohne vorgeschaltete Bedürftigkeitsprüfung zu etablieren. Weshalb sollen Steuerzahler für Zuschüsse an Nichtbedürftige aufkommen? Und, schlimmer noch: Ein zeitlich unbefristeter Kombilohn für alle Menschen, die zu geringen Stundenlöhnen arbeiten, würde die Zahl der Nutznießer explodieren lassen.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer würden bewusst niedrigere Stundenlöhne vereinbaren und den Staat zuzahlen lassen. Um die Kosten für den Staat zu begrenzen, würde schnell der Ruf nach relativ hohen Mindestlöhnen laut, die Beschäftigung für gering Qualifizierte erst gar nicht entstehen lassen.

Dieser Weg ist also eine Sackgasse.

Trotzdem ist die Kombilohn-Debatte nötig - sofern es dabei allein um bedürftige Langzeitarbeitslose geht.