Heitere Olympische Spiele hatten es werden sollen, unbeschwert und beschwingt, damals in München. Die ersten zehn Tage verstrichen auch in gelöster Stimmung, weiß-blau wölbte sich im Sommer 1972 der bayerische Himmel über den Wettkämpfern. Aber am elften Tag verwandelte sich die fröhliche Szene in eine Stätte des Grauens.

In der Morgendämmerung des 5. September kletterten acht schwer bewaffnete Palästinenser, Angehörige des Terrorkommandos Schwarzer September, über den Zaun und drangen in das Quartier der israelischen Mannschaft ein. Die Angreifer erschossen den Gewichtheber Josef Romano und den Trainer Mosche Weinberg. Neun Sportler nahmen sie als Geiseln und fesselten sie an die Betten. Die Forderung der Terroristen: Freilassung von 232 Palästinensern aus israelischen Gefängnissen und unbehinderter Flug in ein Land ihrer Wahl.

Den ganzen Tag über wurde verhandelt. Das Angebot des Mossad-Chefs, eine israelische Spezialeinheit könne die Geiseln retten, lehnte die Bundesregierung ab. Ägypten verweigerte sich dem Bonner Ansinnen, die Geiselnehmer samt ihren Opfern nach Kairo ausfliegen zu lassen und dort die Freilassung der Geiseln zu garantieren. Am Abend wurden die Terroristen zusammen mit den israelischen Sportlern in Hubschraubern zum Fliegerhorst Fürstenfeldbruck befördert. Eine Boeing 727 sollte sie von dort angeblich nach Kairo bringen. Unterwegs – dies war zeitweilig wohl der Plan – könnten Antiterror-Spezialisten die Terroristen überwältigen.

Aber dann ging alles schief. Ein dilettantischer Befreiungsversuch durch viel zu wenige, obendrein unzureichend ausgebildete deutsche Scharfschützen endete in einem Blutbad. Die Terroristen schossen wie wild auf die gefesselten Israelis und warfen Handgranaten in die Hubschrauber. Die schreckliche Bilanz: alle neun Israelis tot, dazu fünf der acht palästinensischen Attentäter, dazu der Polizeiobermeister Anton Fliegerbauer. In Israel war die Bestürzung groß. Sie verdichtete sich zur Empörung, als Bonn Ende Oktober die drei überlebenden Killer nach Libyen ausfliegen ließ, nachdem andere Terroristen eine Lufthansa-Maschine mit siebzehn Passagieren und sieben Besatzungsmitgliedern in ihre Gewalt gebracht hatten.

Israels Ministerpräsidentin Golda Meïr beschloss, um der Gerechtigkeit willen wie der Abschreckung halber, Rache an den Terroristen zu nehmen. Israelisches Militär tötete in palästinensischen Flüchtlingslagern im Libanon über 200 Verdächtige. Und der israelische Geheimdienst machte sich quer durch Europa auf die Jagd nach allen, die im Verdacht standen, in den Münchner Anschlag verwickelt gewesen zu sein.