Du schlagen Frau? Du Baby in Bauch?
Ich habe einen Traum: Eine Frau sollte niemals und unter keinen Umständen auf dem Bau oder im Schlachthof arbeiten müssen. Auch sollten bestimmte Fachrichtungen der Medizin ausschließlich von Frauen ausgeführt werden. Ein Albtraum dagegen wäre, wenn mein einziger Sohn aufgrund seiner sexuellen Orientierung nicht willens sein sollte, meinen Genpool weiterzugeben, ich mich also jetzt schon im Alter vergrämt und vereinsamt darauf warten sehe, dass doch noch ein Enkel meine Knie wärmt.
Die Gesinnung, die sich in solchen Träumen oder Albträumen niederschlägt, heißt in Baden-Württemberg und demnächst vielleicht auch in Hessen »Nicht einbürgerungsfähig!« Konkret bedeutet diese Einstufung, dass mir meine deutsche Staatsbürgerschaft unter Umständen doch noch entzogen werden kann – mir, der einbürgerungsbewilligten Muslimin.
Der viel zitierte »Gesprächsleitfaden«, auf dem dieses Gedankenspiel beruht, prüft aber weder Einbürgerungswillen noch die zu erwartende Verfassungstreue. Er ist in seiner Architektur ein Fragespiel zum Thema »Political Correctness«. Nach seinem Muster könnte genauso gut und genauso vergeblich unsere innere Einstellung zum Ladendiebstahl erforscht werden. Zwar hat man gelernt, liegen zu lassen, was einem nicht gehört oder was nicht rechtmäßig erworben wurde, aber das bedeutet natürlich nicht, dass man die begehrte Ware möglicherweise nicht doch unbezahlt einstecken möchte. Dieses verständliche, aber fruchtlose Misstrauen in die Potenzialität unsres Handelns steckt in dem Fragespiel. Hält uns vom Diebstahl nur die Angst ab, erwischt und bestraft zu werden, oder ein echter sozialer Gemeinsinn? Strafrechtlich ist es allerdings irrelevant, weshalb eine Tat nicht begangen wurde. Wer kann schon garantieren, dass er niemals stehlen würde oder mit dem Gedanken zu stehlen gespielt hat?
Die Augenhöhe
Die Muslime in Deutschland, so heißt es allenthalben, fühlen sich durch den »Gesprächsleitfaden« diskriminiert. Ich würde mir eher wünschen, dass sie in schallendes Gelächter ausbrächen. Der Leitfaden hat in mir ein ähnliches Gefühl ausgelöst, wie ich es einmal im Krankenhaus hatte, als ich aufgrund einer missratenen Zahnoperation nicht sprechen konnte und die Röntgenassistentin mich beim Blick auf meinen Namen in der Krankenakte mit einem beherzten »Du Baby in Bauch?« begrüßte.
Warum traut man sich in Deutschland nicht, die Fragen auszusprechen, um die es tatsächlich geht? »Weshalb möchten Sie deutscher Staatsbürger werden?«, »Können Sie sich mit dem Grundgesetz identifizieren?« und »Gehören Sie einer religiösen Gemeinschaft an, wenn ja, welcher?« Punkt, aus. Aber in dem Leitfaden kommen diese Fragen ähnlich lächerlich versteckt daher wie ein als Laubstrauch getarnter Mensch in einer Fußgängerzone.
Die meisten Ausländer, die eingebürgert werden wollen, sind doch in dieser unserer Gesellschaft groß geworden. Sie sind durch die deutschen Bildungssysteme gegangen, und wenn man ihnen ein dementsprechendes Gesprächsniveau nicht zutraut, dann sollte man doch wenigstens so ehrlich sein und die Fragen in ein »Du schlagen Frau?« übersetzen. Wie man denn überhaupt das Gefühl nicht loswird, dass sich die Anhänger des Gesprächsleitfadens und diejenigen, die sie durch dieses Gespräch aussortieren möchten, auf relativ gleicher, unzivilisierter Ebene befinden.
Es gibt dieses hartnäckige Gerücht, dass sich durch alle Parteien schlängelt: Man würde gern integrieren, nur die demokratieresistenten Muslime wollen nicht. Nehmen wir einmal an, sie wollen tatsächlich nicht, die zwangsverheirateten Töchter, ihre Mütter, Väter und so weiter. Was ist dann mit uns? Was ist mit den integrationswilligen oder schon eingebürgerten Muslimen? Integration ist doch kein einseitiges Geschäft, in dem der Unterlegene anklopft und der Integrierende Einlass gewährt. Die deutsche Gesellschaft mit ihren Institutionen, ihren Behörden, Schulen, Parteien, Medien muss sich die Frage gefallen lassen, warum wir, die mittlerweile dritte Generation hier eingewanderter Bürger, in den meinungsbildenden Organisationen nicht vorkommen. Und zwar nicht als Exempel misslungener oder geglückter Integration, sondern als solche, die wir sind: Experten in Sachen Migration. Solange wir nicht auf breiter Ebene wahrgenommen, geschweige denn ernst genommen werden, ist der Leitfaden nur eine Leitplanke auf dem holprigen Weg hin zu einer offenen und integrierten Gesellschaft. Solange das Thema Integration immer nur in politisch brisanten Zusammenhängen behandelt wird, hält sich unter den Eingewanderten das Gefühl, dass ihnen die schwere Eichentür der Integration in anderen Zeiten wieder polternd vor der Nase zugeknallt werden könnte. Integration müsste doch zunächst gegenseitiges Interesse bedeuten.
Aber Jahr für Jahr werde ich zu Weihnachten gefragt: »Feiert ihr eigentlich auch?« Und Jahr für Jahr könnte ich antworten: Mittlerweile kennt die ganze Welt Weihnachten, selbst die Japaner feiern es. Und noch der am schlechtesten sprechende Türke wünscht ein freundlich gemeintes »Frohe Weihnachten«. Ihr Deutschen lebt seit über dreißig Jahren Tür an Tür mit Muslimen und fragt Jahr für Jahr, ob wir die Geburt Jesu feiern?
Es ist merkwürdig, zu sehen, wie sehr sich die Deutschen mit ihrer Nationalität quälen. Unablässig wird darüber diskutiert, ob man auf Deutsch singen, Schwarz-Rot-Gold tragen oder Patriot sein darf. Es ist ein verkrampftes und unauthentisches Deutschgefühl, das zwangsläufig die Frage provoziert, wie sich die Eingewanderten mit Deutschland, seiner Kultur und seinem Lebensgefühl identifizieren sollen, wenn es die Deutschen selber nicht können. In diesem Punkt haben die eingewanderten Bürger dieses Landes den eingeborenen Bürgern etwas voraus. Sie wissen genau, woher sie kommen, und sie lieben die Vorzüge ihrer Herkunftsländer. Sie müssen es auch tun, denn jeder Mensch sehnt sich nach einem Heimatgefühl oder zumindest nach einem Verwurzeltsein. Die Sehnsucht eines Immigranten nach seiner Heimat entspricht der eines älteren Menschen nach den besseren, früheren Zeiten. Der Nationalismus der Türkeifahnen wedelnden Kreuzberger wäre einem Zwanzigjährigen in Istanbul, Ankara oder Izmir fremd, aber es ist ein harmloses, nachvollziehbares, zugleich echtes Gefühl. Von den Immigranten zu verlangen, sich mit Haut und Haar einem diffusen Deutschsein auszuliefern, von dem die Deutschen selbst nicht wissen, was das sein könnte, ist vermessen.
Die Scholl-Latourisierung
Drei Millionen Türken leben in Deutschland, doch wer sind sie? Glaubt man dem Fernsehen, wohnen die meisten in Ghettos der Ballungsgebiete Berlin, Stuttgart und Frankfurt, sind in mafiosen Clanstrukturen organisiert, haben abgebrochene Hauptschulwerdegänge, die Jungen tragen Pistolen (zum Schutz ihrer Schwestern), die Mütter und Väter bereiten, Gebete murmelnd, die Zwangshochzeiten ihrer Kinder vor, die besonders Cleveren unter ihnen schleusen eine angebliche Ehefrau nach der anderen ins Land. Und wer kann besonders gut Auskunft über sie geben? Das sind die Alice Schwarzers, Günter Becksteins und Peter Scholl-Latours. Ihnen verdanken wir die Überspitzung, die Übertreibung, die Untergangsszenarien, all das, was uns so umtreibt, einschließlich der Angst vor dem unkalkulierbaren Risiko, wenn die europäischen Grenzen gen Orient geöffnet werden. Es ist politische Propaganda, und sie ist so durchsichtig, dass sich immer wieder die Frage stellt, warum das Kalkül nicht bemerkt wird und wieso es niemanden interessiert, wie die Verhältnisse tatsächlich sind. Niemand könnte über diese Fragen besser Auskunft geben als die Einwanderer selbst. Doch wer steht ihnen entgegen und vertritt die Antithesen? Es sind die ewig gleichen Quotenausländer: die Cem Özdemirs, Vural Ögers und Lale Akgüns. Ihre Antwort auf alle Fragen ist im Tenor entweder: Es ist alles ganz anders, oder es ist noch viel schlimmer, als ihr (die Deutschen) euch je vorstellen könnt.
Tatsächlich liegt die wahre Antwort in der Mitte. In der Mitte der Gesellschaft, und diese Mitte sind Menschen wie ich, die in erster Linie kein politisches oder wirtschaftliches Interesse verfolgen und ihr Leben nicht mit quälenden Leitfadenfragen verbringen, weil diese Was-wäre-wenn-Situation in unserem Leben keine Rolle spielt. Unsere Belange sind allerdings nur dann zu verstehen, wenn jemand bereit ist, komplexer zu denken. Es gibt eine Linie, die zwischen Kopftuch und Minirock verläuft. Aber wir, die scheinbar integrierte Mitte der zweiten und dritten Generation, werden in diese Gespräche nicht einbezogen, weil wir schon so etwas wie gute alte Bekannte sind. Man erwartet keinen neuen Aufschluss von uns. Von uns, die wir ja gar keine »richtigen« Ausländer mehr sind. Aber eben auch keine »richtigen« Deutschen.
Wie wir wahrgenommen werden
Ein Blick in die letzten Buchveröffentlichungen zeigt im Wesentlichen zwei Tendenzen. Da gibt es die Bücher der Fatime P. oder Leila T., die anonym bleiben möchten und deren Tatsachenberichte in ihrem Herkunftsland Furore machten, weil das, was sie erlebt haben, bei ihnen zu Hause absolute Normalität sei (Gewalt, Vergewaltigung, Sklavenhaltung) und sie endlich einmal aussprechen wollten, »wie es in Wirklichkeit ist«. Selbstverständlich droht ihnen eine Art von lebensbedrohlicher Vergeltung. So läuft das übliche Marketing der Verlage, und man wundert sich nur, dass auf diesen Büchern nicht ein dicker Stempel prangt mit dem Schriftzug »Todesstrafe!«. Diese Bücher verkaufen sich auf dem Rücken von Salman Rushdie oder Orhan Pamuk, sie bewegen sich allerdings auf Talkshow-Ebene, sprachlich wie inhaltlich.
Die andere Art von Literatur sind die trotzigen Gegendarstellungen, wie das kürzlich erschienene Buch der türkischen Journalistin Hatice Akgün, die in ihrem Buch Einmal Hans mit scharfer Soße ihre amüsierte Sicht auf das Leben in zwei Welten beschreibt. Eine Art Leben, die darin besteht, mit sexy Gucci-Pumps im Berliner Tiergarten auf die Grillparty des Vaters zu gehen. Unverheiratet, selbstständig und nicht verfolgt. Jaja, möchte man rufen, wir lebenslustigen, zu jedem Späßchen bereiten emanzipierten Türkenmädchen, die angeblichen anderen in dieser Gesellschaft, die besser angekommenen Musliminnen!
Es sind aber dann doch die Männer unter uns, die sich besser behaupten können. Vielleicht liegt das tatsächlich an unserer kulturellen Erziehung, die da heißt: anpassen und nicht auffallen. Feridun Zaimoglu ist der einzige literarisch anerkannte Autor, der es geschafft hat, seine Lebenswirklichkeit in Kunst zu übersetzen. Gerade sein Beispiel zeigt, wie fruchtbar seine Biografie mit beiden Sprach- und Lebenserfahrungen für die Literatur sein kann. Wortkaskaden, Bilder von nicht enden wollender Fantasie, Erzählreichtum fern von Ethnokitsch. Hier hat sich jemand aus der Opferperspektive ein für alle Mal verabschiedet. Doch nach Zaimoglu und einigen wenigen anderen kommt nur die literarische Wüste.
Eine verdächtige Entwicklung. Dürfen wir uns immer nur dann öffentlich äußern, wenn wir entwürdigende Erfahrungen gemacht haben oder kriminell geworden sind? Und ist es möglich, dass wir immer dann als besonders gut integriert gelten, wenn wir assimiliert und unsichtbar sind? Steckt hinter diesem zwanghaften Abwerfen von kultureller Identität, das es unter uns auch gibt, vielleicht die Angst, mit jenen Milieugenossen in einen Topf geworfen zu werfen, von denen wir uns so mühevoll emanzipiert haben?
Wer wir sein könnten
Ich habe noch einen Traum: Ich wünschte, ich könnte die Zeit zurückdrehen und würde noch einmal meine Eignungsprüfung am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig wiederholen. Man würde mir noch einmal folgende Frage stellen: »Glauben Sie, Sie sind stark genug, es auszuhalten, dass Ihre deutschen Kommilitonen sich für die Themen Ihrer Lebenswirklichkeit nicht interessieren werden?« Ich wünschte, ich hätte damals geantwortet: »Glauben Sie, meine Kommilitonen sind stark genug, die Themen meiner Lebenswirklichkeit auszuhalten und verstehen zu wollen?«
Stattdessen habe ich gestottert und versucht, zu erklären, dass meine Lebenswirklichkeit nicht ein- oder ausschaltbar ist, dass sie nicht punktuell stattfindet, sondern dass ich mit ihr lebe. Beim Bäcker, in der Schule, beim Arzt, mit meinen Freunden am Tisch. Der Gedanke, dass das, was ich eventuell in meiner Literatur mitzuteilen hätte, niemanden interessiert, hat mich stark verunsichert. In den Jahren meines Studiums habe ich allerdings festgestellt, dass jenes Lebensgefühl, welches in der gegenwärtigen Literatur von deutschen Gleichaltrigen widergespiegelt wird, mich auch nicht immer interessiert hat. Die Suche nach der Identität, das lakonische Stammeln über die Unaussprechlichkeit von Gefühlen, die mühevolle Selbstanalyse, all das unterscheidet sich grundlegend von meinen Themen. Aber am Ende taugt diese Literatur doch zu etwas; sie erklärt ein Generationsgefühl und ermöglicht eine Verständigung – vorausgesetzt, man möchte sich verständigen.
Wenn man uns gefragt hätte
Hätte man nur einen einzigen eingebürgerten Muslim an dem berühmten »Gesprächsleitfaden« beteiligt, hätte dieser vielleicht Gelegenheit gehabt, die Erinnerung des baden-württembergischen Innenministers Heribert Rech aufzufrischen. Die Frage nach der Akzeptanz homosexueller Politiker in öffentlichen Ämtern wurde nicht von Muslimen diskutiert, sondern in deutschsprachigen Medien. Genauso verhält es sich mit der Frage nach weiblichen Autoritäten. Die Türkei hatte mit Tansu Çiller schon vor mehr als zehn Jahren eine Ministerpräsidentin, und wenn die Parteikollegen von Angela Merkel ein Problem mit weiblichen Autoritäten haben, so ist das demzufolge kein muslimisches, sondern ein gesellschaftliches Defizit.
Die Geschlechterfrage ist ein ungelöstes Problem in allen rechtsstaatlichen und demokratischen Systemen. In nicht freiheitlich organisierten Staaten, wie der DDR beispielsweise, hat die Gender-Problematik eine geringere Rolle gespielt als in der heutigen BRD. Und die Frage, wie man sich als Elternteil verhält, wenn eine Schwarzafrikanerin aus Somalia der Tochter eine Arbeitsstelle wegschnappt, würde ich gern von einigen Politikern beantwortet bekommen, wahlweise auch von Teilen brandenburgischer Wählerschaft.
Der Fragebogen, so wie er zurzeit existiert, offenbart die arrogante Haltung der Politiker, die meinen, bei Einwanderern eine Einstellung kritisieren zu dürfen, die sie weiten Teilen der deutschen Bevölkerung nicht abgewöhnen konnten. Ein moralischer Maßstab, der für alle Bürger gilt, wäre eine Utopie, zugegeben, aber eine gerechte. Alles andere ist Ausgrenzung und das Gegenteil von Integration.
Mely Kiyak , geboren 1976, ist seit acht Jahren deutsche Staatsbürgerin mit türkisch-kurdischer Abstammung. Sie hat am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig studiert; jetzt lebt und arbeitet sie als freie Journalistin und Autorin in Berlin
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- Quelle (c) DIE ZEIT 19.01.2006 Nr.4
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Hätte gern sehr viel mehr solcher Zwischen- und Orginaltöne in der Presse!
Was mich an dieser Fragebogengeschichte immer staerker wundert, ist, dass offenbar alle glauben, man koennte die Fragen mit "ja" oder "nein", richtig oder falsch beantworten. Offenbar haelt man diejenigen, die ihn berufsbedingt an die Hand bekommen, fuer Deppen... Und ich persoenlich glaube nicht, dass sie das sind.
"Ein Albtraum dagegen wäre, wenn mein einziger Sohn aufgrund seiner sexuellen Orientierung nicht willens sein sollte, meinen Genpool weiterzugeben, ich mich also jetzt schon im Alter vergrämt und vereinsamt darauf warten sehe, dass doch noch ein Enkel meine Knie wärmt."
Das ist ein nachvollziehbares Argument. Akzeptiert, kein Problem. Weiter im Text. Es ist aber etwas grundsaetzlich anderes, wenn jemand darauf antwortet: "Nein, Homosexualitaet ist nicht von Allah gewollt." Oder: "Nein, in dem Falle werde ich ihn umbringen." Im letzteren Fall weaere wohl die Anschlussfrage: "Das ist in Deutschland verboten. Wuerden Sie es trotzdem tun, weil Ihr Glaube es von Ihnen verlangt?" Wenn dann ein sinngemaesses Ja kommt, hat sich der Fall erledigt. Und zwar - in meinen Augen - voellig zu recht.
Und genau das ist der Punkt, um den es immer wieder geht: *Warum?*
Warum darf eine Frau nicht im Schlachthof arbeiten? Weil sie als Frau an den Herd gehoert? Weil Blut unrein ist? Oder weil es sie auf Dauer koerperlich kaputtmacht? Man kann auf jede Frage verschiedene Antworten finden. Ob sie akzeptabel sind, haengt an der Begruendung.
Warum darf es keine Gynaekologen geben? Weil sich Frauen genieren koennten? Tun sie nicht alle, aber okay, akzeptiert. Weil ein Mann keine fremde Frau beruehren darf? Halt mal, warum nicht? Allah hat es so gewollt? Ach ja. Und wenn ein Notarzt einer Frau hilft?
"Hält uns vom Diebstahl nur die Angst ab, erwischt und bestraft zu werden, oder ein echter sozialer Gemeinsinn?" Viele Antworten sind denkbar, und nochmal - der Fragebogen stellt keine "Ja/Nein"-Fragen, es gibt keine "richtigen" und "falschen" Antworten.
"Warum traut man sich in Deutschland nicht, die Fragen auszusprechen, um die es tatsächlich geht? »Weshalb möchten Sie deutscher Staatsbürger werden?«, »Können Sie sich mit dem Grundgesetz identifizieren?« und »Gehören Sie einer religiösen Gemeinschaft an, wenn ja, welcher?« Punkt, aus." Nein, eben nicht an dieser Stelle Punkt. Dann waere es wirklich, was so viele spontan unterstellen: Diskriminierung. Die naechste Frage muss lauten: "Wie verhaelt sich Ihr religioeser Gehorsam zu ihrem saekularen? Was passiert, wenn die beiden Gebots- und Verbotssystem kollidieren? Welches hat den Vorrang?"
Und dann wird der Christ, der seinem Glaubensgehorsam den Vorrang vor dem staatlichen Gesetz einraeumt, genauso weitergefragt werden wie der Muslim - und gegebenenfalls genausowenig eingebuergert. Wenn ein Christ meint, seine Frau aus Glaubensgruenden schlagen zu muessen, kann er kein "Deutscher" werden, weil Deutsche ihre Frauen, wenn, dann aus *anderen* Gruenden schlagen ;-) .
Ist das so schwer zu verstehen? Offenbar ja.
"Was ist dann mit uns?" Solange Sie Antworten geben, die mit der deutschen Rechtsprechung vereinbar sind, koennen Sie eingebuergert werden. Es widerspricht nicht dem deutschen Recht, Frauen durch Schutzklauseln von der Arbeit in Schlachthoefen abhalten zu wollen. Es widerspricht auch nicht dem deutschen Recht, Gynaekologinnen zu wuenschen. Es widerspricht erst dem deutschen Recht, wenn man einer Frau verweigern will, von einem Notarzt behandelt zu werden, _weil er nun mal das falsche Geschlecht hat_ und "ein Mann keine fremde Frau beruehren darf".
Wenn Sie allerdings dem Verwaltungsbeamten vermitteln, dass Sie ihn fuer einen Deppen halten, der nur "ja" oder "nein", "schwarz" oder "weiss", "richtig" oder "falsch" kennt... naja gut, auch Verwaltungsbeamten sind zuweilen langmuetig, freundlich, geduldig - und fragen nach, warum sie das denken. Wenn Sie sagen, dass (fast) alle Deutschen ihre Politiker und Beamten so sehen, werden sie vielleicht sofort eingebuergert ;-) ...
(Ach ja, ich vergass: Ironie ist in Deutschland kennzeichnugnspflichtig. Also: In diesem Text sind ironische und missverstaendliche Saetze enthalten; bitte denken Sie, bevor Sie sich erregen.)
Mensch Mädel,
geh doch mal raus und schau Dir Lebenswirklichkeit da draußen an!
Was will uns dieser Artikel eigentlich sagen? Dass der Fragebogen oder Gesprächsleitfaden nicht gut ist, weil man diejenigen, die befragt werden sollen, vorher nicht gefragt hat? Klar ist er nicht gut; weil es schon generell schwierig und bedenklich ist so etwas einzuführen, das vom dahinter steckenden Gedanken nahe an die Leitkultur rankommt.
Und überhaupt: Berichte über ideologische und kriminelle Auswüchse sind natürlich immer übertrieben und dramatisiert.
Berichte über exponierte und erfolgreich Einwanderer sind immer beschönigt und klischeehaft.
Und ganz "normale" Einwanderer, die sich super hier integriert haben, sind eigentlich gebrochene Menschen, weil sie von der bösen Gesellschaft gezwungen wurden, ihre Kultur und Identität aufzugeben ...
Was willst Du denn bitte?!
Ich habe das Gefühl, meiner Seele sein ein wohlgeformter Mund entsprungen, der die Sprache meines, oder unseres Herzens spricht.
\N
Ich hatte einen Traum, ich stellte mir vor, dass alljährlich alle wahlberechtigten Bürger unseres Landes einen Fragebogen unter Aufsicht nee, nicht zu Hause! ausfüllen müssen. Von den Antworten soll dann abhängen, ob der Betreffende noch in Deutschland verbleiben darf, für Deutschland noch tragbar ist oder eben nicht was dann die Ausweisung in ein Land seiner Wahl zur Folge hätte. Viele würden sich durch die geschickte Fragestellung mit Ihren Antworten als Querulanten, Sektierer, Perverse, Terroristen oder gar als Demokratiegegner outen. So wären sie dann leicht zu separieren, so dass Deutschland bald zu einer richtigen Musterdemokratie mutieren könnte.
Ganz nebenbei wären wichtige Informationen über Gewohnheiten, Wünsche, Ess- und Trinkverhalten zu ermitteln, die man sich direkt von der Industrie versilbern lassen könnte um den Erlös dann das Gemeinwohl einzusetzten, natürlich!
Klitzekleine Fragen nach der politischen Gesinnung könnten die Wahlen ersetzten!
Es wäre möglich, eine Volkszählung zu integrieren, womit wir neue aktuelle Zahlen erhielten und exakt wüssten, wie viele Einwanderer wir ins Land holen müssten, um nicht auszusterben.
Klar, die Schwierigkeit besteht darin, die kurzen Fragen zu formulieren, jeder weiß ja, dass keiner mehr lesen tut. Schon gar nicht lange Sätze oder ganze Kapitel. So kurz und bündig wie im Internet, ja. Und mit "ja" oder "nein", eben kurz sollten die Fragen auch beantwortet werden können, sonst nix.
Andere Sorgen hat unser geliebtes Land ja zur Zeit nicht.
Wieviele Morde an homosexuellen Söhnen und entehrten Töchtern gibt es denn in Deutschland, so dass diese Zahl tatsächlich über so einen Fragebogen reduziert werden könnte?
(Nicht mal annähernd genug, denn solche Extremfälle auf 3Millionen verteilt, sind in Wirklichkeit eine Marginalität.)
Wieviele vermeintlich Mörder gibt es, die ihre Tat ankündigen, und dann nicht mal ansatzweise dazu fähig sind?
(Ebenfalls keine Nennenswerte Größe.)
Der Fragebogen ist ein schlechter Witz, und bringt dort zusätzliche Ausgrenzung, wo Integration stattfindet. Letztendlich verkörpert der Fragebogen nur einen Versuch, türkischstämmige Mitbürger von ihrem demokratischen Wahlrecht abzuhalten. Zum Aufspüren von Straftätern, die ohnehin irgendein Bleiberecht haben, und dadurch nicht von ihrer Tat abgehalten werden dürften, ist der Fragebogen unsinnig. Letztendlich ist es sogar eine Form von Apartheid, wenn einheimische deutsche Bürger ihre Vorurteile haben dürfen und der eingewanderte, bzw. hier schon immer seinen Lebensmittelpunkt habende Einbürgerungswillige nicht. Wie schon im Artikel erwähnt, wenn man Umfragen starten würde, wie manch Einheimischer über dieses und jenes denkt, dann müsste man nach den Fragebogenkriterien Staatsangehörigkeiten entziehen.
Abgesehen davon, mein Einbürgerungssachbearbeiter ist ein arroganter überheblicher Idiot, und mir graut es, wenn Er solch Werkzeug bei der Beurteilung zur Hand hätte. Bei dem bin ich mir sicher, dass das Bedauern über einen Homosexuellen Sohn, weil man dann auf Enkel verzichten müsste, als Rechtsstaatsfeindlichkeit ausgelegt wird.
die Einwanderungsbehoerden erlaubt sein sollte, ist die, ob der Einwanderungswillige bereit ist, sich mit dem Grundgesetz zu identifizieren. Letztlich beinhaltet das die Bereitschaft zur Einordnung in die Gesellschaft.
Aber da ja noch vor nicht zu langer Zeit Deutsche Deutsche zu "Nichtdeutschen" erklaert haben, wundert es nicht so sehr, dass auch heute Deutsche nicht gern "Nichtdeutsche" zu Deutschen erklaeren. Traurig, aber so ist es wohl. Die Fragebogen sind ein Schandmal fuer das betreffende Bundesland!
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