Bei der Grünen Woche gibt es immer viel umsonst, aber in diesem Jahr haben es einige Kostproben besonders in sich: die goldgelben Samentütchen der Traditionssorte Bantam. Dieser Mais ist nach der Ernte nicht nur süß und lecker. Frisch, frech, fruchtbar, frei soll er von Brandenburg bis Bayern den Anspruch seiner Anbauer begründen, die Namen möglicher Gentechnik-Bauern in der Nachbarschaft zu erfahren. Pollen aus deren Mais könnten zu den sortenreinen Bantam-Pflänzchen hinüberwehen und diese kontaminieren.

Das subversive Geschenk, das die europaweite Initiative Save our Seeds und die Zukunftsstiftung Landwirtschaft verteilen, zielt auf lokalen Streit - und auf den Kurswechsel der Bundesregierung in Sachen grüner Gentechnik.

Der klingt so eindeutig wie bei kaum einem anderen politischen Thema: Forschung und Anwendung wolle man in Zukunft fördern, so steht es im Koalitionsvertrag, und daher das strenge Haftungsrecht der früheren Verbraucherschutzministerin Renate Künast von den Grünen wieder umschreiben.

Dieses wirkt bremsend auf Gentechnik-Landwirte, weil es ihnen nach dem Verursacherprinzip die Verantwortung auferlegt. In Zukunft sollen stattdessen Schäden aus einem allgemeinen Haftungsfonds finanziert werden.

Durchgesetzt hatte Angela Merkel diese Wende, ermuntert durch den Druck der großen Saatgutkonzerne und einiger Wissenschaftler, die den Firmen nicht selten nahe stehen. Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft etwa, Ernst Ludwig Winnacker, sitzt bei Bayer im Aufsichtsrat - unter Rot-Grün hatte er noch vergeblich getrommelt, dass deren restriktive Politik die deutsche Forschung mit Gentechnisch Veränderten Organismen (GVO) gefährde.

Horst Seehofer als Künasts Nachfolger zeigte denn auch rasch Entschlossenheit und ließ die erste manipulierte Maissorte, MON 810 vom Agrarkonzern Monsanto, für den kommerziellen Anbau in Deutschland zu. Je länger sich der neue Minister jedoch auf der Grünen Woche durch die Berliner Messehallen futterte, desto unverbindlicher wirkte er bei dem strittigen Thema. Kaum ein Wort dazu in seinen Reden, kritische Besucherfragen ließ Seehofer andere beantworten, Journalisten fertigte er wortkarg ab: Er wolle keinen Schnellschuss, sondern erst mal nachdenken.

Hatten Gespräche an den Ständen der alternativen Bauernorganisationen Wirkung gezeigt? Die hatte der Umschüler in seinem Ministerium noch nicht empfangen, im Gegensatz zu den Vertretern von Gerd Sonnleitners Bauernverband. Aber auch weniger erwartbarer Gegenwind könnte die schwarz-rote Offensive ins Wanken bringen: die Sorge um Demokratie, Arbeitsplätze und Marktchancen.